Selbstversuch: Meine erste Blutspende bei der Uniklinik Aachen
WDR. 05:26 Min.. Verfügbar bis 30.06.2028.
Nadeln sind jetzt per se nicht so mein Ding, aber ich kann das schon sehen. Warum ich also noch nie gespendet habe - ich weiß es nicht genau. Vor meinem Termin habe ich tatsächlich länger darüber nachgedacht und bin auf keinen wirklichen Grund gekommen. Vor allem weil ich sowas wie der medizinische Jackpot bin: Ich habe Blutgruppe "null negativ" - und damit kann jeder im Notfall versorgt werden.
Wer bekommt welches Blut?
Es gibt acht Blutgruppen: 0, A, B und AB - jeweils mit einem positiven oder negativen Rhesusfaktor. Menschen mit einer negativen Blutgruppe können nur negatives Blut ihrer passenden Blutgruppe bekommen. Wer eine positive Blutgruppe hat, kann dagegen sowohl positives als auch negatives Blut derselben Blutgruppe erhalten. Ein Mensch mit A+ kann also zum Beispiel A+ oder A- bekommen.
Eine Besonderheit ist die Blutgruppe 0: Sie trägt keine A- oder B-Merkmale. Deshalb kann 0+ an alle Menschen mit positivem Rhesusfaktor gespendet werden. 0- gilt sogar als Universalspender und kann allen Blutgruppen gespendet werden.
Es geht los
Und dann starte ich meinen Selbstversuch im Blutspenden - erst einmal mit Papierkram. Ich bekomme ein paar Formulare mit Fragen zu mir als Person, meiner Gesundheit und Auslandsreisen. Die fülle ich in einer kleinen Kabine aus, so wie man es auch von Wahlen kennt.
Marc Hartenstein liest sich den Aufklärungsbogen durch
Danach gibt es einen kleinen Gesundheitscheck für mich. Meine Temperatur und mein Blutdruck werden gemessen, mein Eisenwert mit einem kleinen Fingerpieks kontrolliert und ich unterhalte mich kurz mit einer Ärztin.
Der eigentliche Pieks
Ich habe das Okay für meine erste Spende bekommen und darf im Spenderraum auf einer Liege Platz nehmen. Bei mir übernimmt Alexey Sherstov den wichtigsten Part - er nimmt mir das Blut ab. Ich sage ihm noch einmal meinen Namen und mein Geburtsdatum, damit später keine Blutspende verwechselt wird, dann wird auch schon mein Arm desinfiziert.
Bei WDR-Reporter Marc Hartenstein nimmt Sherstov das Blut ab
Sherstov versichert mir, dass ich tolle Venen habe. Und er habe bei Venen eine Trefferquote von fast 100 Prozent. Das Talent beweist er glücklicherweise auch bei mir.
Blutreserven im Sommer knapp
Gerade zur Ferienzeit kommen wenige Spender. Und das obwohl sie dringend gebraucht werden.
"Der Bestand wird schlechter, weshalb es jetzt besonders wichtig ist zur Blutspende zu kommen." Prof. Hannes Klump, Leiter des Blutspendezentrums
Damit die Blutreserve gut gefüllt ist, bräuchte es jeden Tag 100 bis 150 Menschen, die in das Blutspendezentrum der Uniklinik Aachen kommen. Jetzt gerade sind es täglich nur 30 bis 50 Spender. Viele Kliniken und Krankenhäuser kommen deswegen an ihre Bestandsgrenzen.
Alles ohne Probleme
Im schlimmsten Fall hätte ich ohnmächtig werden können - das passiert aber zum Glück nur selten. Etwas harmloser und auch etwas häufiger kommt Schwindel vor. In meinem Fall läuft die Spende aber ganz ohne Probleme ab. Nach nur fünf Minuten sind schon 500 Milliliter in den Beutel geflossen. 50 davon werden für Untersuchungen gebraucht, der Rest wird gespendet.
Auch nach der Spende geht es mir unverändert gut. Ich kann mich noch ein bisschen ausruhen - das geht bei gutem Wetter sogar auf der Terrasse des Blutspendezentrums.
Geld als Gegenleistung
Es gibt ein paar Snacks und Getränke, das ist gut für den Kreislauf. Und natürlich ist es auch ein nettes Extra. Für die Spende gibt es zusätzlich noch eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 25 Euro oder einen Gutschein von lokalen Institutionen oder Geschäften mit etwas höherem Wert.
Zusätzlich werden die Parkgebühren in den umliegenden Parkhäusern übernommen. Vor allem aber gibt es eins: das Gefühl, jemandem geholfen zu haben - fast ohne Aufwand.
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Spendern und Pflegekräften vor Ort
- Blutspendezentrum der Uniklinik Aachen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 29.06.2026, 19:30 Uhr