Gefahr für Trinkwasser in den Niederlanden

WDR 03:10 Min. Verfügbar bis 07.07.2028

PFAS aus Leverkusen Gefahr für Trinkwasser in den Niederlanden

Stand:

Recherchen des WDR zu schädlichen PFAS-Chemikalien aus der Deponie Leverkusen-Bürrig haben in den Niederlanden Sorgen um das Trinkwasser ausgelöst. Etwa 5 Millionen Menschen in unserem Nachbarland beziehen ihr Trinkwasser aus dem Rhein. Der WDR hat aufgedeckt, dass aus der Deponie Bürrig ständig PFAS-Chemikalien ungefiltert in den Rhein geleitet werden.

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Oliver Köhler

Wegen der hohen PFAS-Werte müssen die Niederländer das Rheinwasser mit riesigem Aufwand reinigen. Die niederländischen Rheinwasserwerke fordern jetzt, dass der Betreiber der Deponie in Leverkusen sein Abwasser filtern muss, bevor er es in den Rhein leitet.

Im Gegensatz zu vielen niederländischen Wasserwerken pumpen die deutschen Wasserwerke entlang des Rheins ihr Trinkwasser aus dem Uferfiltrat. Das Rheinwasser wird beim Einsickern in die dicken Kiesschichten schon gereinigt.

Weil gerade im Westen der Niederlande das salzige Meerwasser in die Kiesschichten eindringt, kann dort kein Trinkwasser gewonnen werden. Deshalb sind die Wasserwerke dort darauf angewiesen, Trinkwasser direkt aus dem Rhein und seinen Seitenarmen zu pumpen.

Exklusiv dürfen wir uns in einem Wasserwerk im Westen der Niederlande ansehen, welcher enorme Aufwand nötig ist, um aus Rheinwasser sauberes Trinkwasser zu machen. Gerard Stroomberg, Chemiker und Direktor des Verbandes der niederländischen Rheinwasserwerke führt uns durch eine riesige Halle, vorbei an Dutzenden Becken in der Größe von Schwimmbädern.

Immer größerer Aufwand beim Filtern von Wasser

Chemie aus Leverkusen gefährdet Trinkwasser in Niederlanden

Kohlefilteranlage in niederländischem Wasserwerk

Das Wasser schimmert tiefschwarz im Neonlicht. "Das hier ist eine Kohlefilteranlage", sagt Stroomberg. "Unsere Wasserwerke mussten die Ausgaben für Aktivkohle in den vergangenen Jahren deutlich steigern, weil wir feststellen, dass die Belastung des Rheins gerade auch mit PFAS-Chemikalien deutlich steigt", berichtet der Chemiker.

Messungen unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze haben ergeben, dass die PFAS-Belastung insgesamt zunimmt. "Neben der generellen Zunahme sehen wir auch, dass die Werte immer wieder mal ganz plötzlich in die Höhe schnellen", sagt Stroomberg.

PFAS-Belastung im Rhein steigt

Chemie aus Leverkusen gefährdet Trinkwasser in Niederlanden

Gerard Stroomberg im Gespräch mit Mitarbeiter des Wasserwerks

"Wenn wir dann Messergebnisse des Klärwerks in Leverkusen Bürrig mit unseren Messungen abgleichen, sehen wir, dass diese rasanten Anstiege von PFAS aus Bürrig kommen". Im Chempark in Leverkusen wurde die PFAS -Produktion zwar beendet. Aber in der Deponie in Bürrig lagern offenbar große Mengen der so genannten Ewigkeitschemikalie. PFAS bauen sich in der Umwelt nicht ab, sie bleiben für Ewigkeiten.

Aus der Deponie sickert Wasser in den Untergrund und wird dort ständig abgepumpt. Dieses Sickerwasser leitet der Deponiebetreiber Currenta über das Klärwerk in den Rhein. Aktivkohlefilter, die vor allem die gesundheitsschädlichen PFAS-Verbindungen aus dem Sickerwasser herausholen, setzt Currenta bisher nicht ein.

Deponiebetreiber erprobt Filteranlagen

Das Unternehmen schreibt auf Anfrage des WDR: "Currenta arbeitet bereits seit einiger Zeit intensiv daran, gezielte Maßnahmen und Behandlungsverfahren zu erproben, um die PFAS-Frachten (…) aus dem Sickerwasser schrittweise und nachhaltig zu reduzieren."

Chemiker Stroomberg vom niederländischen Verband der Rheinwasserwerke kann diese Aussagen nicht nachvollziehen. "Nach der Explosion in der Sonderabfallanlage bei Currenta vor fünf Jahren wurde das gesamte Löschwasser ja auch mit Aktivkohle gefiltert. Das wäre mit dem Sickerwasser aus der Deponie genauso möglich".

Currenta verdünnt Abwasser

Doch statt zu filtern, wird das PFAS-haltige Sickerwasser in der Kläranlage mit anderem Abwasser vermischt und verdünnt in den Rhein geleitet. Im Rhein werden die Chemikalien dann noch einmal verdünnt. "Was bei uns ankommt an Schadstoffwerten, ist für das Trinkwasser trotz der Verdünnung noch immer problematisch", sagt Gerad Stroomberg.

Die zulässigen Grenzwerte für Trinkwasser sind im Rheinwasser deutlich überschritten. In dem Wasserwerk, das wir im Westen der Niederlande besichtigen, durchläuft das Rheinwasser über mehr als drei Monate eine Kette von unterschiedlichen Reinigungs- und Filterprozessen. Weit am Ende der Kette stehen die Aktivkohlefilter.

"Es gilt eigentlich der Grundsatz, dass die Verursacher dafür sorgen müssen, dass ihre schädlichen Chemikalien nicht in die Umwelt gelangen", sagt Chemiker Stroomberg. "Im Fall der Deponie Leverkusen geschieht das aber nicht. Man schickt uns PFAS mit dem Rheinwasser in die Niederlande und wir müssen gucken, wie wir damit zurechtkommen. Das muss sich dringend ändern."

Gefahr für Trinkwasser in den Niederlanden

WDR 06.07.2026 01:41 Min. Verfügbar bis 05.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Verband der niederländischen Rheinwasserwerke
  • Gespräch mit Gerard Stroomberg
  • Currenta

Sendung: WDR.de, "PFAS-Chemikalien aus Leverkusen gefährden Trinkwasser in den Niederlanden", 05.07.2026, 05:06 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 07.07.2026, 19.30 Uhr

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