Zwei Kumpel, zwei Trabis und ein Ziel

WDR 04:06 Min. Verfügbar bis 03.07.2028

Von Ostwestfalen nach Ungarn Zwei Kumpel, zwei Trabis und ein Ziel

Stand:

Dennis-Fabian Horn und Frederik Beck sind Mitte 20 und teilen eine Leidenschaft: ihre Trabanten 601, gebaut Ende der 1980er, in der DDR. Die gelernten KFZ-Mechatroniker fahren damit nicht nur sonntags durch die Gegend, sie wagen auch die große Reise und wollen bei 30 Grad im Schatten von OWL bis an den Balaton. Zwei Tage sind sie dafür unterwegs. 10 Stunden pro Tag. Ohne Klimaanlage.

Erstmal Fenster auf und Ventilator an. Die Temperaturanzeige im Innenraum des 37 Jahre alten Trabis von Dennis zeigt 49 Grad. Bevor der Zündschlüssel den Zweitakt-Motor startet, muss der Choke gezogen werden, um den Kraftstoffhahn zu öffnen. Darüber hängt ein kleines Foto von Erich Honecker. Dennis hat sich anstecken lassen mit dem Trabi-Fieber seines Kumpels Frederik.

Frederick Beck und Dennis-Fabian Horn

Frederick Beck und Dennis-Fabian Horn aus OWL mit ihren Trabanten

Die beiden haben zusammen ihre Lehre zum KFZ-Mechatroniker gemacht, als Frederick mit 17 sein erstes eigenes Auto bekam. Einen Trabant 601 von 1989. Seit acht Jahren hegt und pflegt er seinen DDR-Oldtimer.

"Das erste Spielzeug was ich mit drei Jahren hatte, das war ein kleiner grüner Trabi mit weißem Dach. Und da dachte ich: 'Ja, das wär doch was!'" Frederik Beck, hat seit acht Jahren einen Trabant

Garage als DDR-Museum

In der Berufsschule haben sie Frederik schon den Spitznamen "Erich" gegeben. Deswegen hängt heute auch ein Bild von Erich Honecker in seiner Garage. Die ist mittlerweile zu einem kleinen DDR-Museum geworden. Nicht aus politischer Überzeugung, sondern rein historisch. "Die Leute freuen sich einfach. Viele sagen, wenn sie dann mal zu Besuch sind: 'Das ist wie früher'", freut sich Frederik alias "Erich".

Die beiden Autoexperten beladen ihren kleinen DDR-Anhänger mit zahlreichen Ersatzteilen. Bowdenzüge, eine Kupplung, Lichtmaschine, sogar ein ganzer Austauschmotor kommt mit. Frederik und Dennis machen sich keine Sorgen, dass ihre fast 40 Jahre alten Autos auf der Reise bis an den Balaton schlappmachen. "Wir haben bisher alles selbst repariert. Hammer, Zange, Draht, ein paar alte Lappen, dann geht das!"

Frederick und Dennis mit Austauschmotor

Die gelernten KFZ-Mechatroniker nehmen genug Ersatzteile mit

Statt Navi alte Landkarten

Ohne technischen Schnickschnack, außer dem Stauwarner auf dem Notfallhandy, geht es mit 26 PS zwei Tage lang bis an den Balaton. Dann über Kroatien wieder zurück nach Hause. Gefahren wird natürlich nach Landkarte, aus DDR-Zeiten.

Frederik und Dennis mit Landkarte

Zu jedem Land gibt es eine alte Karte, nach der sie fahren


"Man braucht halt ein bisschen Zeit und auf der Autobahn geht es ja meistens nur geradeaus," lacht Dennis, der das Ziel schon auf seinem linken Unterarm tätowiert hat. Der Umriss des Balaton in Ungarn.

"Das ist ein Gefühl der Freiheit. Man hat nur das Nötigste um sich herum und kann eigentlich ganz gut abschalten." Dennis-Fabian Horn, Trabi-Fahrer aus Herford

Einmal noch tanken, mit Benzin-Öl-Gemisch, und dann geht’s los. Mit maximal 90 Kilometern pro Stunde in Zweierkolonne. Kommuniziert wird über Handzeichen.

Zu zweit mache es natürlich mehr Spaß, aber es habe auch dieses alte Autobahn-Feeling, dieses Interzonen-Feeling, schwärmt Frederik. Dennis denkt freudig an die Reaktionen der Leute: "Und jeder zeigt einen Daumen hoch, wenn sie vorbeifahren und auf der Autobahn bleiben sie teilweise neben einem stehen und hupen."

Mit 25 Litern Trinkwasser im Gepäck haben sie es dann, wie geplant, bei teilweise 50 Grad im Auto "störungsfrei über die tschechische und ungarische Grenze geschafft", teilt Dennis mit. Kurz darauf schickt er Fotos von den Trabis vor dem Sonnenuntergang am Ufer des Balaton.

Die Trabis von Dennis und Frederik stehen bei Sonnenuntergang am Balaton

Trabis und Fahrer sind störungsfrei und rechtzeitig am Balaton angekommen

Unsere Quellen:

  • Recherche der WDR-Reporterin vor Ort
  • Gespräch mit Dennis-Fabian Horn und Frederik Beck

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 03.07.2026, 19:30 Uhr

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