Ein Uhuküken wird beringt.

Uhus klappern mit dem Schnabel, wenn sie aufgeregt sind.

Eulenexperte im Einsatz Uhu-Nachwuchs auf Ritterburg bei Nideggen

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In einem Dachfenster haben die Besitzer der Burg Gödersheim drei Uhu-Küken entdeckt. Die Greifvögel sind streng geschützt. Um sie zu erforschen, werden die Jungtiere im Alter von etwa vier Wochen beringt. Höchste Zeit für Eulenexperte Stefan Brücher.

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Anke Bardenberg

Man muss nicht hellseherisch veranlagt sein, um zu wissen, was Stefan Brücher besonders am Herzen liegt: "EU-LE" steht auf dem Nummernschild seines Wagens. Vor der Burg Gödersheim bei Nideggen wird der Eulenexperte schon von Cecile und Helmut Waldmann erwartet. Man kennt sich: Im Gemäuer ihrer alten Ritterburg haben nun schon zum vierten Mal Uhus gebrütet.

Bis vor Kurzem stand hier nur eine Bruchstein-Ruine, ohne Dach und Fenster. Für Uhus sei es unmöglich, so etwas von einer Felswand zu unterscheiden, erklärt Brücher, Vorsitzender der "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V.". Statt Ruine ist hier jetzt eine Baustelle. Die Waldmanns bauen das historische Gebäude wieder auf. Trotzdem kommt offenbar dasselbe Uhupaar jedes Jahr zur Brutzeit wieder. Das zeigen Untersuchungen von Federproben.

Vorsicht geboten: Uhus sind scheue Tiere

Brücher ist schon seit fast 50 Jahren als Eulenschützer im Einsatz, hat schon als Jugendlicher damit angefangen. Wenn sich ein Uhu-Horst draußen in der Natur an hohen Felsen befindet, muss sich der sportliche 63-Jährige auch mal an den Steilwänden abseilen. Möglichst jeden Uhu-Nachwuchs zu beringen, ist aus Forschungszwecken wichtig.

Das Ehepaar Waldmann steht vor Burg Gödersheim

Das Ehepaar Waldmann freut sich über Uhu-Nachwuchs auf seiner Burg.

Diesmal hat er statt Kletterausrüstung nur einen Segeltuchrucksack und Werkzeug zum Beringen dabei. Gefolgt von den Waldmanns geht es eine schmale Leiter hoch auf den Dachboden. Damit die scheuen Tiere nicht vertrieben werden, haben die Burgbesitzer die Fensternische mit dem Uhu-Nest von innen mit einer hölzernen Klappe abgeriegelt. Vorsichtig lugt Brücher durch ein kleines Loch im Holz. "Kein Einziger zu sehen - spannend", sagt er. Ob sie ihr Nest schon verlassen haben?

Eulenexperte entdeckt Küken in Burg Gödersheim

Mit kurzem Quietschen schiebt er den Riegel zur Seite. Lautes Flügelschlagen ist zu hören. Schnell deckt er die Küken mit seinem Rucksack zu, im Dunkeln kommen sie wieder zur Ruhe. Mit geübtem Griff zieht er den ersten Uhu heraus. Mit großen runden und bernsteinfarbenen Augen starrt ihn das Federknäuel an. Aufgeregt klappert der kleine Kerl mit dem Schnabel. Das hört sich ein bisschen so an wie spanische Kastagnetten. "Damit will er uns beeindrucken", sagt der 63-Jährige und lacht.

Das Küken ist etwa fünf Wochen alt, stellt der Eulenexperte nach Vermessung der Flügel fest: "Ich tippe darauf, dass es ein Männchen ist, weil er schon relativ weit entwickelt ist und relativ kleine Füße hat." Das sei bei Uhus anders als beim Menschen:

"Bei den Eulen ist es umgekehrt - die Männchen sind die Kleinen, die Frauen sind die Großen." Stefan Brücher, Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V.

In der Eifel fühlen sich Uhus wohl

Eulenschützer beringt Uhu

Eulenschützer Stefan Brücher sorgt dafür, dass der Uhu-Nachwuchs registriert wird.

Jetzt bringt er mit einer Zange ganz behutsam einen Metallring am Bein des Jungvogels an. Das ist völlig schmerzfrei und als Registrierung wichtig. Nacheinander beringt er so auch die beiden anderen Uhu-Küken. Die Ringe haben Nummern, und so lässt sich gut verfolgen, was aus einem bestimmten Vogel geworden ist und wie sich die Uhu-Population entwickelt. Noch in den 1960er-Jahren waren Uhus in Deutschland so gut wie ausgestorben, vom Menschen bejagt und fast ausgerottet.

Als Brücher mit seiner Arbeit als Eulenschützer anfing, gab es nur noch sieben Brutpaare in der Eifel. Inzwischen sind es rund 180, etwa 10 Prozent des gesamten Uhu-Bestands in Deutschland! Und das ist nicht nur den günstigen Lebensbedingungen wie Felswänden und Steinbrüchen zu verdanken, sondern auch einer gezielten Wiederansiedlung durch Eulenschützer wie Brücher:

"Wir haben zwischen 1980 und 1995 knapp 1.000 Uhus in der Eifel fliegen lassen. Und die sind halt die Ahnen der Uhus, die es jetzt wieder gibt." Stefan Brücher, Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V.

Sein Verein, die "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V.", finanziert sich überwiegend durch Spenden. Noch werden die drei kleinen Uhus auf Burg Gödersheim von ihren Eltern versorgt. Aber in wenigen Wochen verlassen sie das Gelege, um ihre Umgebung zu erkunden. Bis sie voll flugfähig und selbstständig sind, wird es aber noch etwa bis zum Herbst dauern.

Uhu-Nachwuchs auf Ritterburg bei Nideggen

WDR 27.05.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 26.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Eulenexperte Stefan Brücher
  • Gespräch mit Ehepaar Waldmann

Sendung: WDR.de, Uhu-Nachwuchs auf Ritterburg bei Nideggen, 27.05.2026, 11:42 Uhr

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