Vor der Urlaubsreise das Auto möglichst schnell bis unters Dach beladen und direkt losfahren - das ist keine gute Idee. Der ADAC Nordrhein empfiehlt auf WDR-Anfrage stattdessen, sich ausreichend Zeit fürs Packen zu nehmen.
Auch der "Auto Club Europa" (ACE) schließt sich dem an. Auf seiner Homepage schreibt er: "Wer nicht rechtzeitig plant und vorausdenkt, kann böse Überraschungen erleben." Gefragt ist also die passende Pack-Strategie. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Wie nutze ich den Platz optimal?
"Legen Sie erst einmal alle Gepäckstücke, auch Kleinteiliges neben dem Auto ab", rät der ACE. So habe man einen besseren Überblick über die Dinge, die ins Auto sollen. Danach kann es losgehen: Zuerst sollen die schweren Gepäckstücke eingeladen werden.
"Das ist nicht nur die sicherste Variante, sondern maximiert auch den Stauraum", so der ADAC-Technik-Experte Andreas Kaurisch gegenüber dem WDR. Hohlräume sollten gezielt mit "Weichgepäck" ausgefüllt werden. Dazu gehören zum Beispiel Schlafsäcke, Decken und Handtüchern.
Statt Koffern können aber auch Taschen genutzt werden, denn die passen besser in freie Zwischenräume. Je kleiner die Taschen sind, desto besser passen sie in die Lücken. Es ist deshalb von Vorteil, die Reiseutensilien auf mehrere kleine, statt auf wenige große Taschen zu verteilen.
Wie packe ich sicher?
"Schweres Gepäck gehört ganz nach unten und direkt an die Rückbank", sagte ADAC-Experte Kaurisch. Leichte Gegenstände sollen obendrauf gepackt werden - möglichst ohne Spielraum. Lose Kleinteile transportiere man am besten in Boxen.
Wer einen Kombi fahre, soll nach Empfehlung des ADAC Nordrhein ein stabiles Laderaumgitter oder ein Netz, zwischen Sitzbank und Kofferraum, installieren. Zudem könne die Ladung im Kofferraum mit einer Decke abgedeckt und mit Spann- und Zurrgurten gesichert werden. Auch die Heckscheibe soll, laut Experten, möglichst nicht komplett zugestellt werden.
Schweres Gepäck nach unten und alles mit Spanngurten sichern
"Nicht oder falsch gesichertes Gepäck kann bei einer Vollbremsung oder einem Unfall schnell zum gefährlichen Geschoss werden", warnt Kaurisch. "Bereits bei einer Kollision mit 45 Stundenkilometer wirken Kräfte, die dem 50-fachen des Eigengewichts entsprechen."
Wie packe ich spritsparend?
In Zeiten des Irankriegs und steigenden Spritpreisen eine entscheidende Frage. Grundsätzlich gilt: Je schwerer ein Auto ist, desto mehr Kraftstoff verbraucht es. "Also am besten alles raus, was Sie nicht brauchen", sagt Technik-Experte Kaurisch. "100 Kilo Zusatzlast ergeben bis zu 0,3 Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilometer." Besonders im Stadtverkehr wirke sich mehr Gewicht auf den Spritverbrauch aus. Jedes Anfahren, jede Beschleunigung koste extra Sprit. Deshalb heiße es: Vorausschauend fahren.
Auch Dachträger, Dachboxen und Fahrradträger auf dem Dach erhöhen den Verbrauch deutlich. Messungen des ADAC haben ergeben, dass ein Pkw mit Dachbox bei Tempo 130 durchschnittlich rund 18 Prozent, beziehungsweise einen Liter Kraftstoff, mehr auf 100 Kilometer verbraucht. Vermindern könne man den Spritverbrauch, wenn zum Beispiel Fahrräder oder Dachbox per Heckträger transportiert würden. Außerdem gehöre in die Dachbox eher leichtes Gepäck, schwere Ladung sei im unteren Kofferraum zu verstauen.
Aber auch schon ein offenes Seitenfenster oder Schiebedächer bedeuten einen höheren Verbrauch: "Auf beiden Seiten offene Fenster führen bei 100 km/h zu rund 0,2 Litern Mehrverbrauch auf 100 Kilometer", so der ADAC weiter.
Auch ein korrekter Reifendruck senke den Kraftstoffverbrauch. Wer mit viel Gepäck und mehreren Personen im Auto in den Urlaub fahre, solle den Reifendruck erhöhen. Informationen zum richtigen Luftdruck, für die entsprechende Beladungssituation, stehen meistens auf der Innenseite des Tankdeckels. "Wir empfehlen auf die Angaben des Herstellers noch 0,1 bis 0,2 bar draufzupacken", sagte ADAC-Experte Kaurisch.
Wie vermeide ich unnötiges Gepäck?
"Wenn alle überlegen, was sie wirklich im Urlaub brauchen, reduziert sich die Anzahl der Gepäckstücke", schreibt der ACE. Er rät, eine Checkliste zu benutzen, um nichts Wichtiges zu vergessen und Überflüssiges auszusortieren.
Es helfe zudem, saisonal zu denken und Dinge doppelt zu nutzen: "Aus dem Badetuch kann etwa eine Picknickdecke werden, aus einem Schal ein Kissen für die Fahrt und ein T-Shirt lässt sich auch als Schlafshirt nutzen." Schuhe könne man am besten einzeln verpacken und mit Socken oder Unterwäsche ausstopfen. Und noch ein Platzspar-Tipp: Kleidung am besten rollen oder besonders flach falten.
Wie viel darf ich überhaupt zuladen?
Das hängt vom Auto ab. Wie schwer es sein darf, steht in der Zulassungsbescheinigung (Fahrzeugschein) unter dem Buchstaben F. Von diesem Wert zieht man das Leergewicht des Fahrzeugs ab, das unter dem Buchstaben G aufgeführt ist. Die Differenz ergibt die maximal mögliche Zuladung. "Wenn Sie wissen wollen, wie viel Gepäck Sie mitnehmen dürfen, müssen Sie noch das Gewicht aller Personen, die außer Ihnen mitfahren, davon abziehen", erklärt der ACE.
Wer mit einem überladenen Fahrzeug unterwegs ist, riskiert in Deutschland laut ADAC ein Bußgeld von bis 235 Euro plus einen Punkt in Flensburg. Im Ausland können die Strafen noch viel höher sein. Wer erwischt werde, dürfe erst weiterfahren, wenn das Gewicht wieder stimme. "Konkret heißt das: Ausladen – und zwar an Ort und Stelle."
Wer wissen will, ob sein Auto überladen ist, kann es wiegen lassen. Nach ADAC-Angaben geht das zum Beispiel in den Prüfzentren des Auto-Clubs, auf öffentlichen Pkw-Waagen, bei Wertstoffhöfen, Baustoffhandlungen, Sand- und Kieswerken oder Schrotthändlern.
Worauf muss ich sonst noch achten?
"Bevor Sie mit dem Einladen starten, sollten Sie die Dinge beiseitelegen, die auch während der Fahrt wichtig sind", so der ACE. "Warndreiecke, Warnwesten und Verbandskasten sollen immer griffbereit sein." Für Familien mit kleinen Kindern sei es außerdem hilfreich, zum Beispiel Stofftiere und Spielzeuge, aber auch Verpflegung, Ersatzkleidung und Wickelutensilien schnell zur Hand zu haben.
Und der ADAC weist daraufhin: "Bei voller Beladung müssen die Scheinwerfer möglicherweise neu eingestellt werden." Dies geschieht entweder automatisch oder erfordere manuelles Einstellen.
Unsere Quellen:
- Anfrage beim ADAC Nordrhein
- Homepage des Automobil Club Europa (ACE)
Sendung: WDR.de, Das Auto richtig packen und dabei Sprit sparen, 17.07.2026, 05:01 Uhr
