Bei der Lebenshilfe lesen Menschen mit Behinderung Geschichten in leichter Sprache vor.
Bildquelle: WDR / Christian Zens"Wesel liest" : Geschichten an besonderen Orten
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In Wesel hat heute die Veranstaltungsreihe "Wesel liest" begonnen. Dabei gibt es in dieser Woche an mehr als 60 Orten in der Stadt Lesungen. An Schulen, im Amtsgericht - oder wie heute bei der Lebenshilfe, in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.
Frauke Opfermann hat sich getraut, eine Geschichte vorzulesen.
Bildquelle: WDR/Christian ZensDort kommen am Morgen im Gymnastikraum der Werkstätten etwa 35 Zuhörer zusammen. Vorne stehen eine 50 Jahre alte Stehleuchte und ein Ohrensessel. Frauke Opfermann ist heute die erste Leserin. Im Sessel sitzt sie nicht, denn sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Die Geschichte über Max, geschrieben in leichter Sprache, hat sie tagelang geübt. Nervös ist sie deshalb nicht. Aber: "Vor so vielen Menschen habe ich noch nie gelesen", sagt sie hinterher. Und sie ist stolz, denn es gibt Applaus.
Damit alle die Geschichten verstehen, werden parallel zu der Vorlesung passende Bilder auf einem großen Monitor gezeigt. Insgesamt haben drei Beschäftigte der Werkstatt Geschichten zum Vorlesen vorbereitet. Das Vorlesen ist wichtig, sagt Julius Alexandrian von der Lebenshilfe Wesel.
"Es geht uns auch um Teilhabe - denn Menschen mit Handicap haben oft im Alltag das Problem, komplizierte Sprache nur schwer zu verstehen. Deshalb sind wir bei "Wesel liest" auch dabei, um ein Zeichen zu setzen: mehr leichte Sprache, um Barrieren abzubauen." Julius Alexandrian, Lebenshilfe Wesel
Zeitgleich zu der Lesung bei der Lebenshilfe gab es eine Auftaktveranstaltung in einer Autowerkstatt - zwischen Ersatzteilen und Oldtimern. In den kommenden Tagen wird auch im Arbeitsgericht gelesen, im Wasserturm der Stadtwerke oder im Stadtarchiv. "Wesel liest" ist eine Aktion der Stadtbücherei und jeder kann mitmachen. Seit mehr als 20 Jahren wirbt Wesel auf diese Weise fürs Lesen.
"Lesen ist wichtig und die Förderung des Lesens auch," sagt Jutta Heicks von der Stadtbücherei Wesel. "Wer liest bekommt ein besseres Leseverständnis und lernt daraus, wie man sich besser konzentriert, einer Geschichte folgt und es wirkt sich positiv auf so viele andere Lebensbereiche aus."
Wer in den kommenden Tagen eine Lese-Veranstaltung besuchen möchte, kann das noch bis Freitag, 18. September, ohne Anmeldung tun. Nur pünktlich sollte man sein. Es kann sein, dass die Zahl der Sitzplätze begrenzt ist.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Teilnehmenden vor Ort
- WDR-Gespräch mit Julius Alexandrian, Lebenshilfe Wesel
- WDR-Gespräch mit Jutta Heicks, Stadt Wesel
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, "Wesel liest" ist gestartet, 14.09.2026, 17:19 Uhr