50 Jahre extra 3 : Satiremagazin mit "realem Irrsinn" aus NRW
Stand:
Das Satiremagazin "extra 3" im Ersten feiert seinen 50. Geburtstag. In der Kultrubrik "Der reale Irrsinn" geht es jede Woche um Behördenwahnsinn, Provinzpossen und Steuerverschwendung - auch in NRW. Hier kommen fünf irrsinnige Geschichten.
Seit 50 Jahren kommentiert die Sendung "extra 3" Politik und Gesellschaft satirisch und ist damit eines der langlebigsten deutschen TV-Formate.
Kultrubrik und Zuschauerliebling sind die extra 3-Filmbeiträge mit dem Titel "Der reale Irrsinn". Sie widmen sich jede Woche mit viel Humor Behördenwahnsinn, absurden Schildbürgergeschichten, Provinzpossen oder unglaublichen Beispielen für Steuerverschwendung in Deutschland. Auch aus Nordrhein-Westfalen kommt immer wieder Stoff für die Sendung. Zum 50. Geburtstag haben wir fünf ganz aktuelle NRW-Geschichten aus der Sendung gepickt.
Hausabriss in Bornheim wegen Dachsanierung
Verzweifelter Hausbesitzer: Jan Kaspers
Bildquelle: WDRWas für eine Geschichte: Am Rande eines Waldes bei Bornheim steht seit 1938 ein kleines Haus. Gekauft hat es Jan Kaspers, der dort mit Freunden gärtnern will. Doch nach Jahren des Leerstandes ist das Dach marode geworden. Also lässt der Besitzer das Dach erneuern, damit nichts einstürzen kann und die Bausubstanz geschützt wird. Schließlich ist Kaspers nach dem Baurecht als Eigentümer verantwortlich für die Sicherheit.
Doch die Stadt Bornheim schickt einen Kontrolleur vom Bauamt. Der lässt alles stilllegen. Der Grund: Der Bauherr hat für das baugleiche Dach keinen Bauantrag gestellt. Der wäre übrigens auch abgelehnt worden, denn das Haus steht mittlerweile in einem Naturschutzgebiet. Die Erneuerung des Dachstuhls stelle "eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung da", schreibt die Stadt. Eine Dacherneuerung ist offensichtlich gemeingefährlich für die Öffentlichkeit - mitten auf einem Feld. Auch der Bauschein von 1938 sei nicht mehr gültig, heißt es in einem weiteren Brief. Die Konsequenz: Abriss oder Zwangsgeld. Eine echte "Lose-Lose-Situation" also.
Zu tiefe Eisenbahnbrücke in Bottrop
Verfluchte Brücke: Schon wieder ein Crash in Bochum
Bildquelle: WDRAuf den ersten Blick ist die Eisenbahnbrücke in Bottrop ganz unscheinbar und doch kracht es hier regelmäßig und unüberhörbar. Fast wöchentlich bleiben Lastwagen unter dem Bauwerk stecken - trotz Höhenwarnung, Markierungen und Schepperbalken. Selbst ein riesiges Plakat vor der Brücke mit der Aufschrift "Crash" kann offenbar viele Lastwagenfahrer nicht davon abhalten, ihre schwergewichtigen Trucks auf die zu tiefe Brücke zuzusteuern.
So wurde das Bauwerk zum Endgegner für die unaufmerksame Brummi-Fahrer und außerdem zur Staufalle für die anderen Verkehrsteilnehmer. Hängt der Laster erst einmal fest, staut sich nämlich der Verkehr. Einmal im Monat schickt die Bahn außerdem Statiker zur Überprüfung an die Brücke. Für die Inspketion muss der Verkehr acht Stunden gestoppt werden. Damit die Brücke mit der geringen Durchfahrtshöhe von 3,60 Metern künftig kein Unfallschwerpunkt mehr ist, muss die Fahrbahn darunter abgesenkt werden. Die Deutsche Bahn wird die vorhandene Brücke ab Oktober 2027 abreißen und neu bauen.
Bushaltestelle mitten auf dem Radweg in Oberhausen
Diese Bushaltestelle steht mitten auf einem Radweg in Oberhausen
Bildquelle: WDRDa staunen Radfahrer in Oberhausen nicht schlecht. Mitten auf einem Radweg bremst plötzlich eine Bushaltestelle die Fahrt aus. Damit keiner gegen das Wartehäuschen mit den transparenten Scheiben fährt, haben die Verkehrsbetriebe noch eine Sicherung eingebaut - ein rotweißer Schrankenzaun steht nun auch noch mitten auf der eigentlichen Radspur - als Hindernis, um das Radfahrer künftig einen Bogen über den Fußgängerweg machen müssen.
Blumenbeet stoppt Busse in Köln
Parken auf der Straße statt am Schiffsanleger: Busse in Köln
Bildquelle: WDRViele Kreuzfahrtschiffe schippern mittlerweile über den Rhein. Passagiere reisen häufig mit Bussen an und ab - auch in Köln. Dort müssen die Busse allerdings auf der Rheinuferpromenade parken - verkehrswidrig mit eingeschalteter Warnblinkanlage. Schiffspassagiere kraxeln zunächst eine steile Treppe hoch und müssen dann noch zwei Radwege kreuzen, um zum Bus zu kommen.
Dabei wäre es so einfach, direkt am Schiffsanleger zu halten - aber da sind laut Stadtverwaltung Blumenbeete im Weg, um die der Bus nicht herumkäme. Kommt er aber doch. Ne, sagt die Stadtverwaltung, das Beet müsste erst weg. Vorher seien aber noch aufwändige Prüfungen vonnöten - unter anderem "eine Untersuchung des Bereichs durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst". Und das dauert. "Klingt wie ein Schildbürgerstreich", kommentiert der stadtentwicklungspolitische Sprecher.
DHL findet Laden nicht
Mysteriöse Adresse in Bielefeld: DHL auf der ewigen Suche
Bildquelle: WDRDer Spielzeugladen in der Bielefelder August-Fuhrmann-Straße 1 ist eigentlich von der Straße aus gut sichtbar, doch wenn Paketlieferungen von DHL kommen, wird der Laden offensichtlich unsichtbar. Google Maps schickt die Fahrer immer einmal um den Häuserblock. Dort finden sie zwar ebenfalls eine Hausnummer 1, allerdings kein Klingelschild des Ladens. Pakete sind also nicht zustellbar, weil "die Beschriftung der Klingel fehlte oder der Empfänger verzogen ist", liest der Ladenbesitzer regelmäßig in Mitteilungen an ihn. "Man könnte doch einfach mal um die Ecke schauen", findet er.
Funfact am Rande: Der Spielzeugladen ist gleichzeitig ein Paketshop - für die DHL-Konkurrenz. Die findet den Laden übrigens ohne Probleme. Und auch ein DHL-Shop mit der selben Adresse findet sich nebenan. Wenn die Fahrer dort also Pakete abholen, parken sie auf dem Parkplatz des Spielzeugladens, den sie angeblich partout nicht finden können. Erst nach dem Beitrag bei Extra 3 ändert sich etwas. "Der Mitarbeiter wurde nachgeschult", heißt es bei DHL. Wahrscheinlich mit einer ausgeklügelten Fortbildung im Um-die-Ecke-Gucken.
Zum 50. Geburtstag der Satiresendung "extra 3" gibt es heute übrigens eine Jubiläumsausgabe und eine Doku - zu sehen im Ersten um 22.50 Uhr. Moderator Christian Ehring ist vorab schon im WDR-Interview zu hören:
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 17.09.2026, 9 Uhr
Unsrere Quelle:
- ARD-Sendung "extra 3"
- Stadt Bottrop