Traditions-Campingplatz in Loope steht vor dem Aus - Camper wollen sich wehren

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WDR 3 Min. 14 Sek. Verfügbar bis 04.05.2028

Nach 60 Jahren Looper Campingplatz an der Agger soll schließen

Stand:

Nach mehr als einem halben Jahrhundert fällt auf: Dem Campingplatz fehlt die Genehmigung. Jetzt soll er schließen.

Langsam schwimmen die Stockenten vorbei - nur wenige Meter entfernt von Monika Zander und ihrem Mann. Das Ehepaar sitzt auf seinen Gartenstühlen vor dem liebevoll eingerichteten Wohnwagen und gönnt sich das erste Kaltgetränk des Wochenendes. Es könnte so schön sein: Der Blick auf die grünen Hügel des Oberbergischen; die träge dahinfließende Agger; das Glockengeläut der Herz Jesu Kirche.

"Ich mache hier immer Wochenendcamping und erhole mich von dem wilden Stadtleben. Das machen wir seit 35 Jahren. Ich liebe Loope!" Monika Zander, Camperin aus Düsseldorf

Doch seit Dezember ist die Sorge bei den 40 Campern in Loope groß. Die Betreiberin Gertrud Decker erhielt ein Schreiben des Kreises: Der Platz müsse Ende 2027 geräumt werden. Die Camper sind geschockt, wollen etwas unternehmen. Zu Beginn der neuen Campingsaison startet Platzwartin Denise Kurth eine Petition, um Unterstützer für den Platz zu sammeln.

Platz hatte nie eine Genehmigung

eine gebräunte, braunhaarige alte Frau mit Brille schaut direkt in die Kamera

Gertrud Decker hat den Campingplatz 2004 gekauft

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Kurz nach der Flutkatastrophe im Ahrtal soll sich eine besorgte Bürgerin erkundigt haben, ob bei Hochwasser Lebensgefahr für die Campergemeinschaft an der Agger bestehen könnte. Das Kreisbaudezernat habe daraufhin den Hochwasserschutz geprüft und festgestellt, dass der Platz tatsächlich in einem Überschwemmungsgebiet liegt.

Dabei zeigte sich jedoch ein noch größeres Problem: Seit 1966 wird der Platz zwar offiziell betrieben und auch in Karten als Campingplatz ausgewiesen - eine Genehmigung dafür liegt dem Kreis offenbar jedoch nicht vor. Dabei wurde damals der Bau eines Waschhauses für den Campingplatz offiziell genehmigt. "Als ich den Platz in den 1990er Jahren als Pächterin übernahm, habe ich den Fehler gemacht und nicht gefragt, ob der Platz denn überhaupt genehmigt ist. Weil es vor mir ja schon zwei Vorpächter gab", erklärt Decker.

Sonnenbaden auf der Kuhwiese

Alter Mann sitzt vor einem Tisch mit vielen Fotografien darauf

Karl Lenz hat die ersten Tage des Campingplatzes miterlebt

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Als der Looper Karl Lenz von der Not der Camper hört, schreibt er einen Brief. Seine Eltern pachteten 1927 das Grundstück - damals noch eine Kuhwiese - samt angrenzender Wirtschaft. Nach dem Krieg seien Städter aufs Land gekommen, um ihre Freizeit zu genießen. "Sie legten sich zwischen die Kühe und ließen das Tor auf, dann liefen die Kühe weg. Ich habe die Leute anfangs noch weggejagt", erinnert sich der 95-Jährige. Aber sie kamen wieder, stritten sich sogar um die besten Plätze.

Schleichend zum Campingplatz geworden

Der Ortspolizist wusste Rat. Lenz solle abgesteckte Wiesenstücke zuweisen und dafür Miete nehmen. So seien die Leute miteinander ausgekommen. "Dann kamen Zelte dazu, später Wohnwagen, und so war der Platz um 1950 komplett belegt.“ Der Campingplatz hatte sich etabliert.

Dass diese Gemeinschaft nun aufgelöst werden soll, kritisiert der Looper. Besonders die Bedenken, es könne zu einem gefährlichen Hochwasser kommen, weist Lenz zurück. Noch nie habe er erlebt, dass die Wiesen des Campingplatzes unter Wasser standen.

Kreis äußert sich nur allgemein

Der Kreis äußert sich zu der Frage, ob der Campingplatz tatsächlich wegen Hochwassergefahr schließen müsse, nicht. Aus Datenschutzgründen im laufenden Verfahren. Er teilt jedoch mit, dass die nachträgliche Legalisierung eines Campingplatzes allgemein beantragt werden könne.

"Im Rahmen des dann erforderlichen Verfahrens, werden alle rechtlichen Erfordernisse geprüft, u.a. die Ausnahme eines Bauverbotes im Überschwemmungsgebiet. Die Frage nach den baurechtlichen Vorschriften (u.a. zum Hochwasserschutz) stellt sich erst dann, wenn der Eigentümer/ die Eigentümerin eines Campingplatzes beantragt, diesen weiterbetreiben zu wollen. (...)" Kreisbaudezernat des Oberbergischen Kreises

Viel Geld für eine Wiese?

Ob Gertrud Decker diesen Antrag stellt, hängt davon ab, welche Anforderungen der Kreis an den Campingplatz stellt - und wie viel diese kosten. Seit die Kölnerin den Platz 2004 gekauft hat, investierte sie viel Geld und bezahlte Grund- sowie Gewerbesteuer. "Im Grunde habe ich, wenn er nicht genehmigt war, viel Geld für eine Wiese bezahlt", sagt Decker etwas ungläubig.

Mehrere Menschen stehen oder sitzen um einen Tisch herum und trinken Getränke aus Flaschen

In der "Campers Corner" treffen sich die besorgten Camper

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Die Camper tun nun alles, um Unterstützer für ihren Campingplatz zu finden und ihren Lieblingsplatz an der Agger nicht zu verlieren. Rückenstärkung erhoffen sie sich auch vom Bürgermeister der Gemeinde Engelskirchen, einem gebürtigen Looper. Auch dem Kreis wollen sie nun ein Gespräch anbieten. Was ihr Engagement bewirkt, wird sich dann zeigen. Sicher ist aber: Sollte der Platz wirklich schließen müssen, drohen einige gebrochene Herzen.

Unsere Quellen:

  • Kreisdezernat des Oberbergischen Kreises
  • Camper und Betreiberin des Campingplatz Loope
  • Zeitzeuge Karl Lenz
  • Beobachtungen der Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Traditions-Campingplatz in Loope steht vor dem aus - Camper wollen sich wehren, 04.05.2026, 16:18 Uhr.

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