Polizei ermittelt Standort bei Notruf
WDR. 02:56 Min.. Verfügbar bis 20.07.2028.
Ein Mann wählt per Handy den Notruf. Die Leitstelle der Polizei in Wuppertal nimmt den Anruf entgegen und hört nur: "Ich werde verprügelt..." - dann bricht das Gespräch ab. So passiert vor wenigen Tagen. Dass sich der Mann mitten in der Remscheider Innenstadt befand, körperlich angegangen wurde und schnellstmöglich Hilfe brauchte: Früher hätte es länger gedauert, den genauen Tatort ausfindig zu machen. Jetzt geht es in wenigen Sekunden.
Schneller Retten durch neue Ortungstechnik
Denn die Polizeidienststellen in NRW testen in einem Pilotprojekt eine neue Ortungstechnik. Sobald ein Anrufer vom Handy die 110 wählt, wird automatisch der Standort an eine zentrale Stelle geschickt. Wenn der Anrufer nicht genau sagen kann, wo er sich befindet, aber in Not ist, können die Beamten sofort den genauen Ort abrufen - nahezu auf den Meter genau. Und bei Notfällen geht es nun mal oft um Minuten oder Sekunden.
Feuerwehr-Pressesprecher Christian Spoo testet den Notruf
Häusliche Gewalt, Verfolgungsjagden, Waldbrände - bei vielen verschiedenen Notlagen ist schnellste Hilfe gefragt - ein langes Erklären, wo man sich gerade befindet, aber nicht möglich:
"Wir hatten in den vergangenen Wochen tatsächlich schon über 180 Notruflokalisierungen." Diane Dulischewski, Polizei Mettmann
Diane Dulischewski von der Polizei Mettmann erinnert sich etwa an eine Frau, die in einem Taxi bedrängt worden war. "Wir haben dann sozusagen einen stillen Notruf erhalten, also sie konnte nicht sprechen", berichtet Dulischewski.
Das war jedoch kein Problem - dank Notruflokalisierung. "Sie hat uns dann ihre Standortdaten übermittelt, so dass wir die Einsatzkräfte schnell zu der Örtlichkeit des Taxis hinzurufen konnten und dann auch die Frau aus dieser Gefahrensituation retten konnten."
Ortung bringt Polizei enorme Arbeitserleichterung
Ähnliche Notrufe, bei denen die Anrufer nicht wissen oder sagen können, wo sie sich befinden, nehmen Polizei und Feuerwehr mehrmals täglich entgegen. Dass die neue Technik den Einsatzkräften nun die Arbeit sehr erleichtert, kann für die Anrufer lebensrettend sein, betont die Polizeisprecherin.
Denn früher hätte eine Standortanfrage über die jeweiligen Mobilfunkanbieter erfolgen müssen. Das habe natürlich viel länger gedauert und auch noch Kosten verursacht. "Das alles sparen wir uns jetzt ein, so dass wir sehr schnell und sehr effektiv unsere Einsatzkräfte zu den jeweilig benötigten Einsatzorten rufen können."
Daten der Anrufer werden eine Stunde lang gespeichert
Bisher durfte nur die Feuerwehr die AMC-Technologie nutzen
Die Feuerwehr in NRW darf den Ortungsdienst durch die AML-Technologie (Advanced Mobile Location) schon länger nutzen. Die Polizei bisher aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. AML ist in allen modernen Smartphones bereits integriert, die Daten werden zentral gespeichert, für genau 60 Minuten.
Hinweis der Redaktion, 20.07.2026, 19 Uhr: In einer vorherigen Version haben wir die "Advanced Mobile Location" als "AMC" abgekürzt. Die korrekte Abkürzung ist "AML". Den Fehler haben wir korrigiert.
Hinweis der Redaktion, 23.07.26, 17 Uhr: Wir haben auch in einem Fernsehbeitrag und auf Social Media über die neue Ortungstechnik berichtet. In einer ersten Version der Videos zu der Notfalllokalisierung ist uns leider ein Fehler unterlaufen. Wir haben in der Leitstelle einen simulierten Notruf gedreht. Da mögliche Informationen auf dem Bildschirm zu sehen waren, die nicht Teil der Simulation sind, haben wir alles unkenntlich gemacht und das Video neu hochgeladen.
Unsere Quellen:
- Polizeidienststelle Wuppertal / Remscheid / Solingen
- Polizeidienststelle Kreis Mettmann
- Feuerwehr Wuppertal
Sendung: WDR.de, Polizei ermittelt Standort bei Notruf, 20.07.2026, 5:03 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 20.07.2026, 19:30 Uhr
