Zugangskontrolle: Hier an einer U-Bahn Haltestelle in Kanada.
Bildquelle: picture alliance/Shotshop/Addictive Stock, S.L.Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) ist offen für Zugangskontrollen an großen deutschen Bahnhöfen. Der Vorschlag: Nur wer ein gültiges Bahnticket hat, soll auf den Bahnsteig kommen. Bilger halte das im Fernverkehr für "sinnvoll" und sprach sich für Tests aus. In einigen Nachbarländern gibt es bereits Schranken oder Drehkreuze, die Passagiere mit ihren Tickets öffnen müssen.
Diese Konzepte eins zu eins zu übernehmen, würde allerdings nicht funktionieren, sagt der Verkehrsminister, denn die Bahnhöfe in Deutschland seien "historisch gewachsen". Große Bahnhöfe stehen auch in NRW mitten in den Innenstädten, haben viele Ausgänge und teils ganze Einkaufspassagen, was die Umsetzung der Zugangskontrollen schwieriger macht.
Was sollen die Kontrollen bringen?
Die Zugangskontrollen sollen laut dem Verkehrsminister für mehr Sicherheit an Bahnhöfen sorgen. Zuletzt hatten Angriffe auf Bahnpersonal die Sicherheitsdebatte an den Bahnhöfen weiter befeuert. Noch Anfang des Jahres haben Zahlen der Bundespolizei gezeigt: Die Hauptbahnhöfe Dortmund, Köln und Düsseldorf sind unter den Top Ten der Bahnhöfe mit den meisten Gewaltdelikten deutschlandweit.
Bei einer stichprobenartigen Umfrage am Hauptbahnhof Essen ist unser Reporter auf viel Zuspruch für den Vorschlag des Verkehrsministers gestoßen. Vor allem nachts fühlen sie sich nicht sicher.
Umfrage am Hauptbahnhof in Essen
Die Meinungen zu möglichen Zugangskontrollen an Bahnhöfen sind gemischt, die meisten befürworten sie aber. Vielen geht es um ihre Sicherheit.
Konkrete Pläne, wann oder in welcher Form die Zugangskontrollen eingeführt werden sollen, sind nicht bekannt. Verkehrsminister Bilger sprach nur von einem Potenzial, den Ansatz in Deutschland zu erproben.
Wären die Pläne umsetzbar?
Demnach steht weiter die Frage im Raum: Wären Zugangskontrollen an Bahnhöfen sinnvoll und umsetzbar? Beides hängt von der konkreten Umsetzung ab.
Zum Beispiel sprach der Verkehrsminister von einer Zugangskontrolle im Fernverkehr an den Bahnsteigen selbst. Das Problem: An vielen großen NRW-Bahnhöfen teilen sich Züge des Nah- und Fernverkehrs dasselbe Gleis. Eine Zugangskontrolle direkt am Eingang der Bahnhöfe würde ebenfalls Konflikte schüren, zum Beispiel mit Gastronomie oder Geschäften in den Bahnhofsgebäuden selbst.
Darüber hinaus müsste nicht nur geklärt werden, wo die Zugangskontrolle stattfindet, sondern auch, wie der Zugang überprüft wird. Passagieren mit Ticket-Abo könnten zwar ihre Chipkarte oder einen QR-Code auf dem Handy einscannen, gerade Ältere oder Gelegenheitsfahrer hätten mit klassischen Papiertickets aus dem Automaten nichts zu Scannen.
Und was würde das kosten?
Auch die Finanzierung bleibt offen. Wer zahlt den Bau von Zäunen, Schranken und Drehkreuzen sowie deren Betriebskosten? Und wie kann trotz Zugangsbeschränkung im Brandfall oder bei einer Panik angemessen reagiert werden?
Die Bundespolizei, die unter anderem für die Sicherheit an Bahnhöfen zuständig ist, wollte sich nicht zu politischen Vorhaben äußern. Auch zur genauen Umsetzbarkeit oder zur Finanzierung wollte sich die zuständige DB InfraGO nicht äußern. Sie verwies auf das bundesweite Alkoholverbot an Bahnhöfen, das Mitte Oktober kommen soll.
Fahrgastverband skeptisch
Der Fahrgastverband ProBahn steht dem Vorschlag eher skeptisch gegenüber. Die Kontrollen wären umsetzbar, würden aber Probleme bringen, denn Bahnhöfe in Deutschland seien offen gestaltet, sodass jeder Zugang habe, sagt Andreas Schröder vom Fahrgastverband ProBahn. Unterm Strich seien die Kontrollen umsetzbar - auch wenn sie Geld kosten und es an Schranken Stau-Gefahr gibt.
"Es knubbelt sich vor diesen Ticketschranken, Leute suchen nach ihren Tickets und finden die nicht." Andreas Schröder, Fahrgastverband ProBahn
Wie sieht es in anderen Ländern aus?
Zum Beispiel in den Niederlanden und großen Städten wie Paris oder London gibt es Ticketkontrollen am Eingang der Bahnhöfe und Stationen. Ohne gültigen Fahrausweis kommt also niemand auch nur in die Gebäude. Viele Systeme laufen dort digital mit Chipkarten, die Ein- und Ausstieg dokumentieren.
Unsere Quellen:
- Bundesverkehrsministerium
- DB InfraGO
- Bundespolizei
- Fahrgastverband ProBahn
Sendung: WDR.de, Bahnhöfe Zugangskontrollen, 15.09.2026, 13:46 Uhr