Suchthilfe Essen soll ausgebaut werden

WDR 02:11 Min. Verfügbar bis 08.07.2028

Drogenkonsum in Essen Warum ein Ausbau der Suchthilfe vielen nicht reicht

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In Essen will die Stadt die Hilfe für Drogenabhängige erweitern. Der Rat tagt dazu. Anlieger kritisieren die aktuelle Situation.

Man müsste schon sehr bewusst wegsehen, um nicht zumindest am Rande auf das Thema aufmerksam zu werden, wenn man in der Essener Innenstadt unterwegs ist. Vom Drogenkonsum ist die Rede. Auf Grünflächen, in Parkhäusern, in Unterführungen - an vielen Orten sind Menschen dabei zu beobachten. Für die Stadt ist klar: Es muss hier mehr getan werden.

Anlaufstelle in Essen mit Konsumraum

In der Innenstadt kümmert sich vor allem die Suchthilfe an der Hoffnungstraße um die betroffenen Menschen: eine zentrale Anlaufstelle ganz in der Nähe von Hauptbahnhof und Fußgängerzone - mit Beratungsangebot, vor allem aber auch mit einem eigenen Drogen-Konsumraum.

Dieser wird von den Abhängigen auch angenommen. Mehr noch: Täglich ist zu beobachten, dass Menschen sich rund um das Gebäude der Suchthilfe aufhalten und viele von ihnen darauf warten, dass ein Platz im Drogen-Konsumraum für sie frei wird.

Suchthilfe soll ausgebaut werden

Hier sieht sich nun die Stadt Essen in der Pflicht. Sie will den Bereich um das Haus und insbesondere den Parkplatz dort umgestalten und vor Ort für bessere Aufenthaltsmöglichkeiten sorgen. Als Beispiel werden in einer Beschlussvorlage für die Ratssitzung am Mittwochnachmittag genannt: vandalismussichere Bänke, ein Sonnensegel oder auch mehr Sichtschutz hin zur Straße.

Gebäude der Drogensuchthilfe in Essen, davor stehen einige Menschen unter einem Baum und vor einer Treppe

Anlaufstation in der City: Die Drogensuchthilfe in Essen

Die Kosten für diese Maßnahmen beziffert die Stadt mit rund 80.000 Euro. Gut investiert in den Augen der Politiker, da sie sich erhofft, dass durch die verbesserte Qualität in Zukunft mehr Betroffene diese Fläche aufsuchen und dafür weniger in Hauseingängen oder bestimmten Ecken der Innenstadt anzutreffen sind.

Drogensituation in Essener City: "Fast wie Frankfurt schon"

Dass Handlungsbedarf besteht, bestätigen viele Stimmen in der Essener City. Ein Mitarbeiter eines Sportwetten-Geschäfts in der nördlichen Innenstadt erzählt: "Tagsüber laufen nur Junkies hier rum. Dreißig bis vierzig versammeln sich hier und rauchen Crack."

"In der unteren Innenstadt ist das eine totale Katastrophe. Wenn du mit deinem Kind hier runterläufst, willst du nicht, dass da zwanzig Junkies an der Ecke sind und sich die ganze Zeit Crack geben. Das ist eine Szene fast wie Frankfurt schon." Mitarbeiter eines Sportwetten-Geschäfts in der Essener City

Ordnungsamt und Polizei seien öfter vor Ort, die Menschen kämen aber immer schnell wieder, so der Essener weiter.

Drogen wie Crack hätten Szene verändert

In einem Schreiben kritisiert zudem die lokale Interessensgemeinschaft Immobilien- und Standortgemeinschaft ISG Essen City.NORD: "Straße, Plätze, Einfahrten und Hauseingänge verkommen zu Müllhalden und öffentlichen Toiletten. Bewohner wollen ihre Wohnungen aufgeben, die Vermietung von Gewerbeflächen wird erschwert (in einem Fall nachweislich verhindert), Gäste, im Besonderen Frauen und Kinder werden aktiv belästigt oder unerträglichen Ansichten ausgesetzt."

Auf die Suchthilfe in der Hoffnungstraße und den Drogen-Konsumraum blickt die ISG kritisch, denn den Raum würden immer weniger Süchtige nach ihrer Wahrnehmung überhaupt noch nutzen. Das liege an der Entfernung der Suchthilfe zur nördlichen City und am verstärkten Konsum der Droge Crack. Süchtige würden die Droge in der Regel schnell und sofort konsumieren - und würden sich daher den Weg zur Suchthilfe sparen.

Symbolbild: Hände halten eine Crackpfeife (Cracksüchtige in Frankfurt, 2024).

Der Konsum der Droge Crack soll auch in Essen zugenommen haben

Forderungen nach mehr Kontrolle und Streetwork

Die Interessensgemeinschaft fordert daher mehr ortsnahe Angebote und Hilfestellen für die betroffenen Gruppen in der gesamten Innenstadt.

In eine ähnliche Richtung gehen auch die Fraktionen von CDU und SPD im Essener Rat. Sie stellen in der Ratssitzung einen Antrag, der zusätzlich zum Ausbau der Suchthilfe-Station ein "abgestimmtes Präsenz- und Eingreifungskonzept" für die City. Dabei würde es nicht nur um mehr ordnungsrechtliche Maßnahmen gegenüber den Betroffenen gehen, sondern auch um mehr Streetwork, Therapiemöglichkeiten oder auch Wohnungsvermittlung.

Essener Suchthilfe soll ausgebaut werden

WDR 08.07.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 07.07.2028

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Unsere Quellen:

  • Ratsvorlage der Stadt Essen für die Ratssitzung am 08.07.2026
  • Antrag von CDU und SPD für selbige Sitzung
  • Immobilien- und Standortgemeinschaft ISG Essen City.NORD
  • WDR-Reporter vor Ort

Sendung: WDR 2 Rhein Ruhr, Lokalzeit, 08.07.2026, 16.31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 08.07.2026, 19:30 Uhr

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