Reiseverandstalter wollen für Flüge keine Nachzahlungen | WDR aktuell
WDR. 00:36 Min.. Verfügbar bis 05.05.2028.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Bundesregierung bestehen aktuell keine Kerosin-Engpässe. Wie die Lage in einigen Monaten sein wird, ist aber unklar.
- Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) warnt jedoch vor möglichen Flugstreichungen und Preiserhöhungen im Sommer - 20 Millionen Fluggäste könnten davon im schlimmsten Fall betroffen sein.
- Preise für Flüge sind bereits gestiegen. Selbst von Pauschalurlaubern, die längst gebucht haben, dürfen Airlines Zuschläge verlangen.
- Zumindest die großen deutschen Reiseveranstalter Tui, Alltours und Dertour gaben jetzt bekannt: Sie wollen die Preise für schon gebuchte Reisen nicht erhöhen.
An den Tankstellen hat man die Auswirkungen des Iran-Kriegs als Erstes zu spüren bekommen. Auch Lebensmittelpreise könnten steigen, falls für die Bauern der Dünger knapp wird. Darüber hinaus besteht die Sorge vor einem spürbaren Mangel an Kerosin, was nicht zuletzt Auswirkungen auf Flugreisen für den Sommerurlaub haben könnte.
Werden Sommerferien-Flüge teurer?
Seit Beginn des Iran-Krieges ist der Kerosinpreis deutlich gestiegen. "Für Reisende in Deutschland wird Fliegen erst einmal spürbar teurer", sagte Maria Latorre vom Kreditversicherer Allianz Trade Ende April. "Selbst wenn sich die Lage im Nahen Osten rasch entspannt, bleiben die Effekte auf Preise und Angebot über die Ferienzeit hinaus bestehen."
Flüge nach Südostasien oder Australien sind allein schon wegen des kriegsbedingten Ausfalls der Luftdrehkreuze in den Arabischen Emiraten deutlich teurer geworden.
Ein Flugzeug wird am Flughafen betankt.
Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Energex dürften die Kerosinpreise umso mehr steigen, je länger der Krieg in Nahost dauert - und die Fluggesellschaften dürften die Preise an die Passagiere weiterreichen.
Das könne auch Reisende betreffen, die ihr Flugticket längst gekauft haben, sagt Birgit Eger von der WDR-Wirtschaftsredaktion:
"Die Preise für Pauschalreisen, die können steigen, auch wenn ich schon gebucht habe." Birgit Eger, WDR-Wirtschaftsredaktion
"Denn es ist so, dass die Reisegesellschaften auch ohne Zustimmung der Reisenden bis acht Prozent mehr verlangen können", sagt Eger. "Die Erhöhung darf dann nur vor dem 20. Tag vor der Abreise verlangt werden, also nicht so ganz, ganz kurzfristig."
Die großen deutschen Reiseveranstalter Tui, Alltours und Dertour gaben mittlerweile bekannt, dass sie die Preise für gebuchte Reisen wegen der gestiegenen Kerosinkosten nicht nachträglich erhöhen wollen. Das berichtet der "Tagesspiegel" am Dienstag (05.05.2026).
Allerdings ergänzte der Chef der Rewe-Touristiktochter Dertour-Group, Christoph Debus, dass der Kerosinpreis im Moment weiter steige. "Wenn dies auf dem Niveau bleibt, können wir Kostensteigerungen für zukünftige Buchungen nicht ausschließen."
Die spanische Billigfluggesellschaft Volotea erhebt bereits seit Mitte März je nach aktueller Lage am Markt einen Aufschlag von bis zu 14 Euro pro Passagier. Sollten die Kerosinpreise dann doch nachgeben, wolle man den Zuschlag zurückzahlen. "Fair Travel Promise" nennt die Airline das.
Drohen in der Urlaubszeit sogar Flugausfälle?
Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), hält Flugausfälle bei weiterhin mangelndem Kerosin-Nachschub für wahrscheinlich. Auch Energex geht davon aus, dass bei einer anhaltenden Krise im Iran Airlines darüber nachdenken dürften, Flugverbindungen zu streichen.
Auch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) warnt vor möglichen Flugstreichungen und Preiserhöhungen im Sommer. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel erklärte der "Welt am Sonntag" (09.05.2026), es sei zu befürchten, dass vor allem bei Low-Cost-Airlines und touristisch weniger bedeutsamen Destinationen weitere Flüge gestrichen werden. "Im Worst-Case-Szenario droht an manchen Flughäfen ein Kapazitätseinbruch von zehn Prozent", so Beisel.
"Hochgerechnet auf alle Flughäfen wären 20 Millionen Fluggäste betroffen." Ralph Beisel, ADV-Hauptgeschäftsführer
Die Reiseveranstalter Tui, Alltours und Dertour gehen derzeit nicht davon aus, dass Urlaubsreisen etwa wegen Kerosinmangels nicht stattfinden können. "Bei uns fällt nichts aus", sagte Tui-Sprecher Aage Dünhaupt dem "Tagesspiegel". Ein Alltours-Sprecher erklärte:
"Wir gehen davon aus, dass unsere Gäste wie geplant ihren gebuchten Sommerurlaub genießen können." Jens Völmicke, Alltours-Sprecher
Lufthansa hatte erst im April angekündigt, besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb zu nehmen. Gleichzeitig verkündete der Konzern, das Angebot Lufthansa CityLine per sofort zu streichen. Die Begründung: "gestiegene Kerosinkosten und Mehrbelastungen aus Arbeitskämpfen".
Gerade bei innerdeutschen Reisen könnten Airlines Einsparungen vornehmen, indem sie Flüge streichen und durch Bahnfahrten ersetzen, sagt Eger aus der Wirtschaftsredaktion.
Welche Rechte habe ich als Fluggast?
"Man behält auf alle Fälle den Anspruch auf Beförderung, auch wenn der Flug gestrichen wird", sagt Eger. "Dann kann die Fluggesellschaft einen anderen Flug anbieten, muss mindestens den Flugpreis erstatten."
"Möglicherweise gibt es sogar noch weitere Ansprüche auf Ausgleichszahlung", so Eger. Dazu müsse aber wohl erst noch gerichtlich geklärt werden, ob auch Kerosinmangel ein Fall von "höherer Gewalt" sei.
Wer eine nachträgliche Preiserhöhung für eine Pauschalreise nicht zahlen will, muss genau hinschauen. Ein Rücktrittsrecht wegen einer solchen Preiserhöhung gibt es laut Gesetz erst, wenn diese über acht Prozent liegt. Dann gibt es die Möglichkeit, kostenlos vom Vertrag zurückzutreten.
Wie sicher ist die Kerosin-Versorgung?
Aus dem Nationalen Sicherheitsrat war Mitte April zu hören, es gebe derzeit keine Versorgungsnotlage für Treibstoff in Deutschland. Die Vorräte gerade an Kerosin betrachtet der Rat für eine absehbare Zeit als ausreichend. Man werde die Lage aber weiter intensiv beobachten. Dem Sicherheitsrat gehören außer Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mehrere Bundesminister und der Chef des Kanzleramtes an.
Auch Joachim Lang vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sagte dem WDR im April, dass er die Kerosin-Versorgung aktuell für gesichert hält. Er gab jedoch zu bedenken: "Die Mineralölwirtschaft sagt uns allerdings nicht, wie es in mehreren Monaten sein wird."
Zuvor hatte die Internationale Energieagentur (IEA) gewarnt, mehrere europäische Länder könnten bald von einer beginnenden Kerosin-Knappheit betroffen sein.
Unsere Quellen:
- "Welt am Sonntag": Deutsche Flughäfen rechnen mit Flugstreichungen im Sommer, 09.05.2026
- "Tagesspiegel": Erste Airlines streichen Flüge, 05.05.2026
- WDR-Interview mit Joachim Lang, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, im "Morgenecho" bei WDR 5 am 21.04.2026
- Gespräch mit Birgit Eger aus der WDR-Wirtschaftsredaktion
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 651g Erhebliche Vertragsänderungen
- Website-Informationen der Airline Volotea zum "Fair Travel Promise"
- Mitteilung der Lufthansa Group vom 16.04.2026
Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 05.05.2026, 9 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 05.05.2026, 12:45 Uhr