Kölnerin will Transition zum Mann rückgängig machen
Bildquelle: WDRWDR. 03:19 Min.. Verfügbar bis 05.08.2028.
Offiziell heißt er noch William. Eine Namensänderung ist bereits auf dem Weg. Doch da der 35-Jährige als Frau geboren wurde und nun wieder den Weg zurückgehen möchte, nennen wir William auf Wunsch "Billie". Dies wird der neue Name sein. Aber von vorne.
Geboren wurde Billie als Julia. Bereits in der Kindheit war die 35-Jährige eher ein Julian, hatte männliche Hobbys und Freunde. "Schon im Alter von vier Jahren wollte man mir nicht glauben, dass ich ein Mädchen bin. Und ich wurde gezwungen, meine Weiblichkeit zu zeigen." Für Julia war ihre Weiblichkeit somit immer mit Scham behaftet. Sie musste sich ständig rechtfertigen, ein Mädchen zu sein.
"Ich wurde als Mädchen sogar aus Frauentoiletten herausgezogen." Billie Jules Wolf
Trans-Mensch
Diese Erfahrungen über Jahre hinweg haben die Kölnerin mit 20 Jahren zu einer Hormontherapie veranlasst. "Mein Gefühl sagte mir irgendwann: Ich bin ein Junge beziehungsweise ein Mann." Es folgten die Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke. Das jedoch eher aus der Not geboren. Denn trotz der Gabe männlicher Hormone bekam Julia noch ihre Regel. Inklusive starker Schmerzen. Von der OP erhoffte sie sich somit auch Erleichterung.
Der lange Weg zur Transition
Die sogenannte Transition, also der Geschlechterwechsel von Frau zu Mann oder umgekehrt, hat sich über viele Jahre erstreckt. Und verlief leider völlig anders als gedacht: "Eigentlich wollte ich Freiheit, als Mann unterwegs sein. Doch trotz der OPs hatte ich immer noch starke Regelschmerzen, keiner konnte mir helfen." Billie lebte ihr Leben als Mann weiter. Beruflich erfolgreich als Software-Ingenieur, privat in einer Beziehung mit einer Frau. Verheiratet, ein Kind.
Billie vor ihrer Transition zum Mann
Bildquelle: WDR/Manuela Klein15 Jahre als Mann gelebt
Doch gerade die Schwangerschaft und Geburt der kleinen Tochter haben in der 35-Jährigen einen tiefen Bruch und tiefe Trauer ausgelöst. "Mir wurde klar, dass ich nie selbst ein Kind haben kann. Dass die OPs vielleicht damals nicht der richtige Weg waren." Für sie ist es nicht mehr stimmig, als Mann vor den Kollegen zu stehen, als Mann angesprochen zu werden.
"Ich habe mich entschlossen, den Weg wieder zurückzugehen. Wieder als Frau zu leben." Billie Jules Wolf
Selbst unter Transmenschen ist das Thema "Detransition", also die geschlechtsangleichenden Maßnahmen ganz oder teilweise wieder rückgängig zu machen, ein Tabuthema. Als Mann zu leben, hat für Billie jedoch nicht das erhoffte Glück gebracht. "Mir ist klar geworden, dass ich irgendwann wohl einfach selbst geglaubt habe, ich sei ein Junge. Schließlich haben es mir ständig alle gesagt."
Detransition: Kaum einer spricht drüber
Und Billie möchte, dass dieses Tabu-Thema mehr Sichtbarkeit bekommt. Aus diesem Grund schreibt sie gerade ein Buch über ihr Leben, informiert auf ihrer Website über ihre persönlichen Erfahrungen. Sie möchte andere Menschen ermuntern, dass man einen einmal eingeschlagenen Weg auch wieder zurückgehen kann.
"Es ist nicht schlimm, sich im Leben auch wieder umzuentscheiden." Billie Jules Wolf
Wie genau die sogenannte Detransition ablaufen wird, kann Billie noch nicht genau sagen. Zur Zeit lässt sie sich in vielen Sitzungen den Bart weglasern. Auch über einen Brust-Aufbau denkt sie nach. Ihre Frau unterstützt sie bei diesem Weg. Für sie zählt der Mensch, nicht das Geschlecht. Eine große Hilfe auf einer langen Reise.
Spitzenreiter im Bundesvergleich
Offizielle Zahlen für Transmenschen in Nordrhein-Westfalen werden statistisch nicht flächendeckend erfasst. Es gibt jedoch offizielle Schätzungen.
Die Lebenslagenstudie des Landes NRW schätzt die Gesamtzahl von LSBTIQ*-Personen im Bundesland auf rund 1,8 Millionen. Das Statistische Bundesamt verzeichnete im Jahr 2025 in NRW 2.947 Fälle von Vornamens- und Geschlechtseintragsänderungen nach dem Selbstbestimmungsgesetz. Ein bundesweiter Höchstwert, gerade bei jüngeren Menschen.
Als Frau auf die Welt gekommen, akzeptiert Billie inzwischen, dass sie maskuline Züge hat und immer haben wird. Und dass sie früher vielleicht besser auf ihre eigene Stimme, statt auf die Beurteilungen der anderen gehört hätte. Nun geht es also den Weg vom Mann zur Frau wieder zurück - auch wenn dieser ganz sicher nicht einfach sein wird.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Billie Jules Wolf
- Lebenslagenstudie des Landes NRW
- Statistisches Bundesamt
Sendung: WDR.de, Kölnerin will Transition zum Mann rückgängig machen, 05.08.2026, 05:02 Uhr
