Mittelalter hautnah: Zwischen Ritterrüstungen und Spukgeschichten
Bildquelle: WDR / Stefan ZieseWDR. 2 Min. 33 Sek.. Verfügbar bis 25.09.2028.
Im Mittelalter galt die Burg Nideggen als uneinnehmbar. Viele Schlachten wurden hier gekämpft. Heute genügt Gisela Gärtner einfach ein Schlüssel, um das schwere Burgtor zu öffnen. Es knarzt laut, als sie das hölzerne Tor zur Seite schiebt. Sie ist oft früh unterwegs, außer ihr ist noch niemand hier.
Die Burg Nideggen war in früheren Zeiten der Herrschaftssitz der mächtigen Grafen und Herzöge von Jülich. Heute gehört sie dem Kreis Düren und ist unbewohnt. Gisela Gärtner ist jeden Tag hier, denn sie arbeitet im Besucherservice des Burgenmuseums. Doch wie sieht er aus, der Arbeitsalltag in einer wehrhaften Festung mit wenig Tageslicht, einem Verlies im Keller und Schauergeschichten?
Arbeitsplatz in der Mittelalterfestung Burg Nideggen
Bildquelle: WDR / Anke BardenbergGärtners Schritte hallen über das alte Kopfsteinpflaster. Das monumentale Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört. Von dem ehemaligen Rittersaal sind nur noch die Außenmauern übrig. Aber die 63-Jährige liebt den Blick, den sie von hier oben hat, denn die Burg thront über dem Rurtal auf einem 50 Meter hohen Bundsandsteinfelsen. "Vor allem im Winter ist es hier wunderschön, wenn alles voller Schnee ist", sagt sie.
Burg Nideggen: Von Rittern empfangen
Noch eine kleine Treppe, dann ist sie am Ziel: Der Eingang zum Burgenmuseum. Das ist im Bergfried, ein ehemaliger Wehrturm, untergebracht. Hier arbeitet Gärtner am Empfang - und das schon seit 17 Jahren. Drinnen ist es stockfinster. Schnell knipst sie das Licht an und wirft zwei Rittern ein fröhliches "Morgen, ihr Beiden" zu. Eigentlich sind es nur Rüstungen.
In diesem Turm ist das Museum von Burg Nideggen untergebracht
Bildquelle: WDR / Anke BardenbergDie stehen hier überall, genau so wie unzählige gefährlich aussehende mittelalterliche Waffen. Früher wurden im Saal nebenan Gefangene verurteilt und in ein finsteres Verlies ganz unten im Turm gesperrt. Anfangs sei ihr Arbeitsplatz ziemlich gewöhnungsbedürftig gewesen, erinnert sich die Museumsmitarbeiterin. Und auch jetzt gibt es immer noch seltsame Momente:
"Wenn ich hier sitze und es ist ganz still und es ist kein Besucher im Haus, dann höre ich schon ab und zu im Gerichtssaal irgendwas knacken, irgendwelche Geräusche, wo ich schon denke - was ist das jetzt?" Gisela Gärtner, Museumsmitarbeiterin Burg Nideggen
Aber natürlich wisse sie, dass da eigentlich nichts sein kann, lacht die 63-Jährige. Bis jetzt hätte sich nur ein ungebetener Gast in die Burg verirrt: Eine Schleiereule, die aber schon kurz darauf schon wieder verschwunden sei.
Besucherservice im Museum von Burg Nideggen: Schreibtisch für alles
Gärtners Arbeitsplatz, der Empfangsbereich, ist gleichzeitig der Souvenirshop des Museums. Hier gibt es Bücher, Postkarten und auch Spielsachen wie Helme aus Pappe oder Schwerter aus Holz. Denn unter den rund 40.000 Besuchern im Jahr sind auch viele junge Gäste. Auch Kindergeburtstage oder Hochzeiten werden auf Burg Nideggen gefeiert.
Dazu gibt es Kunstausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen. Die Burg ist Ziel vieler Tagesausflügler, aber auch von Touristen aus aller Welt. Manche würden sie mit "Burgfräulein" anreden, schmunzelt die Empfangsdame. Aber solange sie nicht Schlossgespenst sagen würden, sei ja alles ok.
Ritterrüstungen und alte Waffen sind im Burgmuseum Nideggen ausgestellt
Bildquelle: WDR / Anke Bardenberg"Schluffjann" - Legende von einem ruhelosen Geist im Kreis Düren
Neben ihrem Schreibtisch kann sie über einen Bildschirm den Eingang und jeden einzelnen Raum überwachen. In diesem Moment sieht man jemanden hereinkommen. Es ist ihre Chefin Luzia Schlösser. Sie leitet das Burgmuseum schon seit 2003 und kennt auch dunkle Geschichten des jahrhundertealten Gemäuers.
Einer Sage nach soll hier tatsächlich der "Schluffjann" als ruheloser Geist durch die Ruine schleichen: Das soll angeblich der ehemalige Burgvogt Johann sein, der einen gefangenen Erzbischof aus Köln im Verlies grausam gequält hatte und darum verflucht wurde.
"Und aus dem Johann wurde dann ein Schluffjann. Und es gibt eben Stimmen, die ihn auch heute noch vielleicht hören!" Luzia Schlösser, Leiterin Burgenmuseum Nideggen
Solche Legenden lassen sich auch die Gäste gerne bei Führungen durch die Burg erzählen. Zum Glück sind die Schritte der Museumsbesucher die einzigen Geräusche, die man an diesem Morgen hören kann. Ob sie hier schon mal Angst hatte? "Nein", sagt Gisela Gärtner lachend und fügt hinzu: "Vielleicht wenn ich um zwölf Uhr nachts hier alleine wäre!"
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Gisela Gärtner und Luzia Schlösser
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 24.09.2026, 19:30 Uhr
