RWE-Kraftwerk in Bergheim

Kraftwerke - wie hier in Bergheim-Niederaußem - und Umspannwerke zählen zur kritischen Infrastruktur.

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Schutz für alle Das ist die Definition für kritische Infrastruktur

Stand:

Das angegriffene Umspannwerk bei Bergheim gehört zur kritischen Infrastruktur. Was ist das eigentlich? Und was gehört noch dazu?

Von
Victor Fritzen
Victor Fritzen

Beschädigte Kabel an Bahnstrecken, Cyberattacken auf staatliche Stellen oder Angriffe auf Umspannungswerke: Viele Menschen in NRW haben zuletzt erfahren, wie verwundbar die kritische Infrastruktur in Deutschland sein kann. Aber was ist das eigentlich?

Wie wird kritische Infrastruktur definiert?

Ob Strom, Wasser, Krankenhäuser, Telefon oder Bahn: Viele Bereiche des täglichen Lebens müssen auch in Krisen und Notlagen funktionieren. Sie werden deshalb als "Kritische Infrastruktur", kurz KRITIS, bezeichnet. Der Bund definiert es so:

"Kritische Infrastrukturen (kurz: KRITIS) sind Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden." Definition des Bundesinnenministeriums

Was gehört alles zur kritischen Infrastruktur in NRW?

Das Land NRW und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) haben mehrere Sektoren dafür definiert:

  • Energie
  • Transport und Verkehr
  • Finanz- und Wirtschaftswesen
  • Gesundheit
  • Trinkwasser/Abwasser
  • Abfallentsorgung
  • IT und Telekommunikation
  • Ernährung, Hygiene
  • Medien (und Kultur)
  • Staatliche Verwaltung

Der Bund hat im März 2026 ein Gesetz verabschiedet, in dem auch der Bereich "Weltraum" aufgeführt ist, die "Medien und Kultur" dagegen nicht. Unklar ist, inwieweit das Land oder das BBK das übernehmen.

Welche Unternehmen gehören zur kritischen Infrastruktur?

Es gibt nicht die eine Liste. Denn nicht jedes Unternehmen, das in einem der Bereiche angesiedelt ist, gehört auch zur kritischen Infrastruktur. Entscheidend ist, wie bedeutsam es für die Bevölkerung ist.

"Die Einrichtung muss hierzu essenziell für die Gesamtversorgung in Deutschland sein und mehr als 500.000 Personen versorgen", schreibt die Bundesregierung dazu.

Soweit der gesetzliche Rahmen. Gleichwohl kann ein kleines Krankenhaus genauso wichtig sein, wenn es für die Versorgung der Bevölkerung und das Funktionieren des Gemeinwesens besonders wichtig ist.

Das können sowohl privatwirtschaftliche als auch staatliche Einrichtungen sein - Krankenhäuser, Wasserwerke oder Energieversorger. In NRW sind das zum Beispiel RWE, Unikliniken oder Flughäfen. Sie müssen für die Behörden jederzeit (24/7) erreichbar sein.

Wer trägt die Verantwortung für die kritische Infrastruktur?

In erster Linie die Betreiber. Die Aufsicht hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn.

"Den Schutz dieser Infrastrukturen zu gewährleisten, ist eine Kernaufgabe für Staat und Wirtschaft und ein zentrales Thema der Sicherheitspolitik Deutschlands." Bundesinnenministerium

Der Bund hat die gesetzlichen Pflichten für die Betreiber kritischer Infrastruktur zuletzt verschärft. Sie müssen unter anderem nachweisen, dass sie sich vor Cyberattacken schützen und regelmäßig Risikoanalysen machen. Zudem müssen sie Sicherheitsvorfälle melden.

Die Betreiber sind allerdings unzufrieden mit den eher mageren Ermittlungsergebnissen zu den zahlreichen Sabotagefällen der vergangenen Jahre. "Die Täter müssen endlich dingfest gemacht werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing, der dpa

Er wünscht sich von Bund und Ländern auch finanzielle Unterstützung für wirksame Schutzkonzepte: "Der Staat darf seine Verantwortung für die öffentliche Sicherheit nicht auf die Unternehmen abwälzen."

Das ist die kritische Infrastruktur in NRW

WDR 02.09.2026 54 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • NRW-Arbeitsministerium
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz
  • Bundesinnenministerium
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR.de, "Das ist die kritische Infrastruktur in NRW", 02.09.2026, 16:44 Uhr

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