Wuppertals interkultureller Chor tourt

WDR 04:09 Min. Verfügbar bis 14.07.2028 Von Annette Hager

Botschafter für Integration Wuppertals interkultureller Chor auf Tour

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Ein Geburtstagsbesuch mit Symbolkraft: Ein Frauen-Chor, der den Reichtum vieler Kulturen und Sprachen nach außen trägt, reist als Vorzeige-Integrationsmodell zum 75. Geburtstag der ältesten Städtepartnerschaft Wuppertals in den Nordosten Englands, nach South Tyneside. Um für Begegnung und Austausch zu werben.

Von Annette Hager

Viele Hallos, Küsse und Umarmungen, viel Gekicher und Gelächter, strahlende Gesichter: Die wöchentliche Chor-Probe der "Women of Wuppertal" ist für die Frauen ein Highlight im Alltag und lässt erahnen, was hier funktioniert. Ein geschützter Raum, der leider in allen Kulturen für Frauen wichtig ist, ein Ort der Lebensfreude, der Unterstützung und der gegenseitigen Hilfe.

Hier haben die Frauen eine Stimme, auch in der eigenen Muttersprache. Hier ist Diversität ein Schatz! Alltagswissen und (auch: bittere) Erfahrungen bilden ein wertvolles Gut im Austausch. Und Musik und die Lieder bilden die Sprache der Herzen.

Chor bietet ein Familiengefühl

Nour Shekh Al Saroja fand - alleinerziehend mit zwei Kindern im fremden Land - hier das vermisste "Familiengefühl" und Chorleiterin Hayat Chaoui spricht von einem besonderen Zusammenhalt. Musik, aber besonders ein Chor, sei dafür ein gutes Vehikel und ein wichtiger Verstärker: das Selbstbewusstsein werde gestärkt - und zugleich werde sicht- und spürbar, "was eine Gemeinschaft erreichen kann - wenn sie am selben Strang zieht!"

Frau mit Buch in der Hand schaut in die Kamera und lächelt

Nour Shekh Al Saroja: "Da ist so viel Liebe - das ist kein normaler Chor!"

"Women of Wuppertal" ist ein Multi-Kulti-Erfolgsmodell

Vor elf Jahren wurde der Chor gegründet als Kooperationsangebot zwischen der Bergischen Musikschule und alpha e.V., einem Träger jobcenterfinanzierter Maßnahmen, die Mütter mit Migrationshintergrund beruflich fördern.

Frau im Vordergrund steht inmitten von Kreis von Frauen und schaut zur Seite

Chorleiterin Hayat Chaoui und ihr Herzensprojekt

Inzwischen ist er Teil des Musikschulangebots, weiterhin Herzensprojekt der Mitbegründerin und Leiterin, Sängerin und Dozentin Hayat Chaoui.

Der Chor ist mittlerweile auf rund 80 Mitglieder gewachsen und längst selbst Teil des kulturellen Angebots der Stadt - und nun auch "Exportgut" geworden: als Werbeträger für Integration und Begegnung.

"Wir kommen aus verschiedenen Ländern und auch unsere Lieder: Wenn dann alle aufstehen, klatschen und mitsingen, das ist das Schönste für mich." Laura Elena Bustos-Mendieta, Chor-Mitglied
Frau mit lockigen Haaren lächelt

Laura Elena Bustos-Mendieta: "Wir kommen aus verschiedenen Ländern und auch unsere Lieder"

Vielfalt schätzen, Vorurteilen begegnen

Die Vielfalt der Kulturen, die Schönheit der Sprachen - auch der verschiedenen Trachten und traditionellen Kleider - vor Ohren und Augen zu führen, ist ein Anliegen des Chores. Aber auch: exemplarische Geschichten zu erzählen, Vorurteilen mit Geschichten zu begegnen.

Mann und Frau sitzen vor einem Desktop-PC; er zeigt ihr etwas auf dem Bildschirm

Nours' Chef Andreas Cellar: "Die Lebensgeschichten zu hören verändert den Blick auf Migration!"

"Sie sehen eine Frau mit Kopftuch - und nicht die Frau, die kämpft, Steuern zahlt, Vollzeit und ehrenamtlich arbeitet", sagt Nour Shekh Al Saroja und ihr Chef räumt ein: Die enge Zusammenarbeit mit Nour und ein Konzertabend des Chores haben seinen Blick auf Migration verändert.

"So ein sehr diverser und sehr interkultureller Chor kann zeigen, wie Reichtum auch aussehen kann, also nicht nur im materiellen Sinne. Und vielleicht ist das im Moment wichtiger denn je." Hayat Chaoui, Chorleiterin

Zivile Kraft: Städtepartnerschaft

Ihre Werte und ihren Blick auf Migration und Integration hat der Chor jetzt also auch den Menschen in der Partnerstadt South Tyneside präsentiert. Wuppertal war eine der ersten Städte in Deutschland, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine offizielle Partnerschaftsbeziehung zu einer Stadt im ehemals feindlichen Ausland einging: zuerst mit South Tyneside im Jahr 1951.

Seit nach dem Brexit allgemein der Austausch - gerade in der Kultur - viel schwieriger geworden ist und nochmal mehr, nachdem die jüngsten Kommunalwahlen ein Debakel für die Regierungspartei und ein großer Erfolg für die rechtspopulistische Partei von Nigel Farage waren, steigt die Wichtigkeit der Partnerschaft wieder.

"Gerade wenn die Politik sich schwer tut, wächst die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements." Wolfgang Mohrhenn, Initiator des Chor-Besuches

Wolfgang Mohrhenn - ehrenamtlicher Motor hinter der Städtepartnerschaft, Initiator und Begleiter des Chor-Besuches: "Gerade wenn die Politik schwierig wird, zeigt bürgerschaftliches Engagement seine Stärke: Es war fantastisch und die Herzlichkeit des Empfangs sehr bewegend!"

Unsere Quellen:

  • Chormitglieder und Chorleiterin des WoW
  • Projektleiter der Städtepartnerschaftsreise
  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Wuppertals interkultureller Chor tourt, 15.07.2026, 5:02 Uhr

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