Am Ende sind es deutlich mehr geworden als erwartet: 22.222 Unterschriften hat die Initiative "Radentscheid Essen" gesammelt. In fünf großen Kisten stapeln sich Ordner über Ordner, die für die Initiative ein Fünkchen Hoffnung bedeutet. Hoffnung auf bessere Radwege.
Die Schnapszahl soll den Organisatoren des Radentscheid Essen Glück bringen
Sechs Wochen Zeit
Gut gelaunt sammeln sich die Organisatoren am frühen Nachmittag auf dem Kopstadtplatz in der Essener City. Mit dabei ihre markanten Lastenfahrräder, mit denen sie in den vergangenen sechs Wochen in den Fußgängerzonen in Essen unterwegs waren und Passanten angesprochen haben. Für viele ein Zeichen der Wende.
"Wir sind enorm dankbar für so viele Unterschriften", sagt Roman Ebener, einer der Sprecher der Initiative. "Das ist ein Zeichen für bessere Radwege in unserer Stadt", fügt er hinzu.
Unterschriften in Rekordzeit
Dabei hätten knapp 13.000 Unterschriften gereicht, damit sich die Stadt Essen mit dem Thema beschäftigen muss. Jetzt sind es 22.222 geworden. Mit dem Lastenrad haben die Mitstreiter sie zum Wahlamt gefahren und an die Verantwortlichen der Stadt übergeben.
Die Mitarbeiterinnen im Wahlamt dokumentieren jede Unterschrift
Und die Mitarbeiterinnen im Wahlamt haben auch sofort losgelegt. Ordner für Ordner haben sie durchforstet und jedes einzelne Blatt mit einer Unterschrift gestempelt. Im Laufe der kommenden Woche soll ein Ergebnis auf dem Tisch liegen, ob die geforderte Zahl an gültigen Unterschriften erreicht wurde.
Radverkehr ausbaufähig
Unermüdlich im Einsatz: die Initiatoren von "Radentscheid Essen"
Das Ziel der Initiative: ein Bürgerentscheid, um die Rad-Infrastruktur zu verbessern. "Aktuell ist die Situation so, dass viele Menschen sagen, ich traue mich nicht, mit dem Rad in der Stadt zu fahren", sagt Roman Ebener. Eines der drängendsten Probleme seien Kreuzungen. "Zwischendurch ist der Radweg super. Doch plötzlich hört er an einer Kreuzung auf und man steht als Radfahrer da und weiß nicht, wie man weiterfahren soll", meint der Rad-Aktivist.
Entscheidung im Herbst
Die Stadtverwaltung hat nun bis September Zeit, ein endültiges Ergebnis zur Zulässigkeit des Begehrens zu prüfen und dann an die Politik zu leiten. Sollte die Stadt grünes Licht geben, muss sich der Stadtrat im September mit dem Bürgerentscheid befassen.
Erster Radentscheid aufgehoben
Inhatlich will der Radentscheid Essen erreichen, dass der Stadtrat seinen eigenen Beschluss von März 2026 wieder kippt. Damals hatte die Mehrheit von CDU und SPD neue "verkehrspolitische Leitlinien" beschlossen. Darin verankert ist die Leitlinie, dass der Autoverkehr keine weiteren Einschränkungen zugunsten von Radwegen in Kauf nehmen sollte.
Damit setzte sich der Stadtrat über einen ersten Radentscheid hinweg, der seit 2020 galt. Damals stellte sich der Stadtrat hinter die Forderungen der Initiative "Radentscheid Essen", die in diesem ersten Anlauf eine Verbesserung der Radinfrastruktur erreichen wollten.
Ärger an der Rü
Sorgte für viel Wirbel: die Fahrradstraße "Rü"
Seitdem baute die Stadt Essen tatsächlich zahlreiche Straßen zu Fahrradstraßen um und gab dem Fahrradverkehr Priorität. Doch dagegen gab es viele Proteste, allen voran an der Rüttenscheider Straße. Sie ist eine dicht besiedelte Einkaufsstraße, wo tag täglich Fahrrad- und Autofahrer aneinander gerieten. Und es gab Klagen von Einzelhändlern.
Die CDU-Fraktion betont zwar, dass die "verkehrspolitischen Leitlinien" eine konsequente Weiterentwicklung des Radentscheides sind, doch das sehen die Initiatoren des Radentscheides anders. Sie starten heute einen neuen Anlauf und hoffen, dass im September alle Essener aufgerufen sind, über den Radverkehr in Essen abzustimmen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Roman Ebener vom Radentscheid Essen
- Vorherige Berichterstattung im WDR
Sendung: WDR.de, 17.000 Unterschriften für Bürgerentscheid, 23.07.2026, 05:03 Uhr
Sendung: WDR.de, Radentscheid hat Unterschriften übergeben, 23.07.2026, 16:06 Uhr
