Auf das Hochwasser folgt die Bürokratie

WDR 03:57 Min. Verfügbar bis 14.07.2028

Warten auf Wiederaufbauhilfe Auf das Hochwasser folgt die Bürokratie

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Spenden gab es in Millionenhöhe, auch Zusagen von Land und Bund, schnell und unbürokratisch helfen zu wollen. Was viele Betroffene aber erlebt haben, war weder schnell noch unbürokratisch. Löre Linke aus Wuppertal ist eine von tausenden Betroffenen, die zwischenzeitlich an der Bürokratie verzweifelt ist.

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Timo Spicker

Der fünfte Jahrestag der Hochwasserkatastrophe 2021 macht Löre Linke nachdenklich. So wie auch die letzten vier Jahrestage. Als im Juli 2021 die Wupper den Ortsteil Alt-Beyenburg, in bisher unvorstellbarer Art und Weise, überflutet, beginnt für Löre Linke ein jahrelanger Kampf. Ein Kampf um Wiederaufbau und finanzielle Unterstützung.

„Man spielt immer wieder den Abend durch und die Nacht und alles was danach kam.“ Löre Linke, Betroffene der Flut

Heute steht sie in ihrer neuen Wohnküche. Nur noch ein Foto an der Wand erinnert an die Zerstörung, die das Hochwasser hier angerichtet hat.

Die Nacht der Flut

Als das Wasser in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 über Wuppertal Beyenburg einbricht, hat Löre Linke gerade erst mit den Renovierungen ihres alten bergischen Schieferhauses abgeschlossen. Das gesamte Erdgeschoss hatte die Lehrerin neu gemacht, als das Wasser wenig später etwa einen Meter hoch steht und alles zerstört. Es folgen Tage und Wochen ohne Strom und Heizung, Wände müssen geöffnet und anschließend getrocknet werden. Sämtliche Möbel landen auf dem Müll. Und eine der größten Anstrengungen soll erst noch folgen.

170.000 Euro Schaden

Nach der Flut folgt das Ringen um Gutachter. Denn für die Beantragung von Wiederaufbauhilfe brauchte es ein Gutachten, Gutachter selbst waren aber nicht zu bekommen.
Als Linke schließlich einen findet, dokumentiert dieser einen Schaden in Höhe von 170.000 Euro. Die Mutter eines Sohnes erinnert sich bis heute nur ungern an die anhaltenden Geldsorgen.

Zwar hatte ein Spendenrat der Beyenburger Kirchengemeinde mit Geldspenden geholfen, die reichten aber bei Weitem nicht aus. Während Spenden für Betroffene der Flut in Millionenhöhe bei den Hilfsorganisationen eingingen und die Landesregierung ein Sofortprogramm versprach, wussten die Betroffenen anfangs nicht, wie sie überhaupt an die finanzielle Unterstützung kommen sollten.

Löre Linke bei Renovierung 2021

Löre Linke bei der Renovierung (2021)

Fluthilfe-Beratung half bei Anträgen

Organisationen wie die Caritas halfen Betroffenen, wie Löre Linke, bei der Beantragung von Hilfsgeldern – erst in einem Partyzelt, später in einem Baucontainer mitten in Wuppertal Beyenburg. Linke ist heute noch dankbar, dass in dieser Zeit jemand da war und half. Und sei es nur beim Ausfüllen der Anträge.

Löre Linke bei Beratung (2021)

Löre Linke bei Fluthilfe-Beratung (2021)

„Wenn man selber schon am Rande des Nervenzusammenbruchs war, haben die einen immer beruhigt.“ Löre Linke, über Fluthilfe

Dennoch vergingen Monate, bis das Geld, das für die Betroffenen vorgesehen war, endlich floss. Die zuständige Behörde musste zunächst die Bedürftigkeit feststellen.

Im Fall von Löre Linke dauerte die Antragsstellung mehr als ein Jahr. Im Sommer 2023, zwei Jahre nach der Hochwasserkatastrophe, erhielt sie dann endlich die Auszahlung der Wiederaufbauhilfe.

Versicherungen müssen zuerst zahlen

Ein weiteres Problem: Betroffene der Hochwasserkatastrophe, die genau dafür eine Versicherung hatten, mussten erst einmal versuchen, darüber ihr Geld zu bekommen. Erst danach gab es staatliche Finanzhilfen. Und erst, wenn das alles nicht reichte, konnten Betroffene auf Spendengelder hoffen.

Löre Linke hatte keine Versicherung und letztlich vor allem staatliche Wiederaufbauhilfe bekommen. Erledigt ist die Angelegenheit aber bis heute nicht. Bis vor Kurzem musste Linke Nachweise für die entstandenen Schäden und die Kosten für deren Beseitigung, einreichen. Den letzten Antrag auf Fluthilfe hat sie passend am Stichtag, dem 30.06.2026 eingereicht. Ab jetzt heißt es wieder warten und darauf hoffen, dass auch diese Kosten erstattet werden.

Löre Linke in ihrer neuer Wohnküche

Löre Linke in ihrer neuer Wohnküche

Ihr altes bergisches Schieferhaus erstrahlt heute, fünf Jahre nach der Flut, weitestgehend in neuem Glanz. Nur im Eingangsbereich stehen noch die Reparaturen der letzten, kleineren Schäden aus - bis Löre Linke und ihr Sohn das Thema, Flut und Wiederaufbauhilfe, hoffentlich für immer hinter sich lassen können.

FAQ zur Wiederaufbauhilfe

Wiederaufbauhilfe des Landes NRW konnten Privathaushalte und Unternehmen der Wohnungswirtschaft beantragen, die Schäden durch die Hochwasserkatastrophe 2021 erlitten haben. Die Landesregierung unterstützt mit dem Wiederaufbaufonds außerdem auch betroffene Kommunen.

Die Frist zur Beantragung von Wiederaufbauhilfe des Landes NRW für Betroffene der Flutkatastrophe ist am 30. Juni 2026 geendet.

In NRW stehen für den Wiederaufbau insgesamt Mittel in Höhe von rund 12,3 Milliarden Euro für Betroffene der Hochwasserkatastrophe zur Verfügung. Das Geld stammt aus dem Aufbaufonds 2021, der insgesamt 30 Milliarden Euro umfasst.

Ja, Spenden und Leistungen Dritter haben Vorrang vor einer Förderung. Auch Soforthilfen, die bereits für denselben Schaden erhalten wurden, reduzieren die zu gewährende Billigkeitsleistung.

Nein, die Förderungen müssen nicht zurückgezahlt werden, sofern diese entsprechend den Förderbedingungen verwendet wurden und sich im Verwendungsnachweis keine Überförderung ergibt.

Unsere Quellen:

  • Land NRW
  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
  • Interview mit Löre Linke
  • WDR/ARD Berichterstattung

Sendung: WDR.de, Warten auf Wiederaufbauhilfe: Auf das Hochwasser folgt die Bürokratie, 14.07.2026, 05:01 Uhr

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