Sanierung der Kölner Bühnen: OB Burmester im Interview
Bildquelle: WDRWDR. 8 Min. 24 Sek.. Verfügbar bis 14.09.2028.
Die Sanierung der Kölner Bühnen wurde zu einem regelrechten Desaster. Die Kosten stiegen letztlich in den Milliardenbereich. Außerdem dauerte die Fertigstellung statt drei knapp 14 Jahre. Nun hat der amtierende Oberbürgermeister Thorsten Burmester (SPD) im Gespräch mit WDR-Moderatorin Julia Kleine Stellung bezogen.
Herr Burmester, ein Millionenprojekt, das zum Milliardenprojekt wurde und was das für Köln bedeutet, diese ganzen alten Bilder, was macht das mit Ihnen, wenn Sie die noch mal sehen?
Torsten Burmester: Das zeigt eine lange Geschichte, in der es um ein Projekt geht, das von den Kosten umstritten war. Das kann man nicht wegdiskutieren, aber das auch eine Aussicht bietet für einen Kulturstandort, für eine Oper, die eine Strahlkraft hat.
Sie haben gerade gesagt, man kann es nicht wegdiskutieren. Frau Reker nannte es ein Desaster für die Kölnerinnen und Kölner. Wie würden Sie es denn nennen, wenn Sie es durch Ihre Brille angucken?
Torsten Burmester: Es war eine planerische Fehlleistung, darüber müssen wir nicht diskutieren. Das ist auch mehrfach attestiert worden. Wir müssen die Lehren daraus ziehen. In Teilen haben wir sie jetzt schon gezogen für die aktuelle Wahlperiode und daraus müssen wir lernen. Aber auf der anderen Seite können wir auch stolz sein auf das, was jetzt kommt. Und ich merke, dass immer mehr Menschen neugierig sind auf diese Oper, auf das, was hinter diesem Bauzaun passiert. Und am Wochenende ist es so weit, die Oper wird eröffnet, mit einem großen Bürgerfest und das ist das, was wir wollen, eine Oper für alle.
Burmester: Umgang mit Steuergeldern inakzeptabel
Bevor wir aber nach vorne blicken, müssen wir noch mal ganz kurz auf die Zahlen gucken. 253 Millionen Euro waren eigentlich veranschlagt, 1,5 Milliarden Euro sind es geworden. Wer kommt dafür auf, die Kölnerinnen und Kölner?
Torsten Burmester: Das sind Gesamtkosten für den Bau, also für die Sanierung, aber auch für die Unterbringung im Depot rechtsrheinisch für die Interimsstandorte und das sind in der Tat Steuergelder, das können wir auch nicht wegdiskutieren. Hier gab es einen Umgang mit Steuergeldern, den wir so in der Zukunft nicht akzeptieren können.
Sie haben eben auch gesagt, es soll eine Oper für jede Frau, jeden Mann werden. Wie wollen Sie denn Alle in die Oper holen?
Torsten Burmester: Vielfältig. Also erstmal muss es eine Oper sein, beziehungsweise eine Bühne, ein Schauspiel sein, eine Kinderoper, ein kleines Haus, das für die Kölnerinnen und Kölner da ist und nicht nur für einen kleinen Abonnentenkreis, sondern die Oper und das Schauspiel muss sich öffnen für die Stadtgesellschaft.
Burmester ist vom Programm überzeugt
Wie wäre es zum Beispiel mit einem freien Kulturdonnerstag, wie es ja schon im Museum gang und gäbe ist?
Torsten Burmester: Über die Einzelheiten müssen wir noch sprechen. Wichtig ist, wir haben schon ein Element eingezogen, nämlich "Hier sitzt Köln" und da verlosen wir immer wieder Freikarten für die Eröffnungsperiode und deswegen ist es wichtig, dass wir Maßnahmen ergreifen im Gespräch mit den Intendanten, wie wir die Oper für die Kölnerinnen und Kölner öffnen können, auch als dritten Ort, da wo andere spielen können, die freie Szene, Festivals und das müssen wir schaffen.
Und Sie wollen natürlich auch die Bühnen prominent bespielen, trotz der roten Zahlen im Haushalt, wie wollen Sie da die Prominenten bekommen?
Torsten Burmester: Na, wir haben tolle Intendanten, die qualitativ tolles Programm bieten, das wird wunderbar. Wir öffnen mit Rosenkavalier und im Schauspiel finden beachtenswerte Inszenierungen und Premieren statt. Kay Voges ist ein anerkannter Intendant, um den uns viele Städte beneiden. Der Wiener Bürgermeister kommt zur Eröffnung. Voges war mal in Wien und ich habe sehr viel Anerkennung auch von Michael Ludwig für die Leistungen von Voges in Wien gehört. Also, Prominenz hat sich auf jeden Fall angekündigt. Jetzt sagt mancher es ist zu wenig, aber ich finde es ausreichend und genug und für dieses Ereignis. Der Weg ist ja erstmal das Ziel, das kann man glaube, ich so sagen.
Jetzt verliert ja Köln woanders, wo auch das Römisch-Germanische Museum zum Beispiel geschlossen ist. Glauben Sie daran, dass Köln irgendwann wieder so eine Art Kulturhauptstadt werden könnte?
Torsten Burmester: Also, wir sind kulturell stark und wir sind ein toller Kulturstandort. Viele Leute kommen nach Köln der Museen wegen. Aber in der Tat ist so: die Museen stehen zur Sanierung an und das wird eines der großen Themen sein, auch in den nächsten vier Jahren meiner Wahlperiode, das Thema anzugehen und das werden wir auch in den nächsten Monaten besprechen, denn dazu braucht es einen Plan, den haben wir noch nicht und den werden wir erarbeiten für die Zukunft.
Vielen Dank, Thorsten Burmester, für das Gespräch.
Unsere Quelle:
- Lokalzeit aus Köln: Studiogespräch mit Moderatorin Julia Kleine
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 14.09 2026.19:30 Uhr