Dortmund will mehr Ordnung in der City - Obdachlose demonstrieren
Lokalzeit aus Dortmund. 17.10.2025. 01:29 Min.. Verfügbar bis 17.10.2027. WDR. Von Franz Altrogge.
Etwa 100 Obdachlose sitzen an Bänken auf der Dortmunder Kampstraße. Sie löffeln Suppe, die von den Maltesern ausgegeben wird. Einige haben Zettel mit ihren Wünschen an die Politik an ein Zelt geklebt. Immer wieder ist da das Wort "Wohnung" zu lesen. "Nicht nur reden, sondern machen" wünscht sich jemand, "kein Bettelverbot" ein anderer, ein Dritter bringt seinen Wunsch so auf den Punkt: "Dass keiner mehr draußen schlafen muss".
Die UNO hat am 17. Oktober den "Internationalen Tag zur Beseitigung großer Armut" ausgerufen. Deshalb haben Dortmunder Wohnungslosen-Initiativen und das Obdachlosen-Magazin Bodo diese Demo gestartet. Einige Forderungen sind altbekannt. Es geht um mehr Hilfsangebote und mehr Übernachtsmöglichkeiten. Angesichts des nahenden Winters fordern die Veranstalter zudem eine Winternothilfe mit Aufenthaltsmöglichkeiten im Warmen auch am Tag.
Oberbürgermeister will für Ordnung in der Innenstadt sorgen
Diesmal gehen die Forderungen aber über die üblichen - wie mehr Wohnraum - hinaus. Es geht um Politik und die Stadtverwaltung. Zelte würden samt Inhalt von der Stadt entsorgt, klagt ein Demo-Teilnehmer: "Da können Sie von Glück reden, wenn Sie nicht noch mit drin liegen", schildert er die Situation. Verbände und Betroffene fürchten, dass sich die Situation weiter verschärfen könnte.
In der Dortmunder Innenstadt halten sich täglich Dutzende Obdachlose und Drogenabhängige auf. Viele Bürger sind es leid, dass sie beim Stadtbummel alle paar Minuten angeschnorrt werden. Die Situation in der Innenstadt war das Hauptwahlkampfthema bei den Kommunalwahlen im September. Der neue Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) hat die Wahlen auch mit der Forderung gewonnen, dass er wieder für mehr Ordnung und Sicherheit in der City sorgen will.
Verbände befürchten Vertreibung von Wohnungslosen
Kalouti tritt am 1. November sein Amt an. Die Verbände befürchten, dass er dann in der Innenstadt "aufräumen" könnte. Bastian Pütter vom Bodo-Magazin bestreitet nicht, dass es Probleme in der Dortmunder Fußgängerzone gibt. Von Bettelverboten und Vertreibungen in der City hält er aber nichts. "Das wird nur dazu führen, dass die Obdachlosen in die Vororte ausweichen und dort betteln."
Die Schätzungen der Zahl der Obdachlosen in Dortmund geht weit auseinander. Von 500 bis 2.000 ist die Rede. Die Situation hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. Der Rat hat zwar ein sogenanntes "Housing First"-Programm beschlossen. Obdachlosen sollen also Wohnungen zugewiesen werden. Nur: Wo keine Wohnung zur Verfügung steht, kann auch keine zugewiesen werden. Die Leerstandsquote liegt in Dortmund bei mageren 1,6 Prozent. Das bedeutet faktisch wegen Umzügen: Es gibt keine freien Wohnungen in Dortmund
Unsere Quellen:
- Demo Obdachlose
- Wohnungsmarktbericht der Stadt Dortmund
- Reporter vor Ort