Missbrauchsbetroffene gründet neues Angebot für Angehörige
Bildquelle: WDR / Ulla Anne Giesen5 Min. 5 Sek.. Verfügbar bis 09.09.2028.
Kirche und Missbrauch : Münster hat neues Hilfsangebot für Angehörige
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Melanie Hach wurde als Kind sexuell missbraucht. Sie weiß, dass es für ihren Partner manchmal nicht leicht ist, mit den Folgen zurechtzukommen. Darum hat sie eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Missbrauchsbetroffenen in der katholischen Kirche gegründet - die erste in Deutschland.
Zu Beginn des Treffens ist Melanie Hach noch dabei, begrüßt die Gruppe. Dann verabschiedet sie sich. Zurück bleiben ihr Mann Hermann und weitere Angehörige von Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Für sie hat Melanie Hach in der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) im Bistum Münster eine Gruppe gegründet.
„Ich bin der Meinung, dass es eine Plattform für Angehörige geben muss, wo sie sich untereinander so aussprechen können, wie sie es nicht in Gegenwart ihres Partners tun würden.“ Melanie Hach, Gründerin der Selbsthilfegruppe
Die 53-Jährige selbst hat als Kind immer wieder sexualisierte Gewalt erfahren und leidet bis heute an den Folgen.
Austauschen, um loslassen zu können
Immer wieder habe sie gemerkt, wie das Erlebte auch ihre Beziehung beeinflusst. Sie habe ihrem Partner viel zugemutet. "Ich weiß nicht, ob ich das an seiner Stelle mitmachen würde", sagt Hach. Auch deshalb wollte sie ihm und Anderen die Möglichkeit geben, sich zu verbinden, sich auszutauschen. Um loslassen zu können.
Das Ehepaar Hach hat schon viele Krisensituationen gemeinsam bewältigt.
Bildquelle: WDR/ Dominik HamersHermann Hach stellt sich die Frage, ob er das mitmachen würde, nicht. Aber er sagt, dass er sich manchmal nicht erklären könne, warum manchmal plötzlich die Stimmung bei seiner Frau umschlägt. Und was er in dem Augenblick falsch gemacht hat. „Dann ist von jetzt auf gleich nichts mehr, wie es vorher war.“
Folgen des Missbrauchs: Plötzlich schlägt die Stimmung um
Die anderen Gruppenmitglieder kennen das. Petra Thewes aus Dülmen berichtet von ähnlichen Erfahrungen mit ihrem Mann, der als Kind von einem Priester missbraucht wurde. „Wenn wir unterwegs sind, ist alles in Ordnung. Dann kommen wir nach Hause, und manchmal legt sich dann ein Schalter um.“ Mehr als einmal habe sie sich gefragt, ob es an ihr liege.
Petra Thewes ist Teil der Selbsthilfegruppe und erlebt oft, was der erlebte Missbrauch mit ihrem Partner macht.
Bildquelle: WDR/ Dominik HamersWelcher Auslöser für welche Situation verantwortlich ist, lässt sich in so einer Gruppensitzung nicht abschließend klären. Aber immer wieder sagen die Teilnehmenden, wie wichtig es für sie sei, zu wissen, dass sie damit nicht alleine sind. „Ich kenne das aus anderen Krisen-Kontexten“, sagt Thewes. Sie habe daher lange nach so einer Möglichkeit gesucht.
Idee aus Münster soll Schule machen
Seit diesem Jahr gibt es die Gruppe. Erst seit diesem Jahr, könnte man sagen - denn der Bedarf ist da, sagt Jochen Elte, Mitarbeiter der UAK im Bistum Münster.
"Wir waren überrascht, wie groß der Bedarf war und dass diese Lücke noch nicht entdeckt worden war.“ Jochen Elte, UAK im Bistum Münster
Die UAK in Münster geht damit einen weiteren Schritt in der Aufarbeitung des Missbrauchskomplexes. Ein möglicher Ansatz für andere Bistümer? "Wir würden uns freuen, wenn diese Idee Schule macht“, sagt Elte.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Hermann Hach
- Gespräch mit Melanie Hach
- Besuch der Selbsthilfegruppe in Münster
- Gespräch mit Jochen Elte, UAK im Bistum Münster
- Gespräch mit Petra Thewes
Sendung: WDR.de, Missbrauchsbetroffene gründet neues Angebot für Angehörige, 10.09.2026, 7:10 Uhr
