Wenn sich ein Schulhof in der Sonne aufheizt, bleibt Kindern oft nur der Schatten an der Hauswand. Bäume, Sonnensegel oder ein Trinkbrunnen fehlen vielerorts. Genau dort setzt die NRW-Landesregierung mit zwei neuen Programmen an: Je 1.000 Schul- und Kitahöfe sollen entsiegelt, begrünt und besser verschattet werden. Das kündigte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) am Freitag an.
Pro Schule oder Kita sind bis zu 50.000 Euro vorgesehen. Damit können etwa Bäume, Trinkwasserangebote und naturnahe Aufenthaltsbereiche finanziert werden, aber auch Hitzeschutz am oder im Gebäude. Die Einzelheiten der Programme sollen über den Sommer ausgearbeitet werden.
Investitionen in Gebäude, Verkehr und Industrie
Die sogenannten "Coolen Schulhöfe" und "Coolen Kitas" sind Teil einer "Zukunftsoffensive", die laut Landesregierung mit rund zwei Milliarden Euro für Klimaschutz und Klimaanpassung hinterlegt ist. Wirtschaftsministerin Neubaur bezeichnete sie als größtes Klimainvestitionspaket in der Geschichte des Landes.
Die Verkündung kommt nach einem Rekordmonat: Der Juni 2026 war nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus der heißeste bislang gemessene Juni in Westeuropa. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) starben bis zum 28. Juni rund 1.230 Menschen in NRW hitzebedingt, bundesweit rund 5.100.
Der größte Teil des von Neubaur genannten Geldes fließt in Gebäude. Eine Milliarde Euro ist für die Sanierung von Landesimmobilien vorgesehen: 400 Millionen Euro kommen aus dem bereits beschlossenen NRW-Plan, weitere 600 Millionen Euro will der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) in den kommenden fünf Jahren investieren. Hinzu kommen 380 Millionen Euro für Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Auch diese Entscheidungen sind bereits getroffen.
"Die Erderwärmung findet statt und zwar mitten in NRW." NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne)
Nicht die gesamten zwei Milliarden sind neu
Bei der Zwei-Milliarden-Summe handelt es sich nicht vollständig um neue Investitionen. Von insgesamt 13 Vorhaben seien acht neu, zwei laufende Förderprogramme würden aufgestockt und drei bereits beschlossene Maßnahmen mitgerechnet, erklärte Neubaur. Rund eine Milliarde Euro entfalle auf neue Vorhaben. Darin steckten laut Neubaur Landes- und Bundesmittel. Eine genaue Aufteilung nannte sie nicht.
Für kommunale Gebäude im Rheinischen Revier stehen bis zu 400 Millionen Euro bereit. Ein entsprechendes Programm für Rathäuser, Kitas, Sporthallen oder Pflegeheime wurde wegen der großen Nachfrage um 200 Millionen Euro aufgestockt.
Neu ist unter anderem ein Zuschuss zum Deutschlandticket für Landesbeschäftigte. Das Land will 25 Prozent des Ticketpreises übernehmen und dafür bis zu 24 Millionen Euro bereitstellen. Bis 2030 soll die Polizei zudem 1.000 Fahrzeuge schrittweise auf Elektroantrieb umstellen und die Ladeinfrastruktur ausbauen.
Niedrigwasser verteuert Transporte
Niedrigwasser bei Köln
Auch das Niedrigwasser am Rhein belastet nach Neubaurs Angaben die Wirtschaft. Schiffe könnten weniger laden, Transporte würden teurer. Das Land setzt deshalb auf zusätzliche Gleisanschlüsse und die Entwicklung von Schiffen, die auch bei niedrigen Pegeln mehr transportieren können.
Eine pauschale Vertiefung des Rheins lehnt Neubaur ab. Eingriffe müssten im Einzelfall gegen mögliche Schäden am Lebensraum Rhein abgewogen werden.
"Wenn Sie von mir hören wollen, ob ich dafür bin, dass wir einfach einmal mit dem Bagger durchfahren: Da bin ich dagegen." NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne)
SPD kritisiert Maßnahmen als "heiße Luft"
Die SPD wirft Neubaur vor, Bundesmittel und längst beschlossene Sanierungen als eigene Zukunftsoffensive zu verkaufen, obwohl ein großer Teil lediglich überfällige Investitionen in Landesgebäude nachhole. SPD-Fraktionschef Jochen Ott bemängelt etwa fehlende Zeitpläne, Förderkriterien und dauerhaft gesicherte Landesmittel. Er fordert einen verbindlichen, zentral koordinierten Plan zur Klimaanpassung. "Solange klare Zeitpläne, Zuständigkeiten und eine verlässliche Finanzierung fehlen, bleiben die angekündigten Maßnahmen heiße Luft", so Ott.
FDP: "Völlig falsche Richtung"
Die FDP kritisiert, die Landesregierung würde mit der Zukunftsoffensive teure Subventionen und zusätzliche Vorgaben finanzieren, ohne Wachstum zu schaffen. Stattdessen fordert Fraktionschef Henning Höne Entlastungen für die Wirtschaft, eine niedrigere Grunderwerbsteuer und mehr Geld für Bildung sowie weniger staatliche Detailsteuerung beim Klimaschutz. "Diese vermeintliche Zukunftsoffensive bringt nicht nur keinerlei Wachstumsimpulse, sie geht in die völlig falsche Richtung."
Unsere Quellen:
- Pressekonfernz mit Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) in Düsseldorf
- Mitteilung der FDP-Fraktion
- Mitteilung der SPD-Fraktion
Sendung: WDR.de, Mehr Geld für Klimaschutz, 24.07.2026, 13:25 Uhr
