Studiogespräch: Steffen Bilger, Bundesverkehrsminister

Bildquelle: WDR

Aktuelle Stunde 17.09.2026 34 Min. 9 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028 WDR

Bilger im Interview "Jetzt ist die Zeit, um Verkehrsprobleme zu lösen"

Stand:

Weniger Staus, mehr Pünktlichkeit auf der Schiene - Bundesverkehrsminister Bilger hat ehrgeizige Ziele, wie er dem WDR sagte.

"Heute Dienstreise nach Bonn" - seit dem Sommer steht dies bei Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) deutlich häufiger im Terminkalender als früher. Auch am Donnerstagnachmittag war der neue Minister in der Bundesstadt am Rhein - er hatte sich ein Bild von den Arbeiten an der gesperrten Bonner Nordbrücke gemacht.

Das Bauwerk aus den 1960er Jahren ist Teil der Autobahn 565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Seit Anfang Juni ist sie wegen gravierender Schäden an der Vorlandbrücke komplett gesperrt. Für Anwohner, Pendler und Lkw-Fahrer bedeutet dies tagtäglich Verkehrschaos und Stress pur. Bis Ende 2028 soll die Vorlandbrücke neu gebaut werden, bis dahin bleibt die gesamte Nordbrücke weiter gesperrt. An der Baustelle in Bonn stellte sich Bilger den Fragen des WDR.

WDR: Herr Bilger, wo Sie jetzt gerade stehen, wann werden dort in Bonn die Autos wieder rollen?

Steffen Bilger: Unser Ziel ist, dass wir in zwei Jahren das Projekt abgeschlossen haben. Aktuell sind wir voll im Zeitplan. Die Abbrucharbeiten der alten Bonner Nordbrücke laufen, sie sollen im November abgeschlossen sein. Dann kann es auch mit dem Ersatzneubau weitergehen. Wir haben uns vorgenommen, dass wir in zwei Jahren mit dem Projekt fertig sind.

WDR: Es hat ja bisher niemand die Verantwortung dafür übernommen, wie es so weit kommen konnte. Haben Sie als neuer Bundesverkehrsminister nicht das Gefühl, dass sich jetzt einer wie Sie auch mal hinstellen und sagen müsste, "das haben wir verbockt, das hätte so nicht passieren dürfen"?

Bilger: Ja gut, es gibt schon Gründe für die Probleme, die wir in Sachen Infrastruktur in ganz Deutschland haben. In Nordrhein-Westfalen gibt es noch einmal eine besondere Betroffenheit. Auch an dem aktuellen Bonner Bauprojekt, der Nordbrücke, wird deutlich: Es geht um eine Brücke, die 1968 gebaut wurde - allerdings in einer Zeit, in der man von viel weniger Belastung, auch von weniger Güterverkehr auf den Straßen ausgegangen ist. Irgendwann kommen eben die Brücken an ihre Grenzen und müssen erneuert werden. Hier in Bonn leider, wie so oft in Deutschland, sehr kurzfristig.

Das ist etwas, was wir in Zukunft besser hinbekommen wollen. Also dass wir frühzeitiger erkennen: Wo muss Infrastruktur instandgesetzt werden, wo müssen wir uns schneller um die Lösung kümmern? Ich bin jetzt Verkehrsminister in einer Zeit, in der sehr viel Geld für die Infrastruktur zur Verfügung steht, in der wir aber auch durch Planungsbeschleunigungsgesetze deutlich schneller vorankommen. Auch bei solchen Maßnahmen wie hier.

Ich habe aber auch den Eindruck, dass es jetzt einen ganz anderen Grundkonsens in der Gesellschaft gibt, dass wir in unsere Infrastruktur investieren müssen. Insbesondere auch, wenn es um den Erhalt von Infrastruktur geht. Das sind schon andere Voraussetzungen, als es in der Vergangenheit der Fall war. Deswegen will ich jetzt nicht nach hinten schauen und Vorwürfe in Richtung der damals Verantwortlichen machen, sondern jetzt schauen wir nach vorne und nutzen die guten Möglichkeiten, die wir jetzt haben.

WDR: Ich würde aber trotzdem gerne nochmal fragen, denn die Menschen sind ja frustriert. Mobilität bedeutet Teilhabe - und das ist essenziell für eine moderne Gesellschaft. Wir sprechen gerade so viel darüber, dass die Menschen von der Politik frustriert sind. Sie sagen, Sie sind der neue Verkehrsminister, der sechste in zehn Jahren. Woran werden es die Leute denn konkret merken, dass es bei der Infrastruktur vorangeht?

Bilger: Mein Ziel ist, wenn die Wähler bei der nächsten Bundestagswahl Bilanz ziehen, dass dann eine spürbare Verbesserung in Sachen Infrastruktur eingetreten ist. Eben auch durch die vielen Mittel, die wir zur Verfügung haben, durch die Planungsbeschleunigung, dass wir schneller werden bei der Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen. Also eine spürbare Verbesserung ist das Ziel.

Wir werden in vier Jahren nicht alle Probleme gelöst haben, aber es soll spürbar besser werden: weniger Staus, auch besserer Bahnverkehr, mehr Pünktlichkeit auf der Schiene. Jetzt ist die Zeit, wo wir die Verkehrsprobleme, die uns so lange schon beschäftigen und auch wirklich für viel Unzufriedenheit sorgen, lösen können. Und dazu will ich meinen Beitrag leisten. Aber ich kann natürlich keine Wunder versprechen. Es geht Schritt für Schritt voran, aber es soll eine spürbare Verbesserung eintreten.

WDR: Wenn man durch Bayern fährt oder durch Ostdeutschland, dann sind die Autobahnen ja andere. Ich weiß nicht, wie viel Sie schon als Minister durch Nordrhein-Westfalen gefahren sind, aber Sie haben es selber gesagt - nirgendwo ist die Infrastruktur, sind die Brücken so kaputt wie bei uns in Nordrhein-Westfalen. Das müssen die Pendler ausbaden, die Lastwagenfahrer. Wäre es nicht angemessen für die nächsten Jahre, dass Sie von Ihrem zweiten Dienstsitz in Bonn arbeiten - so als Zeichen?

Bilger: Ich werde häufig in Bonn im Verkehrsministerium sein, einfach, weil da auch viele unserer engagierten Mitarbeiter arbeiten. Es ist aus meiner Sicht auch wichtig, dass dort der Minister, die politische Leitung des Ministeriums, sich regelmäßig zeigt und dort mit den Mitarbeitern auch im Gespräch ist. Aber Sie haben recht: Die Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen ist besonders wichtig - und sie ist besonders belastet. Ich kann definitiv zusagen, dass wir alle nötigen Mittel bereitstellen werden, dass wir die Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen auf Vordermann bringen, insbesondere den notwendigen Erhalt jetzt anpacken.

Das Interview führte Catherine Vogel für die Aktuelle Stunde. Für die Online-Version wurde es sprachlich geglättet, ohne den Inhalt dabei zu verändern.

Unsere Quelle:

  • WDR-Interview mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 17.09.2026, 18:45 Uhr

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