"Big Brother Award"-Jurymitglied : "Nein, es ist nicht alles zu spät"
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Heute Abend (25.09.2026) werden in Bielefeld die "Big Brother Awards" verliehen. Mit dem Negativpreis zeichnet der Verein DigitalCourage Unternehmen, Behörden oder Personen aus, die nach Ansicht der Jury besonders problematisch mit persönlichen Daten umgehen. Im Gespräch mit WDR 3 erklärt Vereins-Geschäftsführerin und Mitgründerin Rena Tangens, wo sie derzeit die größten Gefahren für den Datenschutz sieht - und was Nutzer selbst tun können.
Die Preisträger werden erst heute Abend bekannt gegeben. Können Sie trotzdem schon einen Eindruck geben, um welche Bereiche es in diesem Jahr geht?
Rena Tangens: Traditionell gibt es Preisträger aus dem Bereich Behörden und Verwaltung. Natürlich gibt es auch Preisträger bei Konzernen, die sich bemühen, bis in die allerletzte Ecke unseres Alltags vorzudringen und, ohne dass wir es wahrnehmen, immer mehr Daten von uns zu sammeln. Daten sind dabei nichts Abstraktes, sondern etwas, das unser Leben tatsächlich beeinflusst. Und schließlich gibt es Gesetzgebung, die unser Leben beeinflussen kann. Auch da gucken wir genau hin.
Wo werden derzeit besonders viele Daten gesammelt?
Tangens: Die Möglichkeiten der KI sind so etwas wie ein großer Datenstaubsauger, mit dem jegliche Daten, die irgendwo erreichbar herumliegen, verarbeitet und zusammengemischt werden. Das ist in vielerlei Hinsicht ein Problem, weil menschliche geistige Leistungen eingesammelt werden, nicht mehr zugeordnet werden können und zum Teil auch falsch wiedergegeben werden. Und aus diesen riesigen Datenmengen entsteht viel Potenzial für die Manipulation von Menschen.
Was können Nutzer tun, um ihre Daten besser zu schützen? Haben wir überhaupt noch eine Chance?
Tangens: Wir können auf jeden Fall etwas tun. Das ist ganz wichtig, sich klarzumachen: Nein, es ist nicht alles zu spät. Wir sollten versuchen, in Sachen Software unabhängiger zu werden. Das heißt, auf freie Software umzusteigen und wegzukommen von Microsoft und Plattformen wie Google. Dazu gibt es bei Digitalcourage Anleitungen der AG Digitale Selbstverteidigung. Das sind Tipps, die jeder auf den eigenen Geräten ausprobieren kann, um etwas mehr Sicherheit zu gewinnen.
Sie fordern diesen Umstieg also nicht nur von Privatleuten?
Tangens: Nein, das sollten auch Firmen tun. Dafür gibt es den sogenannten Digital Independence Day, immer am ersten Sonntag im Monat. In vielen Städten gibt es inzwischen Initiativen, die sich dann damit beschäftigen: Was kann ich besser machen, wie kann ich umsteigen und mich unabhängiger machen? Das sollten wir auch im großen Stil tun. Regierungsinstitutionen, Behörden und Firmen in Deutschland sollten sehen, dass sie umsteigen. Schleswig-Holstein hat das bereits angepackt und ist auf dem Weg weg von Microsoft hin zu Linux und anderer freier Software.
Das Interview wurde geführt von WDR-Moderator Nicolas Tribes.
Unsere Quellen:
- Rena Tangens, Geschäftsführerin DigitalCourage
Sendung: WDR 3, Mosaik, 25.09.2026, 07:10 Uhr