Eine Schule der Zukunft für den Essener Norden

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WDR 3 Min. 20 Sek. Verfügbar bis 22.09.2028

Ankommen, wohlfühlen, durchstarten Neue Schule für Essener Brennpunkt

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Die neue Essener Gesamtschule im Park will ein Wohlfühlort sein und auch sozial benachteiligte Kinder fit für die Zukunft machen.

Von Solveig Bader

Es ist 7:45 Uhr. In einer halben Stunde fängt die Lernzeit an. Doch die meisten Kinder sind schon da. Einige spielen Fußball auf dem Schulhof, andere sitzen im Foyer auf gemütlichen Sitzsäcken und frühstücken. "Ich komme schon so früh, weil ich dann noch mit meinen Freunden reden kann", sagt Gabriela aus der Klasse 5a.

Flexibler Start: Schule beginnt schon vor dem Unterricht

"Wir haben festgestellt, dass die Schüler Zeit brauchen, um anzukommen", sagt die stellvertretende Schulleiterin Ann-Katrin Reineke. "Wenn sie morgens aufstehen und mit der Bahn oder dem Fahrrad hierhin kommen, brauchen sie einen Moment, um zur Ruhe zu kommen oder Energie loszuwerden". Danach könnten sie sich besser auf das konzentrieren, was dann folgt.

Schule als Wohlfühlort - Grundvoraussetzung fürs Lernen

Die neue städtische "Gesamtschule im Park" ist vor drei Wochen frisch an den Start gegangen, mit 116 Fünftklässlern in vier Klassen und zwölf Lehrkräften. Jedes Jahr kommt ein neuer Jahrgang dazu. Vorübergehend ist die Schule in Räumen untergebracht, die früher Teil des Berufsförderungszentrums waren. In zwei Jahren zieht sie in einen Neubau um. Viele Kinder kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen, doch das soll hier keine Rolle für den Bildungserfolg spielen - denn oberstes Ziel ist: Gleiche Chancen für alle, jeder soll hier seinen Schulabschluss machen.

Schüler sitzen an Tischen im Klassenraum

Ein Klassenraum zum Wohlfühlen

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Alte Strukturen aufbrechen und neue Konzepte ausprobieren

Die Pädagogen an der neuen Schule wollen vieles anders machen: Von Anfang an wird dafür gesorgt, dass die Kinder untereinander und den Lehrkräften gegenüber eine Bindung aufbauen. "Wir wollen nah am Kind sein", meint die stellvertretende Schulleiterin Ann-Katrin Reineke. Deshalb sind alle zwei Wochen individuelle Coaching-Gespräche geplant, in denen sich Lehrkräfte und Schüler austauschen. Dabei geht es um Fragen, wie man sich und das Lernen selbst organisiert, welche Ziele man hat, wie man mit Konflikten in der Pause umgeht oder wie es auch privat gerade läuft.

Jeder Schultag startet mit einem Morgenkreis, in dem sich die Kinder spielerisch kennenlernen und über das sprechen, was sie bewegt und was an dem Tag ansteht. Die Klasse 5a ist aufgeregt, denn sie hat zum ersten Mal Schwimmunterricht. "Ich freue mich sehr darauf", sagt Aaliyah, die das letzte Mal in der dritten Klasse schwimmen war.

Lehrerin Tanja Thurau zeigt Schulmaterialien

Tanja Thurau ist Klassenlehrerin in der 5a

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Klassischen Unterricht im 45-Minuten-Takt gibt es hier nicht. Fächer wie Deutsch, Englisch oder Mathe finden in "Lernzeiten" von 90 Minuten statt, Inhalte orientieren sich an konkreten Projekten. Damit die Kinder aufmerksam bleiben, gibt es regelmäßig Bewegungspausen. Dafür hat sich das Schulteam fortbilden lassen. Außerdem können sich die Schüler verschiedene Lernzonen aussuchen, am Tisch oder auf Sofas, die sich mit flexiblen Modulen umbauen lassen. Auch sogenannte "Vokabel-Spaziergänge" draußen auf dem Schulhof sind möglich.

Die beiden Schulleiterinnen stehen vor dem Schulgebäude

Schulleitungsteam Ina Kanka (links) und Ann-Katrin Reineke

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"Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Kinder. Wenn sie alle 45 Minuten die Fächer wechseln und leise auf ihrem Stuhl sitzen müssen, kommen sie nicht gerne". Ina Kanka, künftige Schulleiterin der Gesamtschule im Park

Grundvoraussetzung dafür, dass Kinder gut lernen können, sei, dass sie gerne kommen. Ohne Lust und Wohlfühlen gehe es nicht. Schon das Obst auf den Tellern im Foyer und die nagelneuen Möbel in den Klassenräumen sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.

Aber auch das selbständige Lernen wird von Anfang an geübt. Es gibt Wochenpläne, die die Kinder abarbeiten. Die Unterrichtsmaterialien hat das Schulteam selber entwickelt. Die Kinder können selber entscheiden, wann sie welche Aufgaben machen. Auch sollen sie künftig in der Lage sein, selber zu bestimmen, wann sie fit für eine Klassenarbeit sind und sie schreiben wollen.

Fünftklässlerin Pia liest vor der Klasse

Fünftklässlerin Pia stellt sich der Challenge "Blitzlesen"

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Bei der Klasse 5 a steht gerade "Blitzlesen" auf dem Stundenplan. 100 Wörter fehlerfrei und flüssig in einer Minute lesen. Eine Challenge, die "leider einige Kinder nach der Grundschule noch nicht können", sagt die Klassenlehrerin Tanja Thurau. "Wir wollen sie bis zu den Herbstferien alle auf den Stand bringen". Deshalb hat sie mindestens zweieinhalb Stunden Lesezeit in der Woche eingeplant.

Kinder fühlen sich gut angekommen

Noch sind die Fünftklässler in der sogenannten "Kompass-Phase", sie lernen sich kennen. "Hier sind alle Kinder und Lehrer sehr freundlich, gehen respektvoll miteinander um", sagt Pia. Auch ihr Klassenkamerad Salahdin findet seine neue Schule "richtig gut" und auch seine Klassenlehrerin, "die Streitigkeiten sehr nett klärt und nicht direkt schreit".

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der Reporterin vor Ort
  • Gespräche mit Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften der Gesamtschule im Park

Sendung: WDR.de, Eine Schule der Zukunft für den Essener Norden, 23.09.2026, 5:01 Uhr

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