Nele Feldkamp hilft in einer Werkstatt von Bethel.

"Abi-Lücke" wegen Umstellung auf G9 Weniger Bewerbungen für Betheljahr

Stand:

In diesem Jahr gibt's weniger Abiturienten: Das hat auch Auswirkungen auf Freiwilligendienste wie das Betheljahr in Bielefeld.

Von Jan-Ole Niermann

"Ich freue mich den Leuten hier zu helfen", sagt Mats Kattelmann, während er Getränke ausschenkt und Äpfel neben dem Fußballplatz verteilt. In dieser Woche gibt es ein großes Fußballevent, bei dem Menschen mit Behinderung an verschiedenen Stationen trainieren können. Unterstützt werden sie dabei unter anderem von jungen Freiwilligen.

Mats Kattelmann macht sein Betheljahr in Bielefeld.

Mats Kattelmann macht sein Betheljahr in Bielefeld.

Bildquelle: Jan-Ole Niermann

Sein Betheljahr hat Mats Kattelmann letzten Sommer begonnen. Der Bielefelder wollte nach dem Abitur erstmal arbeiten, bevor er sein Lehramtsstudium beginnt: "Vorher habe ich ja noch nie 40 Stunden irgendwo gearbeitet, das wollte ich ausprobieren."

Weniger Abiturienten, weniger Freiwillige

Aktuell gibt es rund 500 Freiwillige. Doch für den neuen Jahrgang haben sich deutlich weniger junge Menschen beworben, weil es weniger Abiturienten gibt. Das bereite ihm Sorgen, erzählt Stefan Homann am Rande des Fußballfelds: "Die Freiwilligen fehlen uns, die Situation ist einmalig." Er schützt sich vor einem kräftigen Regenschauer unter Pavillons, die die Freiwilligen ebenfalls mit aufgebaut haben.

Stefan Homann leitet die Freiwilligenagentur in Bethel.

Stefan Homann leitet die Freiwilligenagentur in Bethel.

Bildquelle: Jan-Ole Niermann

Homann leitet die Freiwilligenagentur, die das Betheljahr koordiniert und begleitet. Er fürchtet, dass die Bewerbungen um bis zu 35 Prozent zurückgehen könnten: "Es werden Sachen weniger stattfinden, es werden Sachen auf der Strecke bleiben: Es wird weniger gespielt, es wird weniger gesprochen, es wird weniger begleitet." Versorgung und Pflege müssten ja stattfinden und würden vor allem von ausgebildeten Fachkräften übernommen, unterstützt von den Freiwilligen.

Weniger Bewerbungen auch bei anderen Trägern

Auch das Deutsche Rote Kreuz in Bielefeld bemerkt, dass es deutlich weniger Bewerbungen für den Bundesfreiwilligendienst gibt: Im Fahrdienst seien derzeit zehn Freiwillige im Einsatz, sagt der kaufmännische Leiter Friedrich Geller: "Im Fahrdienst sind die Bufdis Beifahrer, wir müssen gucken jetzt, wie wir die Fahrten organisieren."

"Ich gehe davon aus, dass es sich nächstes Jahr wieder entspannt, mit normalen Abi-Jahrgang." Friedrich Geller, DRK Bielefeld

In der Pflege und in Kindergärten sei die Situation entspannter. Aber im Fahrdienst könnten Mehrkosten entstehen, bei ohnehin knappen Kassen. Aber Geller hofft, dass noch weitere Bewerbungen eintrudeln: "Wir hatten immer Fälle, dass sich im August oder September noch Personen melden, da kann noch was kommen."

Mats Kattelmanns Betheljahr endet im Sommer: "Ich habe viel über mich selbst gelernt", sagt Kattelmann. Er habe viel positives Feedback für seine Arbeit bekommen: "Das gibt Selbstvertrauen." Dass jetzt Bewerber fehlen, bemerkt er bei Gesprächen in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Noch gibt es keinen Nachfolger für seine Stelle.

Weniger Bewerbungen für Betheljahr und Freiwilligendienste

Bildquelle: Jan-Ole Niermann

WDR 2 Min. 32 Sek. Verfügbar bis 13.05.2028

Unsere Quellen:

  • Freiwilligenagentur Bethel
  • DRK Bielefeld

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 15.05.2026, 19:30 Uhr

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