"Die Menschen haben hier gelitten" - Ausgrabung in Dortmund
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 23.07.2028.
Ihre Arbeit ist anstrengend. Staub und Hitze sind für Archäologie-Studentin Rebecca Mehmen und ihre Kollegen ständige Begleiter. Archäologen legen viele persönliche Funde frei, die aus Sicht von Historikern sehr bedeutsam sind: Überreste eines der größten Strafgefangenenlager der Region im Zweiten Weltkrieg.
"Heute habe ich ein Schmuckarmband gefunden, das noch sehr gut erhalten ist", erzählt Rebecca, während sie den staubigen Boden abbürstet. "Das ist natürlich sehr besonders. Ich frage mich dann, wem das wohl gehörte und welche Geschichte es hat."
Archäologie-Studentin Rebecca Mehlen zeigt ein Armband, das sie bei den Ausgrabungen gefunden hat.
Die Grabungsstätte liegt zwischen dem Dortmunder BVB-Stadion und den Westfalenhallen. Bagger und Baumaschninen arbeiten rechts und links, dazwischen legt das Grabungsteam täglich auf abgesperrten Bereichen akkribisch neue Funde frei.
Unzählige Funde geben Aufschluss über Verbrechen der Nazis
Gefunden haben sie zahlreiche Mauerreste der damaligen Baracken, in denen die Kriegsgefangenen der Nazis untergebracht waren. Aber auch viele persönliche Gegenstände, wie Schuhe oder Besteck.
Ausgrabungen auf der Großbaustelle an den Dortmunder Westfalenhallen.
Für den Dortmunder Stadtarchäologen Ingmar Luther sind diese Funde historisch von großer Bedeutung: "Wir erfahren viel über das Leben der Kriegsgefangenen in diesen Lagern der Nationalsozialisten", so Luther. "Die persönlichen Schicksale, wie die Menschen hier geschuftet, gelitten haben und gestorben sind."
Ausgrabungen sollen zur Gedenkstätte in Dortmund werden
Denn die Archäologen recherchieren parallel in unzähligen Archiven zu den Funden, die sie freilegen. Stadtarchäologe Luther ist froh, dass es inzwischen eine Einigung der Politik darüber gibt, dass die Funde an anderer Stelle ein Denkmal werden sollen. "Wir bekommen die Zeit, alles freizulegen. Jeder Stein und jeder Fund bekommt eine Nummer", so der Archäologe. Daraus soll die Gedenkstätte entstehen.
Bauarbeiten für Ausbau der Westfalenhallen laufen weiter
Nachdem die Dortmunder Politik intensiv um eine Möglichkeit gerungen hat, die Ausgrabungen zu erhalten, ist auch der Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti froh über den gefundenen Kompromiss.
"Diese Ausgrabungen sind von sehr großer Bedeutung. Sie zeigen auch wie Dortmund in die Geschichte der Nazis involviert war." Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti
Das sei eine Geschichte, der die Stadt sich stellen müsse und werde. Und das sehr verantwortungsvoll, so der Oberbürgermeister.
Dortmunds Bürgermeister ist für eine Gedenkstätte an einer anderen Stelle.
Wo genau die Gedenkstätte entstehen soll, ist noch offen. Bis zum Herbst werden die Archäologen auf dem Gelände weiter Funde freilegen. Die Arbeiten für den Ausbau der Westfalenhallen werden parallel weiter laufen.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräch mit Dortmunder Stadtarchäologe Ingmar Luther
- Gespräch mit Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti
- Gespräch mit Archäologie-Studentin Rebecca Mehmen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund 23.7.2026, 19:30 Uhr
