Wer zum Beispiel in Ostwestfalen-Lippe aus dem Fenster schaut, sieht sie öfter als anderswo: 1.076 Windenergieanlagen stehen im Regierungsbezirk Detmold. Gut ein Viertel aller Windräder in NRW dreht sich damit in einer Region, die nur rund ein Fünftel der Landesfläche ausmacht.
Und es sollen mehr werden, vor allem in den Kreisen Höxter und Paderborn.
Mehrheit ist mit Windkraft einverstanden
Ausgerechnet dort dürfte der Ausbau auf die geringsten Widerstände treffen. Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: Wo bereits Anlagen stehen, sind zwei Drittel der Menschen mit weiteren einverstanden. Wo noch keine stehen, ist es nur gut die Hälfte. Die Annahme, dass Windräder Ablehnung erzeugen, bestätigt sich nicht.
Windkraftanlagen sorgen immer wieder für Diskussionen.
Bildquelle: WDRDas Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit am GFZ in Potsdam. Befragt wurden im März und April 2026 insgesamt 6.566 Menschen.
Kurios ist ein zweiter Befund: Im Westen Deutschlands sind sechs von zehn Menschen mit Windrädern im Wohnumfeld einverstanden. Sie selbst schätzen aber, dass es nur drei von zehn sind. Viele Befürworter halten sich also für eine Minderheit und schweigen entsprechend.
Bundesweit bröckelt der Rückhalt
So weit die guten Nachrichten aus Sicht von Klimaschützern. Insgesamt sinkt die Zustimmung zur Energiewende seit Jahren. Vor fünf Jahren standen noch fast sieben von zehn dahinter, inzwischen sind es nur noch sechs von zehn. Sorgen wegen des Klimawandels äußern nach wie vor vier von fünf Menschen.
Die Sorge gilt dem eigenen Konto
Der Bremsklotz ist das Geld. Gut die Hälfte fürchtet, dass die Klimapolitik die eigene finanzielle Lage in den nächsten fünf Jahren verschlechtert. Vier von fünf halten den Umstieg auf klimafreundliche Technik ohne staatliche Hilfe für nicht machbar.
Das zeigt sich im Heizungskeller und an der Fassade: Wer eine Wärmepumpe oder eine energetische Sanierung ausschließt, nennt an erster Stelle die Kosten. Und jeder Vierte sieht für sich überhaupt keine Möglichkeit, künftig umweltfreundlicher unterwegs zu sein.
"Die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen hängt auch davon ab, dass die Bürger sie als praktisch umsetzbar, wirtschaftlich sinnvoll und gerecht wahrnehmen. Daher brauchen wir eine Klimapolitik, die bezahlbare Alternativen, verlässliche Infrastruktur und Versorgungssicherheit bietet, gezielt fördert sowie die Lasten fair verteilt." Anne Meisiek, Studienautorin der Bertelsmann Stiftung
Mehr Klimaschutz, aber bezahlt vom Staat
Von einer Abkehr von der Klimawende kann trotzdem keine Rede sein. Eine Mehrheit findet, der Staat solle mehr Geld für Klimaschutz ausgeben als bisher, und verlangt weitere Maßnahmen in der Energie-, Verkehrs- und Wärmewende. Ein Entweder-oder zwischen Wirtschaft und Klima sehen die wenigsten. Für gut die Hälfte sind beides gleichrangige Ziele.
Zweifel an der Politik
Schlecht fällt das Urteil über die Umsetzung aus. Eine Mehrheit findet die Energiewende-Politik unverständlich; noch mehr halten sie für bürgerfern. Und mehr als die Hälfte vertraut nicht darauf, dass die Bundesregierung im Interesse der Allgemeinheit handelt. Beim 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität fühlen sich fast alle Befragten schlecht informiert.
An der Richtung zweifeln die meisten dennoch nicht. Drei von vier wollen mehr erneuerbare Energien im Strom. Und eine deutliche Mehrheit sagt: Jetzt investieren, um später Kosten zu sparen.
Unsere Quellen:
- Soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation: Jahresbericht 2026, Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Gütersloh, August 2026
- Pressemitteilung Bertelsmann Stiftung vom 13.08.2026
- Bezirksregierung Detmold
- Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK)
Sendung: WDR.de, Klimaschutz Studie der Bertelsmann Stiftung, 13.08.2026, 05:00 Uhr
