Plakatkampagne zum Thema Selbsthilfe startet im Kreis Mettmann

Bildquelle: WDR / Vanessa Trovo

WDR 03:16 Min. Verfügbar bis 18.08.2028

Selbsthilfe im Kreis Mettmann Kaum junge Menschen in Selbsthilfegruppen

Stand:

Eine Selbsthilfegruppe kann vor allem eins sein: Ein Ort, an dem Menschen merken, dass sie mit ihrer Situation nicht allein sind. Im Kreis Mettmann will der Paritätische Wohlfahrtsverband genau das bekannter machen. Noch immer fänden viel zu wenig junge Menschen in die Selbsthilfe.

Von Vanessa Trovo

Mit Klebeband und Plakaten in der Hand sind sie auf einer gemeinsamen Mission: Svetlana Schaarmann-Tröger und Frank Fassauer wollen Selbsthilfe bekannter machen. Dazu hängen sie in der Mettmanner Innenstadt Plakate auf. Dahinter verbirgt sich eine Kampagne des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, initiiert von der Selbsthilfe-Kontaktstelle im Kreis Mettmann.

Eine Frau mit blonden Haaren und Ohrringen blickt nachdenklich
"Selbsthilfe ist insgesamt ein sehr unbekanntes Thema. Das ist verwunderlich, aber ganz ganz viele Betroffene, erkrankte Menschen, auch Angehörige, die sich ja auch in Selbsthilfegruppen zusammenschließen können, wissen nicht, dass es Selbsthilfe für sie gibt." Svetlana Schaarmann-Tröger, Selbsthilfe-Kontaktstelle Kreis Mettmann

Gemeinsam mit Frank Fassauer, Sprecher einer Gruppe für Depression, will sie das ändern und hängt die Plakate in Mettmann auf. Darauf stehen verschiedene Slogans wie "Du bist nicht allein..." etwa "mit deiner Trauer" oder "mit deiner Diagnose."

Anlaufstellen sollen bekannter werden

Auch Fassauer fühlt sich mit seiner Depression dank der wöchentlichen Treffen seiner Selbsthilfe-Gruppe weniger allein. Er weiß aber auch, dass viele nur durch Zufall auf dieses Angebot stoßen: "Viele wissen nicht, wo sie sich hinwenden sollen. Es sei denn, sie bekommen es durch Hörsagen oder durch Bekannte mit oder eben durch soziale Dienste."

Eine Hand hält drei verschiedene Flyer in der Hand

Flyer der Kampagne "Du bist nicht allein" - zum Thema Selbsthilfe

Bildquelle: WDR / Vanessa Trovo

Dabei sei die Vielfalt an Selbsthilfegruppen im Kreis bereits unwahrscheinlich groß: von ADHS, über Endometriose, Narzissmus, Schlafapnoe, Post-Covid, verlassene Eltern, Sternenkinder bis zum Thema Zwänge, um nur einen Bruchteil zu nennen. Immer noch seien viele Teilnehmer über 50 Jahre alt, die zu solchen Treffen kommen. Vor allem von jungen Menschen, die Studien zufolge ebenso von Depressionen häufig betroffen seien, wünscht sich der Paritätische deshalb noch mehr Zulauf.

"Ich habe keine Angehörigen mehr"

Frank Fassauer erinnert sich noch heute an die Zeit, als er in die Depression geriet. Das war vor 15 Jahren - er verlor damals seinen Job, als sein Arbeitgeber insolvent ging. "Mit 56 damals war die Arbeitswelt eigentlich schon gegessen. Ich wusste damals noch nicht, was mit mir los ist, warum ich mich auch sozial verändere und zurückgezogen habe."

Er ließ sich ambulant in Kliniken behandeln, fand dann aber den Weg in die Selbsthilfe und wurde Gruppensprecher. Die wöchentlichen Treffen schenken ihm seit Jahren Halt und Klarheit. Er habe keine Angehörigen mehr, viele Freunde seien weggezogen oder verstorben - und doch will er stark bleiben, um seinen Alltag zu bewältigen und vielleicht nochmal jemanden für einen gemeinsamen Lebensabend kennenzulernen.

Ein Mann mit Brille sitzt vor einer grünen Pflanze und lächelt
"Wenn man sieht, wie es den anderen Menschen gut tut, sich auszutauschen unter Gleichgesinnten, in einem geschützten Raum, das erwärmt einen, das tut gut." Frank Fassauer, Sprecher einer Selbsthilfegruppe für Depression

Selbsthilfe sei kein Ersatz für Therapie

Svetlana Schaarmann-Tröger freut sich, dass nun die neue Plakataktion im gesamten Kreis Mettmann zu sehen sein wird - und sie damit vielleicht Menschen erreichen wird, die alleine nicht in die Selbsthilfe finden würden.

"In Zeiten wo Therapieplätze fehlen oder es lange Wartezeiten gibt, kann die Selbsthilfe unheimlich wertvoll sein. So eine Gruppe kann keine Therapie ersetzen, aber es hilft eben sich auszutauschen über Erfahrungen, Behandlungen, Anlaufstellen", betont Schaarmann-Tröger. "Und man wird schnell merken: Man ist alles andere als allein."

Unsere Quellen:

  • Selbsthilfe-Kontaktstelle Kreis Mettmann vom Paritätischen
  • Gespräch mit Frank Fassauer, Betroffener und Sprecher einer Selbsthilfegruppe

Sendung: WDR.de, Plakatkampagne zum Thema Selbsthilfe startet im Kreis Mettmann, 18.08.2026, 05:00 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Kreis Mettmann

1 / 2