Nach Kindheitstrauma: Erzieherin will Kindern Ängste nehmen
WDR. 03:20 Min.. Verfügbar bis 21.07.2028.
Es ist ein sonniger Mittwoch, kurz nach 9 Uhr morgens. In der evangelischen Kita Emscherwichtel in Dortmund ist Zeit für den Morgenkreis. "Ja, du kannst es allen zeigen, darfst Gefühle nicht verschweigen. Wenn du fröhlich bist, dann klatsche in die Hand", singt Kita-Leiterin Petra Kern. Um sie herum klatscht ein gutes Dutzend Kinder eifrig in die Hände.
Große Angst während Klinikaufenthalt
Dass das hier ihr Traumberuf ist, weiß die heute 61-Jährige schon als kleines Kind. Doch das hat einen traurigen Hintergrund. Mit vier Jahren erkrankt Petra Kern an rheumatischem Fieber. Sie muss mehrere Wochen in einer Kinderklinik verbringen. Ihre Eltern darf sie nur ab und an durch ein Fenster sehen.
"Der raue Ton des Pflegepersonals hat mir sehr viel Angst gemacht damals", erinnert sie sich. "Es gab oft gar keine Kommunikation. Es gab eher so eine militaristische Anweisung. Ich hab mich dann viel unter der Bettdecke versteckt." Doch bei diesem rauen Ton bleibt es nicht.
"Der Junge, der neben mir lag, war ein bisschen aufmüpfig und der hat tatsächlich auch schon mal die Hand zu spüren gekriegt." Petra Kern, Erzieherin
Für Petra Kern steht schon als Kleinkind fest: Das kann nicht richtig sein. Sie fasst einen Entschluss. Als Erwachsene möchte sie Kindern ihre Ängste nehmen. Kinderkrankenschwester möchte sie selbst nicht werden - wegen der Nachtschichten. Also doch lieber: Erzieherin. Schon als Kind ist Petra Kern in der Kirchengemeinde aktiv. Auch ihr beruflicher Weg führt sie demtentsprechend schnell in die Kita Emscherwichtel im Kirchenkreis Dortmund.
Egal in welcher Stimmung: Petra Kern ist für ihre Schützlinge da.
Alles für die Kinder
Und ihre Arbeit scheint von Erfolg gekrönt. Ein Kind hat sich hier in der Kita sogar so wohlgefühlt, dass es heute als Erzieherin zurück ist: Jenny Vierhaus kennt und schätzt Petra Kern schon fast ihr ganzes Leben. "Sie ist immer ganz nah am Kind und nicht so von oben herab", erzählt die heute 36-Jährige. "Eigentlich, wenn sie was macht, alles immer für die Kinder."
Wie viel Vertrauen die Kinder zu Petra Kern haben, zeigt sich auch später beim Spielen auf dem Außenglände. Sie greifen nach ihren Händen, die Erzieherin hilft ihnen auf die Spielgeräte. Als ein kleiner Junge weinend zu ihr kommt, nimmt sie ihn auf den Arm - und kann ihn schnell beruhigen.
Erzieherin Jenny Vierhaus und Kerstin Hübner von Dortmund Musik schätzen Petra Kern für ihre offene Art.
Wie gut die 61-Jährige ankommt, weiß auch Kerstin Hübner. Sie kommt für die musikalische Früherziehung in die Kita und kennt die Leiterin schon seit vielen Jahren. "Sie erkennt sofort, was Kinder brauchen", sagt sie. "Und die Kinder lieben sie einfach."
Traumberuf bleibt bis heute
Gespräche mit Familie, Freunden und auch ihrem Gemeindepfarrer haben Petra Kern über die Jahre geholfen, ihre schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten. Doch sie prägen sie bis heute. "Wenn ich in große Räume gehe oder Krankenhäuser betrete, ist es immer noch so: tief durchatmen", erzählt sie. "Ganz geht das nie vorbei, das, was ich erleben musste."
Doch dass sie aus diesen Erfahrungen ihren Traumjob gemacht hat, bereut sie bis heute nicht. Auch, wenn insbesondere als Leitung viel Bürokratie in ihren Aufgabenbereich fällt. "Dass ich wirklich gedacht habe: Nee, das ist nicht mein Beruf - das gab es nicht. Nein, das gab es nicht."
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Petra Kern und ihren Kolleginnen
- WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Nach Kindheitstrauma: Erzieherin will Kindern Ängste nehmen, 21.07.2026, 9:17 Uhr
