Kleinere Einrichtungen haben mehr zu kämpfen unter den wenigen Anmeldungen als die großen Kitas.
Bildquelle: WDR/Ines HoltmannBetreuungskosten : Eltern in Voerde fürchten "Gebührenhammer"
Stand:
Welchen Preis hat gute Kinderbetreuung? Auch in Voerde im Kreis Wesel gehen die Meinungen von Familien und Stadt bei dieser Frage auseinander. Was für die Verwaltung gerecht ist, bringt einige Eltern auf die Palme. Die Einführung einer neuen Gebührensatzung sorgt für Zündstoff.
Sebastian Laakmann spart nicht mit kräftigen Worten. Vom "Gebührenhammer", einem "bespiellosen Eingriff in die Haushaltskassen von Familien" und "Mangelverwaltung" spricht der Initiator einer Petition gegen die Einführung einer neuen Gebührensatzung für Kitas, Kindertagespflege und den Offenen Ganztag (OGS).
Die Stadtverwaltung der 35.000-Einwohner-Kommune im Kreis Wesel hat eine Reform der bisherigen Satzungen in die politischen Gremien eingebracht. Der Rat soll am 06. Oktober darüber abstimmen, in Kraft treten würden die neuen Gebühren zum 01. August 2027. Es wäre die erste Änderung der Elternbeiträge seit über zehn Jahren, heißt es in der Beschlussvorlage. Entlastung für kleine Einkommen, Mehrkosten für Spitzenverdiener: So lassen sich die Pläne kurz zusammenfassen.
Neue Einkommensstufen
Bisher zahlen nur Eltern, deren Einkommen bis zu 15.000 Euro im Jahr beträgt, keinen Elternbeitrag für die Kita. Diese Bemessungsgrenze soll deutlich angehoben werden, nämlich auf 36.000 Euro. Die höheren Einkommensgruppen sollen aufgesplittet werden. Gab es bislang nur die Kategorie "über 84.000 Euro", sollen künftig Grenzen bei Einkommen bis 96.000, bis 108.000, bis 120.000 und über 120.000 Euro Jahreseinkommen gezogen werden.
Geschwisterregelung
Gehen mehrere Kinder gleichzeitig in eine Kita, muss nur für das erste von ihnen gezahlt werden. Die Geschwister sind vom Beitrag befreit. Diese freiwillige Leistung soll gestrichen werden. Künftig soll hier für das erste Geschwisterkind die Hälfte des vollen Beitrags fällig werden. Weitere Geschwister blieben befreit.
Finanzielle Auswirkungen für Familien
Bei der Kita-Betreuung würden laut Verwaltung Geringverdiener und mittlere Einkommen entlastet. Teurer würde die Betreuung erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 108.000 Euro.
Bei der offenen Ganztagsbetreuung in Schulen soll der monatliche Höchstbetrag von derzeit 150 Euro auf maximal 249 Euro erhöht werden. Bei mittleren Einkommen spricht die Stadt von moderaten Erhöhungen von monatlich 5 bis 10 Euro. Auf Haushalte, die mehr als 96.000 Euro verdienen, kämen "deutlich höhere Beiträge" zu.
Elternprotest: Endlodsspirale für Familien
Was die Stadt Voerde in ihrer Beschlussvorlage als "sozial ausgewogen" bezeichnet, setzt für Sebastian Laakmann eine Vielzahl von Problemen frei. Eine Familie, in der beide Elternteile berufstätig sind, würde schnell die hohen Gebührensätze erreichen, sagte er dem WDR.
"Für Familien mit mehreren Kindern ist dieser Gebührenhammer existenzbedrohend." Sebastian Laakmann, Initiator der Bürgerpetition
Insbesondere Müttern drohe die "Teilzeitfalle". Ihr Gehalt könne durch die neuen Elternbeiträge fast komplett aufgefressen werden. Es lohne sich dann schlichtweg nicht mehr in Teilzeit arbeiten zu gehen, was letztlich zu mehr Niedrigrenten und Altersarmut führen würde.
Gleichzeitig kritisiert der Initiator der Petition den "fehlenden Gegenwert" für die Voerder trotz hoher Abgaben. Er spricht von jahrelanger Mangelverwaltung. "Wenn meine Tochter auf die weiterführende Schule kommt, hat sie ihre komplette Grundschulzeit in Containern verbracht", sagt er mit Blick auf die Otto-Willmann-Schule.
Onlinepetition und Unterschriftensammlung
Um die geplante neue Gebührensatzung zu verhindern, wollen Sebastian Laakmann und weitere Eltern aktiv werden. Es gibt eine Bürgerpetition mit dem Titel "stoppt den Kita- und OGS- Beitragshammer in Voerde" im Netz, außerdem sollen auf dem Voerder Wochenmarkt Unterschriften gesammelt und ein offener Brief an den Bürgermeister verschickt werden. Die Stadt hofft unterdessen auf Mehreinnahmen von 360.000 Euro durch die neue Beitragssatzung.
Unsere Quellen:
- Ratsvorlage der Stadtverwaltung Voerde
- Bürgerpetition "stoppt den Kita- und OGS- Beitragshammer in Voerde"
- Gespräch mit Sebastian Laakmann
Sendung: WDR.de, Protest gegen Betreungsgeühren in Voerde, 14.09.2026, 6:04 Uhr.