Ärztemangel bringt Praxen ans Limit

Bildquelle: WDR / Lena Wohlgefahrt

WDR 3 Min. 17 Sek. Verfügbar bis 25.09.2028

Ärztemangel auf dem Land Wenn die Frauenarztpraxis voll ist

Stand:

Rund zehn Frauen fragen täglich nach einem Termin, doch die Praxis kann kaum noch neue Patientinnen aufnehmen. Der Fall aus Nideggen zeigt, warum mehr Ärzte allein das Problem nicht lösen.

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Lena Wohlgefahrt

Das Telefon in der Praxis von Dr. Anna Küsters in Nideggen klingelt. Eine Frau sucht eine neue Frauenärztin. Die Antwort der Mitarbeiterin: "Wir haben zurzeit leider Aufnahmestopp." Solche Anfragen bekommt die Praxis regelmäßig. Rund zehn Frauen am Tag würden derzeit nach einem Termin fragen, sagt Küsters. Viele von ihnen kann sie nicht mehr aufnehmen.

Die Suche nach einem Termin

Küsters erlebt den Ärztemangel damit direkt in ihrem Praxisalltag. Sie hat sich bewusst für die Nordeifel entschieden, weil sie dort einen großen Bedarf gesehen hat. Gleichzeitig haben in der Region mehrere Frauenarztpraxen geschlossen. Auch bei der Schwangerschaftsvorsorge gebe es nur wenige Angebote. Für bestimmte Untersuchungen müssten Patientinnen deshalb teilweise bis nach Aachen oder Köln fahren.

Sophie von der Gracht ist eine Patientin aus dem Raum Düren und kennt die Suche selbst. Während ihrer Schwangerschaft habe sie viele Praxen angerufen und kaum einen Platz gefunden. Dass sie schließlich bei Küsters in Nideggen untergekommen ist, sei eher Glück gewesen. "Ich habe während der Schwangerschaft überall angerufen und habe fast keine Frauenärztin gefunden", sagt sie.

Dass die Suche nach einem Arzt schwieriger wird, erleben auch andere Patientinnen. Katrin Trepels, eine weitere Patientin, berichtet, dass sie nicht nur bei Frauenärzten, sondern auch bei der Suche nach einer Hausarztpraxis mehrere Praxen habe anrufen müssen.

Ärztemangel: Es geht auch um die Verteilung

Dabei gibt es in Deutschland inzwischen deutlich mehr berufstätige Ärztinnen und Ärzte als noch vor einigen Jahren. 2025 waren es rund 446.000, etwa 20 Prozent mehr als 2015. Trotzdem bedeutet das nicht automatisch, dass überall ausreichend Termine verfügbar sind. Die Ärztinnen und Ärzte sind regional unterschiedlich verteilt. Außerdem unterscheiden sich Arbeitszeit und tatsächliche Behandlungskapazitäten.

Frauenärztin Dr. Anna Küsters im Gespräch mit einer Patientin.

Frauenärztin Dr. Anna Küsters im Gespräch mit einer Patientin.

Bildquelle: WDR / Lena Wohlgefahrt

Gerade bei der ambulanten Versorgung kommt die sogenannte Bedarfsplanung hinzu. Sie legt nicht fest, wie viele Patientinnen eine einzelne Praxis behandeln darf. Sie regelt vielmehr, wie viele Vertragsarztsitze in einer Region für eine Fachrichtung vorgesehen sind und ob weitere Zulassungen möglich sind.

Auf dem Papier gut versorgt

Auf dem Papier ist der Kreis Düren bei Frauenärzten sogar überdurchschnittlich gut versorgt: Der Versorgungsgrad liegt aktuell bei rund 120 Prozent. Einen rechnerischen Mangel gibt es nach der Bedarfsplanung deshalb nicht.

Trotzdem kann die Versorgung innerhalb des Kreises unterschiedlich aussehen. Während es zum Beispiel in Städten mehr Praxen geben kann, können Patientinnen auf dem Land längere Wege oder Schwierigkeiten bei der Terminsuche haben.

Der Wert sagt vor allem etwas darüber aus, wie viele Arztsitze es gemessen am errechneten Bedarf gibt. Er sagt nicht, wie viele Termine eine einzelne Praxis tatsächlich anbieten kann oder ob sie noch neue Patientinnen aufnimmt. Eine Praxis kann also voll sein und keine Neupatienten aufnehmen, obwohl die Region in der Bedarfsplanung als ausreichend versorgt gilt.

Wenn mehr Versorgung nicht einfach möglich ist

Für Küsters liegt ein Teil des Problems in den finanziellen Rahmenbedingungen für Kassenpraxen. Nach ihrer Einschätzung lohnt es sich für sie wirtschaftlich nicht ohne Weiteres, zusätzliches Personal einzustellen und dadurch noch mehr Patientinnen zu behandeln.

Dr. med. Anna Küsters in ihrer Praxis.
"Wenn die passenden Rahmenbedingungen da wären, dann könnten wir noch viel, viel mehr Patienten versorgen." Dr. Anna Küsters, Frauenärztin

Was sich bei der gesetzlichen Krankenversicherung ändern soll

Auch bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung soll sich etwas ändern. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage: Für 2027 wird ein Defizit von rund 19 Milliarden Euro erwartet. Ohne weitere Maßnahmen könnte die Finanzierungslücke bis 2030 auf rund 44 Milliarden Euro anwachsen.

Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz will die Bundesregierung deshalb die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung bremsen und die Beitragssätze stabil halten.
Welche Auswirkungen die neuen Vergütungsregeln auf die ambulante Versorgung haben könnten, soll auch die KV Nordrhein einordnen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, was die Reform für die gynäkologische Versorgung in Nordrhein bedeuten könnte.

Petition für Frauengesundheit

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte kritisiert Teile des Gesetzes und hat die Petition „Frauengesundheit sichern“ gestartet. Darin fordert der Verband Änderungen an den neuen Regelungen. Rund 120.000 Menschen haben die Petition inzwischen unterzeichnet.

Die Nachfrage bleibt

Für Küsters ist die Arbeit in ihrer Praxis eigentlich genau das, was sie sich gewünscht hat. Sie wollte auf dem Land arbeiten, Frauen über viele Jahre begleiten und ihren Beruf mit Freude machen. Doch sie sieht die Gefahr, dass die Rahmenbedingungen künftig eher enger als weiter werden.

Die Nachfrage nach Terminen bleibt. Die Frage ist, wie viel Versorgung die Praxen unter diesen Bedingungen noch auffangen können.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Ärztemangel: Frauenarzttermine in Nideggen fehlen, 25.09.26, 18:00 Uhr

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