Die Statue des Westfälischen Friedenspreises, ein Pferd

Der Westfälische Friedenspreis wird am 1. Oktober in Münster an die Nato vergeben.

Bildquelle: Marcel Kusch/dpa

Westfälischer Friedenspreis Münster diskutiert die Vergabe an die Nato

Stand:

Der Preis des Westfälischen Friedens geht dieses Jahr an die Nato. Das gefällt nicht jedem. Ein Bürgerdialog soll vermitteln.

Von Marco Poltronieri

Was braucht Frieden heute? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt des Bürgerdialogs, zu dem die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) am Dienstagabend in die Friedenskapelle in Münster geladen hatte.

Das Nato-Emblem vor einer verpixelten Weltkarte

Die Vergabe des Friedenspreises an die Nato bleibt umstritten.

Bildquelle: WDR

Die Entscheidung der WWL, den Preis des Westfälischen Friedens am 1. Oktober auch an die Nato zu vergeben, hatte für Verwirrung und Gegenwind gesorgt. Rund 120 Bürger und Bürgerinnen sind der Einladung zum Dialog gefolgt und haben mitdiskutiert.

Kritik: Nur Männer in der WWL-Jury

Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, legte gleich mit ordentlicher Kritik vor. Sie monierte, dass elf Männer und keine einzige Frau in der Jury der WWL über die Preisvergabe entschieden hätten. Grundsätzlich sei "dieser Preis sowieso nicht dazu da, militärische Stärke zu würdigen", befand sie. Das saß.

Diskussion zum Westfälischen Friedenspreis

WDR 27.05.2026 38 Sek. Verfügbar bis 27.05.2028

Generalin: Aufruf zum Dialog

Die zweite Rednerin, die Brigade-Generalin Rejanne Eimers-van Nes vom Deutsch-Niederländischen Korps in Münster, machte sich vor allem für den Dialog stark. Sie habe kürzlich bei einer privaten Feier mit jungen Leuten darüber gesprochen, ob sie denn keine Angst in ihrem Job beim Militär hätte.

Vier Personen stehen nebeneinander auf der Bühne und lächeln in die Kamera.

Präses Ruck-Schröder, SPD-Mann Roth, WWL-Chef Zinkann und Generalin Eimers-van Nes (von links) bei der Veranstaltung

Bildquelle: WDR/ Marco Poltronieri

Das Gespräch habe zu "der besten Geburtstagsparty ever" geführt. Ihre Arbeit sei auch eine Arbeit für den Frieden und damit rechtfertigte sie die Preisvergabe an die Nato.

Roth nennt Roß und Reiter

Schließlich bekam der ehemalige SPD-Außenpolitiker Michael Roth das Wort. Als Staatsminister a. D. im Auswärtigen Amt hat er sich für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen.

Bis dahin waren die Worte "Putin" und "Russland" selten gefallen, nun aber allgegenwärtig. "Und was ist mit Verhandlungen mit Putin?" unterbrach eine Besucherin seine Darlegungen. "Reden Sie mal mit einem, der mit ihnen nicht reden will und kein Interesse an Verhandlungen hat", erwiderte Roth. Natürlich wolle jeder Frieden in der Ukraine, aber ohne sich zu verteidigen sei das unmöglich. Und da spiele auch die Nato eine große Rolle.

Eine Zuschauerin steht vor einer Mitmach-Tafel. An dieser sind bunte Zettel angebracht.

Nicht nur die vier Redner und Rednerinnen kamen zu Wort, alle Anwesenden durften ihre Meinung teilen.

Bildquelle: WDR/ Marco Poltronieri

Klar, Skepis gegen alles Militärische sei gesund, aber eben auch gefährlich. "Die Welt hat sich dramatisch verändert", sagte Roth.

Das Schlusswort hatte Reinhard Zinkann von der WWL. Man müsse, was die Preisverleihung beträfe, nicht einer Meinung sein - das sei völlig in Ordnung. Aus seiner Sicht aber sei die Nato aus den verschiedensten Gründen ein würdiger Preisträger.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter Marco Poltronieri vor Ort in der Friedenskapelle

Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 27.05.2026, 6.31 Uhr.

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