LKW-Fahrer zu hohen Spritpreisen

Bildquelle: WDR / Dirk Groß-Langenhoff

WDR 2 Min. 33 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028

Teure Spritpreise Palettenhändler aus Wattenscheid denkt ans Aufhören

Stand:

200 Euro für 82 Liter: Ein Tag mit Palettenhändler André Millmann zwischen Zapfsäule, Witten und Palettenhof.

"Der Tank ist fast leer", sagt André Millmann an der Zapfsäule. Wenig später bleibt die Anzeige bei 200,03 Euro stehen. 82,35 Liter Diesel sind durchgelaufen, der Liter kostet 2,429 Euro. Voll ist der Lkw damit noch lange nicht: Die Tankanzeige steht danach kurz vor der Reserve.

Der 56-Jährige ist Palettenhändler aus Bochum-Wattenscheid. Heute fährt er zu einem Kunden nach Witten. "Ich tanke jeden Tag für 200 Euro", sagt Millmann. Sein Lkw verbraucht im Schnitt 35 Liter auf 100 Kilometer.

In den Tank passen 500 Liter. Bei den aktuellen Preisen wären das gut 1.200 Euro. Deshalb tankt Millmann nie voll, sondern nur so viel, wie er gerade braucht. "Das reicht erst mal für die nächste Tour nach Witten", sagt er. Rechnerisch kommt er mit gut 80 Litern rund 230 Kilometer weit.

Eine Zapfsäule zeigt über 200 Euro für 80 Liter Diesel

Hohe Spritpreise an der Zapfsäule

Bildquelle: WDR / Dirk Groß-Langenhoff

Diesel fast so teuer wie beim Rekord

Laut ADAC kostet ein Liter Diesel im bundesweiten Schnitt gerade rund 2,42 Euro, gut zehn Cent mehr als vor einer Woche. Der bisherige Rekord vom April lag bei knapp 2,45 Euro.

Umwege kosten doppelt

Millmann hat das Gefühl, dass die Kosten immer erdrückender werden. Der Dieselpreis bringt für ihn nur das Fass zum Überlaufen. Dazu komme die Lkw-Maut, sagt er. Beides steige, wenn er Umwege fahren muss.

In Witten sind Autobahnausfahrten gesperrt. „Wir sind praktisch am Kunden vorbeigefahren", sagt Millmann. Acht Kilometer Umweg kommen so zusammen. Bei seinem Verbrauch sind das knapp drei Liter Diesel, fast sieben Euro. Was ihn zusätzlich ärgert: An der Baustelle sehe man nie jemanden arbeiten.

Knochenjob, allein

Millmann ist immer allein unterwegs. Beim Kunden lädt er die Paletten selbst auf. Er hat einen Gabelstapler und einen Hubwagen dabei, eine sogenannte Ameise. Trotzdem ist das ein Knochenjob, den kaum noch jemand machen will.

Die höheren Spritkosten kann er nicht einfach auf seine Preise aufschlagen. "Dafür ist der Konkurrenzdruck zu hoch", sagt Millmann. Das Problem kennt die ganze Transportbranche: Nach Angaben des Spediteursverbands BGL können viele Betriebe die gestiegenen Kosten nicht oder nur teilweise weitergeben. Am Ende bleibt für Millmann kaum noch etwas übrig.

Aus kaputt wird wieder brauchbar

In Dortmund hat Millmann seinen Palettenhof. Hier arbeitet er kaputte Paletten auf, damit sie wieder genutzt werden können. Vor der Preisexplosion an den Tankstellen war das ein einträgliches Geschäft. Inzwischen denkt der Palettenhändler immer häufiger ans Aufhören.

An der Arbeit liegt das nicht. "Ich bin ein Ruhrpottjunge. Ich lasse die Hände fliegen und arbeite gerne", sagt Millmann. "Aber wenn am Ende nichts dabei rumkommt, muss man aufhören."

Entlastung noch offen

Die Bundesregierung berät, wie sie Autofahrer und Unternehmen entlasten kann. Im Gespräch ist unter anderem eine niedrigere Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe. Beschlossen ist das noch nicht. Unternehmen würde eine solche Senkung ohnehin wenig bringen: Sie können sich die Mehrwertsteuer schon jetzt vom Finanzamt zurückholen. Darauf weisen sowohl der Spediteursverband BGL als auch Steuerexperten hin. Der BGL fordert stattdessen einen günstigeren Diesel fürs Gewerbe, wie es ihn etwa in Frankreich und Italien gibt.

Noch fährt Millmann seine Touren. Getankt wird erstmal weiter nur, was für die nächste reicht.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters von vor Ort
  • Interview mit André Millmann

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 17.09.2026, 18:08 Uhr

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