Wann lohnt sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe?
WDR. 03:19 Min.. Verfügbar bis 20.07.2028.
Draußen ist es warm, doch Matthias Hess denkt an den eisigen Winter zurück. Ende Januar blieb die Heizung in seinem Erkrather Haus bei minus fünf Grad eine Woche lang kalt. "Ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht, Heizung aufgedreht, da denk ich: Es war doch eben noch warm?". Ein Ausfall in der angeschlossenen Nahwärme-Leitung. Denn Familie Hess hat keine eigene Heizung, sondern wird vom benachbarten Gebäudekomplex mitversorgt.
Jetzt steht der Entschluss fest: Das Haus von 1979 soll unabhängig werden. Am liebsten mit einer Wärmepumpe. Doch klappt das überhaupt in einem älteren Haus mit alten Heizkörpern? Viele Eigentümer glauben, dass dafür erst das ganze Haus saniert werden muss. Die moderne Technik ist mittlerweile aber so ausgereift, dass sich der Umstieg viel öfter lohnt, als die meisten glauben.
Die Vorlauftemperatur entscheidet
Energieberater Joachim Hüfner ist im Rahmen der Aktion "Auf geht's, Erkrath spart Energie" im Auftrag der Verbraucherzentrale zum Praxis-Check vor Ort. Seine wichtigste Botschaft nimmt vielen Hausbesitzern die Angst. Es kommt vor allem auf die sogenannte Vorlauftemperatur an. Kommt das Gebäude im Winter mit einer Wassertemperatur von etwa 45 Grad in den Heizkörpern aus, ist es in der Regel bereit für eine Wärmepumpe.
Joachim Hüfner überprüft die Bausubstanz.
Heizkörper müssen dafür oft gar nicht ausgetauscht werden. Familie Hess hat im Erdgeschoss eine Fußbodenheizung, oben hängen klassische Rippen- und gusseiserne Heizkörper. Auch wenn das nicht ideal ist, sofort würde Hüfner hier noch nicht alles erneuern. Es müsste auch mit den alten Heizkörpern klappen. Er rät: Die Wärmepumpe erst mal einen Winter lang Probe laufen lassen.
Kleine Kniffe mit großer Wirkung
Wer die Effizienz steigern will, muss nicht tief in die Tasche greifen. Oft reichen schon kleine, günstige Handgriffe, die sich sogar in Mietobjekten lohnen können. Heizungsnischen oder Rolladenkästen lassen sich mit Dämmplatten aus dem Baumarkt zum Beispiel schnell selbst isolieren. Auch die Kellerdecke oder der Fußboden vom Dachboden lässt sich oft mit vergleichsweise geringem Aufwand dämmen. Wenn am Ende eine Fachperson drüberschaut, geht das auch in Eigenregie und schont das Budget.
Grünes Licht für die Wärmepumpe
Nach der ausführlichen Begehung gibt der Energieberater in Erkrath grünes Licht. Eine Luft-Wärmepumpe wird sich hier ziemlich sicher lohnen. Von den rund 30.000 Euro Investitionskosten kann fast die Hälfte durch staatliche Förderungen finanziert werden. Auch bei den Anträgen und dem Bewerten von Angeboten kann Familie Hess auf die Unterstützung von Joachim Hüfner zählen.
Birgit Hess und ihr Mann sind bereit für den Winter - jetzt mit eigener Wärmepumpe.
Birgit Hess ist erleichtert über die guten Nachrichten. "Ich bin lieber auf die Sonne angewiesen, als auf Gas oder Öl, was von irgendwoher kommt". Die eigene PV-Anlage halbiert bereits den Strompreis. Nun soll die saubere Umweltwärme folgen. Bis zum Winter soll die neue Heizung laufen.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR Reporters vor Ort
- Verbraucherzentrale NRW
- Haushaltsausschuss des Bundestages
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 20.07.2026, 19.30 Uhr
