Schon als Kind lernt sie das Spiel in der Hand zu halten. Die französische Star-Dirigentin Marie Jacquot wird in eine tennisverrückte Familie geboren.
Als großes Nachwuchstalent spielte sie sogar bei den Jugend French-Open. Alles scheint bereit für eine Karriere als Tennis-Profi. Doch als Teenager hängt sie den Tennisschläger für die Musik an den Nagel.
Dieses Zusammenspielen hat mir mehr Freude breitet als Einzelkampf. Marie Jacquot
Ein Segen für alle Klassik-Fans. Denn ohne diese Bauchentscheidung wäre es für Jacquot am 18. September in der Kölner Philharmonie nie zur Premiere als Dirigentin des WDR Sinfonieorchesters gekommen.
Fast schon ein kleiner Coup für das Ensemble. Als eine der gefragtesten Dirigentinnen verpflichtete der WDR die 1990 geborene Pariserin für die nächsten vier Jahre als Chefdirigentin.
Taktstock statt Tennis
Die Posaune war als Kind Jacquots erstes Instrument. Später studiert sie Dirigieren in Wien und Weimar. An der Deutschen Oper am Rhein und als Chefdirigentin des Königlich-dänischen Theaters in Kopenhagen erarbeitet sie sich den Ruf einem breiten Repertoire von Purcell bis hin zu zeitgenössischer Musik eine Tiefe und packende Gestaltung zu verleihen.
Musik bedeutet für sie Entdecken. Zusammen auf Augenhöhe mit anderen Musikern und nicht als abgehobene Maestra.
Das Schönste beim Dirigieren und beim Musizieren ist, dass es ein Nehmen und Geben ist. Marie Jacquot
Bruckner gibt ihr eine spirituelle Verbindung zur Heimat
Musikalisch schlägt Jacquots Herz besonders für die Romantik. Gerade zu den Kompositionen von Anton Bruckner hat die junge Dirigentin eine ganz besondere Verbindung. Seine Musik erinnert sie an die Kathedrale in ihrem Heimatort Chartres in der Nähe von Paris.
Bruckner ist die Verbindung von Erde zum Himmel, ohne religiös sein zu wollen. Man findet Spiritualität in Bruckner, die mich besonders anspricht. Marie Jacquot
Diese Verbindung zu Bruckner will sie als neue Chefin des WDR Sinfonieorchesters in den kommenden vier Jahren als roten Faden beibehalten. Zu ihrem Antrittskonzert in der Kölner Philharmonie stehen aber erst einmal Wagner, Chopin, Holmès und Skrajabin auf dem Programm.
Bei allem, was danach folgt, können sich Klassik-Fans auf eine große musikalische Vielfalt freuen. Von französischem Repertoire bis zu neuer Musik. Auch, wenn Marie Jacquot seit Jahren einen Taktstock in der Hand hält. Ihre Konzerte versprechen ganz großes Tennis.
Das Antrittskonzert von Marie Jacquot wird am 18. September ab 20:03 Uhr im Livestream auf youtube.com/@ARDKlassik, auf der Homepage des WDR Sinfonieorchesters und auf WDR3.de übertragen.
Unsere Quellen:
- Kölner Philharmonie
- WDR Recherche
- Interview mit Marie Jacquot
Sendung: WDR.de, Premiere für Dirigentin Marie Jacquot - Maestra auf Augenhöhe, 17.09.2026, 12:00 Uhr