Die Landwirte wollen in Heek eigentlich vier Windräder bauen mit finanzieller Beteiligung von Bürgern - jetzt sehen sie das Projekt bedroht.
Bildquelle: WDR / Markus WollnikWindparkplaner in Sorge : Liegt Kreis Borken plötzlich an der Nordsee?
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Im Kreis Borken droht ein geplanter Bürgerwindpark zu scheitern. Denn die 150 Kilometer von der Nordsee entfernte Region gilt im neuen Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) plötzlich als Küstenregion. Damit würden vier geplanten Windräder in Heek deutlich weniger Vergütung erhalten. Landwirte und Gesellschafter fürchten Millionenverluste.
Landwirt Bernhard Borgert schaut bedrückt in den bewölkten Himmel. Hier am Ortsrand von Heek im Kreis Borken will er mit zwei Berufskollegen einen Bürgerwindpark errichten. Vier Windräder, alle 250 Meter hoch - mitten auf aktuellen Ackerflächen. Doch all das soll bald Teil der sogenannten Küstenregion sein.
Bundeswirtschaftsministerium verweist auf Windpotential
So sieht es ein Regierungsentwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor. Ab nächsten Jahr würden Windräder in der Küstenregion danach deutlich weniger Vergütung bekommen als bisher.
Weht im Kreis Borken genauso viel Wind wie an der Küste?
Bildquelle: WDRDas Bundeswirtschaftsministerium begründet den Gesetzentwurf damit, den Ausbau erneuerbarer Energien fortzusetzen und gleichzeitig kosteneffizienter zu gestalten. In einer schriftlichen Antwort an den WDR teilte das Ministerium mit, die neue Küstenregion "wurde nicht nur anhand geographischer Faktoren bestimmt, sondern wesentlich anhand der sogenannten Windhöffigkeit", also dem Energiegewinnungs-Potential von Windrädern an bestimmten Standorten.
So sehen sie aus, die Windregionen in Deutschland.
Bildquelle: WDR / Markus WollnikProjektentwickler im Münsterland widersprechen dieser Einschätzung. Christoph Austermann vom Unternehmen Bäuerlicher Bürgerwind bezweifelt, dass die Windverhältnisse im Kreis Borken mit denen an der Küste vergleichbar seien.
Windpark in Heek: Wirtschaftlichkeit gefährdet
Landwirt Borgert rechnet vor, dass sich dann der gesamte geplante Bürgerwindpark nicht mehr rechnen würde:
"Damit sinkt unsere Vergütung sehr stark, so dass wir für unser Projekt im Jahr 300.000 Euro weniger Einnahmen haben." Bernhard Borgert,
Landwirt und Geschäftsführer der geplanten Bürgerwind GbR
Nach Borgerts Angaben würde das Projekt dadurch über die Vertragslaufzeit Einnahmeverluste von rund sechs Millionen Euro verzeichnen und unwirtschaftlich werden.
Kritik an Einstufung als Küstenregion
Für Kritik sorgt vor allem, dass der Kreis Borken trotz 150 Kilometern Entfernung zur Nordsee Teil der neuen Küstenregion werden soll. Mitinitiator Thomas Wesbuer zeigte sich überrascht.
"Ich hab wirklich an einen Aprilscherz gedacht. Wir fahren zwei Stunden mit dem Auto, dann sind wir in der Küstenregion." Thomas Wesbuer,
Landwirt und Geschäftsführer der geplanten Bürgerwind GbR
Die Planungen für den Windpark laufen nach Angaben der Initiatoren seit 2022. Nach mehreren Jahren Vorbereitung und Investitionen sehen sie das Projekt nun gefährdet.
Auch Gesellschafter fürchten Verluste
Von einem möglichen Aus des Projekts wären auch weitere Gesellschafter betroffen. Mehr als 20 Menschen haben sich an der Bürgerwind GbR beteiligt und Geld für die Planungskosten bereitgestellt. Auch Bürokauffrau Ingrid Brillert gehört zusammen mit ihrem Mann zu den Gesellschaftern. "Unsere Einlage von 30.000 Euro", sagt sie, "die wäre dann weg."
Die Landwirte, die den Windpark geplant haben, verstehen nicht, warum das Gebiet plötzlich Küstenregion sein soll.
Bildquelle: WDR / Markus WollnikMindestens 15 weitere Windparks betroffen
Nach Angaben des Kreises Borken könnte die geplante Neuregelung mindestens 15 weitere Windparkprojekte betreffen. Endgültig entschieden ist die Änderung noch nicht. Der Bundestag muss der Neuausrichtung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes noch zustimmen.
Landwirt Bernhard Borgert setzt jetzt auf mehrere Bundestagsabgeordnete aus der Region. Sie hätten ihm zugesagt, sich für Änderungen am Gesetzentwurf einsetzen zu wollen. Seine Hoffnung sei, dass der Kreis Borken am Ende keine Küstenregion werde. "Weil so viele Möwen und Robben haben wir hier nicht."
Unsere Quellen:
- Schreiben des Bundeswirtschaftsministeriums an den WDR
- Gespräch mit Landwirt Bernhard Borgert, Geschäftsführer der geplanten Bürgerwind GbR
- Gespräch mit Thomas Wesbuer, Mitinitiator des Windparkprojekts in Heek
- Gespräch mit Ingrid Brillert, Gesellschafterin der Bürgerwind GbR
- Gespräch mit Christoph Austermann, Sprecher des Unternehmens Bäuerlicher Bürgerwind
- Angaben des Kreises Borken
Sendung: WDR2, WDR2 für das Münsterland, 10.09.2026, 08:30 Uhr