Todesursache am Rande von Messerangriff geklärt
WDR. 02:34 Min.. Verfügbar bis 06.07.2028.
Der Vorwurf gegen den 46-Jährigen aus Marl: versuchter Totschlag. Das bestätigte ein Polizeisprecher. Der Mann soll bei einem Streit in der Nacht auf Sonntag ein Messer gezogen und auf mehrere Männer eingestochen haben.
Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Sanitäter in der Nacht einen offensichtlich verletzten Mann, der lautstark etwas ruft, auf einer rollbaren Trage zum Rettungswagen bringen. Gleich mehrere Polizeiwagen und Rettungswagen sind auf der nächtlichen Straße in Essen zu sehen. Es soll das Ende einer großen Party gewesen sein.
Streit am Rande einer Party
Was war passiert? Laut Informationen der Staatsanwaltschaft Essen soll es am frühen Morgen gegen 2:10 Uhr am Rande einer Party zu dem Streit in der Girardetstraße gekommen sein. Mehrere Personen seien im Außenbereich der Eventlocation im Essener Stadtteil Rüttenscheid aneinandergeraten. Drei Männer im Alter von 40, 42 und 48 Jahren erlitten dabei schwere Stichverletzungen. Zunächst war von einer Massenschlägerei berichtet worden.
Ein Verletzter wird auf einer Liege abtransportiert
Bei der Party handelte es sich nach WDR-Informationen um eine Estarabim-Party - eine Partyreihe mit türkischer Popmusik aus den 70er Jahren. Sie findet regelmäßig in den Katakomben in Essen statt.
Theaterbetreiber beendet Zusammenarbeit mit Partyveranstalter
Der Betreiber des Katakomben-Theaters, Kazim Çalışgan, zeigt sich bestürzt über die Ereignisse. Zum Zeitpunkt des Vorfalls war er nach eigenen Angaben nicht vor Ort, sondern wurde von seinen Mitarbeitenden informiert.
Sein Haus stehe seit mehr als 22 Jahren für Humanismus, kulturellen Dialog und ein friedliches Miteinander, betont er. "Kunst und Kultur sind eigentlich ein Gegengift gegen Gewalt. Diese Tat macht mich traurig." Die Zusammenarbeit mit dem externen Veranstalter der Reihe hat Çalışgan nach dem Vorfall beendet - sie soll künftig nicht mehr im Katakomben-Theater stattfinden.
Todesursache wohl Herzinfarkt
Nach aktuellen Erkenntnissen verlor ein 56-jähriger Mann, der nicht Teil der ursprünglichen Auseinandersetzung gewesen war, am Einsatzort das Bewusstsein. Er war vor Ort, um Gespräche über zukünftige Sicherheits-Konzepte auf der Party zu führen und damit nicht aktiv im Sicherheitsdienst an diesem Tag.
Noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes leiteten Polizisten zusammen mit Zeugen sofortige Reanimationsmaßnahmen ein. Trotz der schnellen Hilfe verstarb der Kölner noch in der Nacht am Einsatzort. Die Obduktion des Mannes hat ergeben, dass er wohl an einem Herzinfarkt starb.
Verdächtiger sitzt in Untersuchungshaft
Ein 46-jähriger Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit aus Marl wurde vor Ort als Tatverdächtiger identifiziert und vorläufig festgenommen. Auch er wurde bei der Auseinandersetzung verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Inzwischen sitzt der 46-Jährige nach Angaben der Polizei in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft und eine Mordkommission des Polizeipräsidiums Essen haben die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat aufgenommen.
Am Montagmorgen wurde bekannt, dass im Zusammenhang mit der Tat ein zweiter 50 Jahre alter Tatverdächtiger festgenommen wurde.
Anwohner in Essen-Rüttenscheid sind geschockt
Anwohnerin Pega Pur ist geschockt.
"Ich war erschrocken, als ich das heute Morgen gesehen habe", sagt Anwohnerin Pega Pur. Das berichten auch viele andere Anwohner einer WDR-Reporterin am Sonntag vor Ort. "Das macht einen auch nachdenklich, [...] weil das ja öfter vorkommt", sagt Pur.
Essenerin Claudia trägt vorsichtshalber keinen teuren Schmuck mehr
Auch die 66-jährige Claudia aus Essen zeigt sich am Montagmittag betroffen. Angst habe sie aber nicht, sie fühle sich in Rüttenscheid weiterhin sicher. Allerdings ergreift sie kleine Maßnahmen, um sich vor möglichen Verbrechen zu schützen: "Ich trage eher keinen wertvollen Schmuck als Sicherheitsgedanken", sagt sie.
Heidi Krawczyk macht sich keine Sorgen über die Sicherheit in Rüttenscheid
Für die 79-jährige Heidi Krawczyk sind solche Vorfälle fast schon Normalität. "Das ist hier in Essen ja überall mal. Auch so im Norden vor allen Dingen und rund um den Hauptbahnhof herum", sagt sie. "Aber hier in Rüttenscheid ist es eher selten. Und sowas passiert halt. Da kann man nichts dran machen. Es ändert aber nichts an meiner Einstellung zur Sicherheit hier.“
Polizeigewerkschaft fordert schärfere Waffenkontrollen
In ganz NRW gibt es seit 2023 mehr Messerangriffe, verzeichnet das Bundesamt für Verfassungsschutz. "Das Problem ist, dass heutzutage immer mehr Menschen ein Messer bei sich tragen und wenn es dann zu einer Auseinandersetzung kommt, [...] wird es leider immer häufiger eingesetzt und das mit ganz schweren Folgen", erklärt Patrick Schlüter von der Gewerkschaft der Polizei in NRW. Sie fordert konsequente Kontrollen.
Essener Oberbürgermeister: "Gewalt hat in unserer Stadt keinen Platz"
Am Sonntagmittag äußerte sich auch der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen bei Facebook zu dem Vorfall. Es sei wichtig, genau hinzuschauen und gesicherte Informationen abzuwarten, schrieb er. Es dürften keine vorschnellen Schlüsse gezogen oder unbestätigte Meldungen weiterverbreitet werden.
Weiter schrieb er, unabhängig von den weiteren Ermittlungsergebnissen sei klar: "Gewalt hat in unserer Stadt keinen Platz". Wer andere verletzte, müsse mit den konsequenten Folgen des Rechtsstaats rechnen. Außerdem dankte er den Kräften von Polizei und Rettungsdienst für ihren Einsatz.
Zeugen gesucht
Die Kriminalpolizei sicherte noch in der Nacht Spuren am Tatort. Ein Messer, mit dem die drei Männer mutmaßlich verletzt wurden, wurde sichergestellt. Darüber hinaus werden Zeugen gesucht, die Angaben zu den Hintergründen der Auseinandersetzung machen können. Hinweise werden von der Polizei Essen entgegengenommen.
Großeinsatz der Polizei in Essen: Party eskaliert
Aktuelle Stunde . 05.07.2026. 43:22 Min.. UT. Verfügbar bis 05.07.2028. WDR. Von Claudia Weber.
Unsere Quellen
- Staatsanwaltschaft Essen
- Polizei Essen
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Interviews mit Anwohnerinnen
- Nachrichtenagentur dpa
- Blaulichtreporter ANC-News
- Patrick Schlüter, Gewerkschaft der Polizei
- Facebook-Post Thomas Kufen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 06.07.2026, 19:30 Uhr