Holpriger Bahnstart im Bergischen nach Generalsanierung
WDR. 01:21 Min.. Verfügbar bis 11.07.2028.
Generalsanierung beendet : Bahnstart im Bergischen verläuft holprig
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Für Kunden der Bahn entlang der Strecke Hagen-Wuppertal-Köln sollten am Freitag fünf schwere Monate zuende sein. Die Bahn hatte versprochen: Die Strecke durchs Bergische Land ist saniert, der Zugverkehr kann wieder rollen. An diesem Wochenende hakt es aber noch vielfach.
In der Bahn-App und an den Anzeigetafeln am Gleis gibt es noch viele Verspätungs- und Ausfallmeldungen. So fährt am Samstag kein Regionalexpress von Wuppertal nach Köln. Auch zwischen Düsseldorf, Hagen und Hamm fallen viele Regionalzüge aus. ICE- und IC-Züge sind langsamer unterwegs, was zu Verspätungen führt.
Die Einschränkungen im Überblick:
- RE4: Zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Witten fallen die Halte aus, darunter auch Hagen und Schwelm. Die Züge werden über Duisburg, Essen und Bochum umgeleitet.
- RE7: Für die Züge in Richtung Krefeld fallen zwischen Solingen Hbf und Dormagen die Halte aus, also auch Köln. Die Züge werden über Wuppertal-Vohwinkel, Düsseldorf Hbf und Neuss umgeleitet. Die RE 7 nach Hamm/Hagen fahren den normalen Weg.
- RE13: Zwischen Düsseldorf und Hamm fallen die Züge komplett aus.
- RB48: Bis Samstag 20:00 Uhr fallen die Züge zwischen Wuppertal und Köln teilweise aus.
- Fernzüge (ICE/IC): Wegen des Tempolimits gibt es Verspätungen von mindestens 10 Minuten, beispielsweise in Richtung Köln oder Berlin.
Laut dem Bahnportal "zuginfo.nrw“ sollen die Einschränkungen bis voraussichtlich Montagfrüh um 5 Uhr gelten. Noch bis Anfang August sind außerdem die S-Bahn-Linien S7, S8 und S9 über Wuppertal teilweise unterbrochen.
Neustart mit Verspätung
Der erste Zug nach der Generalsanierung war bereits unpünktlich.
Am Freitag gegen 21 Uhr sollte der erste Zug Richtung Köln in den Wuppertaler Hauptbahnhof rollen - tat er dann auch, aber mit massiver Verspätung. Ein weiterer fiel gar ganz aus. Die Bahn selbst sprach in ihrem DB-Navigator davon, dass es auch nach Ende der Generalsanierung zu Beeinträchtigungen kommen könne.
Fabian Ochs aus Wuppertal
Um die 40 Fahrgäste und Schaulustige hatten sich am Freitagabend auf Gleis 1 des Hauptbahnhofs versammelt, um bei der Einfahrt des ersten Zugs nach der Generalsanierung dabei zu sein. Unter den Anwesenden ist auch Fabian Ochs aus Wuppertal. Er ist extra zum Hauptbahnhof gelaufen, um bei der Wiedereröffnung dabei zu sein:
"Ich freue mich sehr, auch wenn es verspätet losgeht. Es ist einfach schöner, meine Freunde in Köln schneller besuchen zu können, als den Umweg über Düsseldorf zu nehmen oder mit dem Bus zu fahren." Fabian Ochs aus Wuppertal
Von Hagen nach Köln zunächst im Schneckentempo unterwegs
Bahnfahrerin Jessica Ocello aus Köln
Wenn ab jetzt Züge fahren, dann aber noch nicht im gewohnten Tempo. Sie sollen mit höchstens 70 Stundenkilometern, also langsamer als üblich, von Hagen über Wuppertal nach Köln rollen, zumindest an diesem Wochenende. Laut Bahn sind sogenannte "Belastungsfahrten" geplant, um die Strecke zu testen. Auch das habe Auswirkungen auf den Fahrplan. Für Jessica Ocello aus Köln waren die vergangenen Monate eine echte Belastungsprobe. Einmal die Woche besucht sie normalerweise ihre Eltern in Wuppertal:
"Für mich war das schwierig - vor allem mit Kind. Ich habe immer geschaut, ob es andere Alternativen mit dem Zug gibt. Ansonsten habe ich auch schon mal Mitfahrgelegenheiten genommen, oder mein Partner hat mir sein Auto gegeben." Jessica Ocello aus Köln
Diana Ertel aus Wuppertal
Dass die Zuglinie RE4 immer noch umgeleitet werden muss, wird Diana Ertel und Hannah Schwarz am Freitagabend zum Verhängnis. Die beiden Studentinnen wollten eigentlich mit dem RE4 zu einem Konzert nach Dortmund fahren. Der Zug hatte aber zum Zeitpunkt des WDR-Interviews so viel Verspätung, dass die Pläne für einen ausgelassenen Abend auf der Kippe standen:
"Ich bin in der Regel zwei- bis dreimal die Woche nach Düsseldorf gefahren und das war schon echt belastend. Zwei bis drei Stunden hat man da schon im Schienenersatzverkehr verbracht." Diana Ertel aus Wuppertal
Bahn und NRW-Verkehrsministerium geben Strecke frei
Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender DB InfraGO
Am Freitagmittag hatten die Bahn und das NRW-Verkehrsministerium symbolisch die Strecke wieder freigegeben. "Es war ein Kraftakt", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bahn-Tochter DB InfraGO, Philipp Nagl. Die Bauteams hätten "Großes geleistet", dass die Züge auf einer "modernen und robusten Infrastruktur rollen können".
"Uns ist klar, dass wir den Fahrgästen und dem Güterverkehr stellenweise viel abverlangt haben. Aber: Am Ende lohnt es sich." Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender DB InfraGO
Schienenersatzverkehr soll bei nächsten Baustellen besser werden
Fünf Monate lang mussten Bahnkunden vieles auf sich nehmen. In der Kritik stand vor allem der Schienenersatzverkehr, den die Bahn aufgestellt hatte. Etwa 200 Busse mussten im Pendelbetrieb den Ausfall der Züge ausgleichen.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer
Das bedeutete laut Bahn: mehr als sechs Millionen Kilometer auf der Straße statt auf der Schiene. Das klappte besonders zum Beginn der Generalsanierung nicht gut. Eine schlechte Übersicht über die Ersatzhaltestellen, Fahrer, die ihre Strecke nicht kannten, sehr lange Fahrtzeiten. Daran erinnerte am Freitag auch der NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne).
"Das hat in den Lebensalltag ganz vieler Menschen rund um Wuppertal eingegriffen. Der Schienenersatzverkehr hat am Anfang nur so mittelprächtig funktioniert, das sind alles Dinge, die wir in Zukunft besser machen müssen." Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister
Generalsanierung hat weniger Geld gekostet
Das stand im Aufgabenbuch der Bahn: Zwölf Bahnhöfe auf 65 Kilometern Länge modernisieren, vier Kilometer Lärmschutz neu bauen, 50 Weichen und mehr als 80 Kilometer Gleis erneuern sowie auf fast 30 Kilometern die Oberleitungen instand setzen.
Sechs der zwölf Stationen seien nahezu fertig, mit modernen Bahnsteigen, verständlichen Wegesystemen, neuer Beleuchtung, Barrierefreiheit. Das Geld dafür kam zum größten Teil aus dem Sondervermögen des Bundes. Die Experten der Bahn hatten zunächst mit Kosten von etwa 800 Millionen Euro gerechnet.
In Feierlaune: Deutsche Bahn und NRW-Verkehrsministerium in Leverkusen
Inzwischen heißt es, die Sanierung der Stecke sei günstiger geworden als erwartet. Nun werde dort mindestens fünf Jahre lang nicht mehr gebaut. Jetzt steht die nächste Generalsanierung an - zwischen Troisdorf und Unkel.
Arbeiten an Bahnhöfen noch bis Ende 2027
Modernere Bahnhöfe waren bei dem Konzern stets das wichtigste Stichwort, wenn es um die Generalsanierung ging. Die sechs Bahnhöfe, die noch nicht fertig sind, werden noch bis ins nächste Jahr hinein saniert, zum Beispiel in Wuppertal und Haan-Gruiten.
Viele S- und Regionalbahnen fahren weiterhin nicht - bis Anfang September
In Haan-Gruiten wird weitergebaut
Aber auch zwischen Hagen und Düsseldorf wird weitergebaut, an Bahnhöfen in Schwelm, Wuppertal und Haan. Dort geht es ebenfalls um Barrierefreiheit. Die Folge: erneut teilweise Ersatzverkehr auf den Linie der S7, S8, S9 und des RE49. Termin für den Abschluss der Arbeiten ist der 4. September.
Neuer Bahnhofsvorplatz in Leichlingen nicht ganz fertig geworden
Die Stadt Leichlingen hat die Generalsanierung auch genutzt, um ihren Bahnhofsvorplatz zu erneuern. Die Arbeiten sind aber nicht ganz abgeschlossen, so die Stadt.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- DB Infra GO
- zuginfo.nrw
- NRW-Verkehrsministerium
- Stadt Leichlingen
Sendung: WDR, WDR aktuell, 11.07.2026, 12:45 Uhr
