Tageseltern drohen heftige Nachzahlungen

Bildquelle: WDR/ Nicole Albers

WDR 02:37 Min. Verfügbar bis 07.08.2028

Steuerskandal in Münster Tageseltern drohen heftige Nachzahlungen

Stand:

Tageseltern in Großtagespflegestellen drohen heftige Steuer-Nachzahlungen. Hat die Stadt Münster sie falsch beraten?

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Nicole Albers

"Das war ein Riesenschock, ich weiß gar nicht, was das für mich bedeutet." Matthias Dörmann arbeitet seit acht Jahren in einer Großtagespflegestelle in Münster und er hat Sorge um seine wirtschaftliche Existenz.

So wie ihm, geht es zur Zeit vielen Tagesmüttern und -vätern in Münster. Speziell denen, die in einer der Großtagespflegestellen der Stadt arbeiten. Mitte Juli haben die nämlich einen Brief vom Jugendamt bekommen. Darin geht es um ein steuerliches Problem, auf das die Stadt Münster hinweist.

Mieten für die Mini-Kitas zahlt Stadt

Zur Erklärung: In den Großtagespflegestellen können zwei Tagesväter- und -mütter bis zu neun Kleinkinder betreuen. Im Grunde sind es Mini-Kitas. Da Mieten in Münster bekanntlich sehr hoch sind, dringend aber neue Betreuungsplätze geschaffen werden mussten, hat die Stadt seit 2008 nach und nach 60 solcher Großtagespflegestellen neu geschaffen.

Spielzeugfahrzeuge auf einem Teppich.

Auch die Mieten für die Mini-Kitas sind in Münster hoch.

Bildquelle: WDR/ Nicole Albers

Die Mieten wurden seitdem zum Großteil von der Stadt selbst gezahlt - und zwar direkt an die Vermieter. Den Tagespflegepersonen wurde dabei offenbar suggeriert, dass sie lediglich ihre regulären Einnahmen versteuern müssen, nicht aber die Mietzahlungen der Stadt. Das sieht die Stadt Münster immer noch so, nicht aber das Finanzamt.

Steuer-Nachzahlungen im fünfstelligen Bereich

"Ich weiß von einer Kindertagespflegeperson, die geprüft wurde und da geht es schon um einen fünfstelligen Betrag, der nachgezahlt werden musste", erzählt Michaela Mignogna von der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e. V. Auch wenn sie sich sachlich dazu äußert, brodelt es in ihr. Denn im Falle einer Steuerprüfung droht vielen ihrer Berufskollegen eine heftige Nachzahlung.

Michaela Mignogna vom Berufsverband Kindertagespflege.
"Momentan fühlen sich viele allein gelassen." Michaela Mignogna, Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e. V.

Sie spricht von einem gravierenden Vertrauensverlust, denn sie sieht die Stadt in der Pflicht, die Tageseltern umfangreich zu beraten.

Tageseltern nehmen Politik in die Pflicht

Ihr Verein versucht nun aufzuklären und zu unterstützen. Im September soll es einen Informationsabend geben. Und auch Matthias Dörmann sucht den Austausch, allerdings mit der Stadt Münster. Dörmann ist Vorsitzender beim Verein Kindertagespflege Münster und hofft auf ein baldiges Treffen.

Tagesvater Matthias Dörmann im Porträt.
"Unser Ziel ist es, dass die Stadt aktiv wird und einen anderen Weg findet, mit diesem Problem umzugehen. Ich hab das Gefühl, dass die Stadt Handlungsspielraum braucht, den die Politik geben muss." Matthias Dörmann, Vorsitzender Verein Kindertagespflege Münster

Wie sein eigener Handlungsspielraum aussieht, das ist ihm noch völlig schleierhaft. Was er im schlimmsten Fall nachzahlen müsste, das wagt er gar nicht auszurechnen.

Klar ist ihm aber schon jetzt, dass er künftig mit herben Einkommenseinbußen rechnen muss, eben wegen der zu versteuernden Mietzuschüsse. "Dann muss ich überlegen, ob ich das überhaupt noch kann oder ob ein anderer Beruf jetzt an der Stelle nicht viel sinnvoller ist."

Stadt Münster rät Tageseltern zu Steuerberater

Und die Stadt Münster? Die rät den Tagespflegepersonen, sich steuerlich beraten zu lassen, denn als Selbständige seien diese "grundsätzlich selbst für die Erstellung ihrer Steuererklärung verantwortlich", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Verwaltung an den WDR.

Außerdem werde gerade an einem neuen Vertragskonstrukt gearbeitet, um allen Beteiligten Sicherheit zu schaffen. Klar ist, dass die Mietzuschüsse der Stadt künftig in die Steuererklärung der Tageseltern einfließen müssen, so wie es übrigens auch in allen anderen Kommunen seit Jahren üblich ist.

Tageseltern drohen heftige Nachzahlungen

WDR 10.08.2026 01:01 Min. Verfügbar bis 09.08.2028

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Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Matthias Dörmann, Verein Kindertagespflege Münster
  • WDR-Interview mit Michaela Mignogna, Berufsvereinigung Kindertagespflege
  • Amt für Kommunikation der Stadt Münster

Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Münsterland, 10.08.2026, 7:30 Uhr

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