Der Westfälische Friedenspreis wird am 1. Oktober in Münster an die Nato vergeben.
Bildquelle: Marcel Kusch/dpaWas braucht Frieden heute? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt des Bürgerdialogs, zu dem die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) am Dienstagabend in die Friedenskapelle in Münster geladen hatte.
Die Vergabe des Friedenspreises an die Nato bleibt umstritten.
Bildquelle: WDRDie Entscheidung der WWL, den Preis des Westfälischen Friedens am 1. Oktober auch an die Nato zu vergeben, hatte für Verwirrung und Gegenwind gesorgt. Rund 120 Bürger und Bürgerinnen sind der Einladung zum Dialog gefolgt und haben mitdiskutiert.
Kritik: Nur Männer in der WWL-Jury
Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, legte gleich mit ordentlicher Kritik vor. Sie monierte, dass elf Männer und keine einzige Frau in der Jury der WWL über die Preisvergabe entschieden hätten. Grundsätzlich sei "dieser Preis sowieso nicht dazu da, militärische Stärke zu würdigen", befand sie. Das saß.
Generalin: Aufruf zum Dialog
Die zweite Rednerin, die Brigade-Generalin Rejanne Eimers-van Nes vom Deutsch-Niederländischen Korps in Münster, machte sich vor allem für den Dialog stark. Sie habe kürzlich bei einer privaten Feier mit jungen Leuten darüber gesprochen, ob sie denn keine Angst in ihrem Job beim Militär hätte.
Präses Ruck-Schröder, SPD-Mann Roth, WWL-Chef Zinkann und Generalin Eimers-van Nes (von links) bei der Veranstaltung
Bildquelle: WDR/ Marco PoltronieriDas Gespräch habe zu "der besten Geburtstagsparty ever" geführt. Ihre Arbeit sei auch eine Arbeit für den Frieden und damit rechtfertigte sie die Preisvergabe an die Nato.
Roth nennt Roß und Reiter
Schließlich bekam der ehemalige SPD-Außenpolitiker Michael Roth das Wort. Als Staatsminister a. D. im Auswärtigen Amt hat er sich für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen.
Bis dahin waren die Worte "Putin" und "Russland" selten gefallen, nun aber allgegenwärtig. "Und was ist mit Verhandlungen mit Putin?" unterbrach eine Besucherin seine Darlegungen. "Reden Sie mal mit einem, der mit ihnen nicht reden will und kein Interesse an Verhandlungen hat", erwiderte Roth. Natürlich wolle jeder Frieden in der Ukraine, aber ohne sich zu verteidigen sei das unmöglich. Und da spiele auch die Nato eine große Rolle.
Nicht nur die vier Redner und Rednerinnen kamen zu Wort, alle Anwesenden durften ihre Meinung teilen.
Bildquelle: WDR/ Marco PoltronieriKlar, Skepis gegen alles Militärische sei gesund, aber eben auch gefährlich. "Die Welt hat sich dramatisch verändert", sagte Roth.
Das Schlusswort hatte Reinhard Zinkann von der WWL. Man müsse, was die Preisverleihung beträfe, nicht einer Meinung sein - das sei völlig in Ordnung. Aus seiner Sicht aber sei die Nato aus den verschiedensten Gründen ein würdiger Preisträger.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter Marco Poltronieri vor Ort in der Friedenskapelle
Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 27.05.2026, 6.31 Uhr.