Besonderer Preis für Einsatz gegen Muslimfeindlichkeit
WDR. 00:43 Min.. Verfügbar bis 01.07.2028.
Es ist Zufall, dass der Marwa El-Sherbini-Preis in diesem Jahr in Krefeld verliehen wird. Das "Forum muslimische Zivilgesellschaft NRW" (FmZ) vergibt ihn jedes Jahr in einer anderen Stadt an Menschen, die sich gegen antimuslimischen Rassismus einsetzen. Und im vergangenen Jahr war Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer einer der Preisträger. Benannt ist die Auszeichnung nach einer Frau aus Ägypten, die 2009 in Dresden aus islamfeindlichen Motiven und Hass getötet wurde.
Krefelder Entgleisung um "Vergasen"-Video
Muslimfeindlichkeit ist auch in Krefeld ein Thema. "Die vergangenen Tage haben auf erschreckende Weise sichtbar gemacht, in welchem Zustand sich Teile unserer gesellschaftlichen Debatte befinden", schreibt das FmZ in einer Stellungnahme vor der Preisverleihung. Ausdrücklich nennt das Forum den Krefelder Fall eines CDU-Mitglieds als Beispiel. Er soll in einem Video vom "Vergasen" von Muslimen gesprochen haben. Die Authentizität des Videos ist bislang nicht bestätigt, eine Stellungnahme des Mannes gibt es nicht.
In der Sache ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Die CDU hat gegen das Mitglied außerdem ein Parteiausschlussverfahren in Gang gesetzt. Der Betroffene darf dabei zu den Vorwürfen Stellung nehmen, in den kommenden Wochen entscheidet dann das sogenannte Parteigericht über einen möglichen Ausschluss.
Für das FmZ ist der Krefelder Fall nur die Spitze eines Eisbergs. Auch die Aussage von Kanzler Merz über "Probleme" im "Stadtbild" sowie die AfD-Forderung nach "Remigration" seien Teil einer Entgrenzung von Sprache.
"Antimuslimischer Rassismus ist kein Problem einer einzelnen Partei", meint das FmZ dazu. "So wie Antisemitismus, Antiziganismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit findet er sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus."
Marwa El-Sherbini-Preis wird in drei Kategorien vergeben
Cagdas Eren Yueksel (l.) und Bilal Bahadir bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2025
Der Marwa El-Sherbini-Preis soll Menschen belohnen, die sich Muslimfeindlichkeit entgegenstellen. Ein Preisgeld gibt es nicht, es geht laut FmZ um die Würdigung des Engagements. Vergeben wird die Auszeichnung in drei Kategorien. In der Kategorie "muslimische Preisträger" hat Çağdaş Eren Yüksel gewonnen. Der Regisseur und Produzent beleuchtet unter anderem mit seinem Dokumentarfilm "Gleis 11" die Lebensgeschichten der ersten Gastarbeiter in Deutschland.
In der Preiskategorie "non-muslimisch" hat der Islam- und Politikwissenschaftler Michael Kiefer von der Universität Osnabrück gewonnen. Laut Jury "analysiert und entlarvt" er gesellschaftliche Mechanismen zu muslimischen Lebensrealitäten in Deutschland wissenschaftlich fundiert.
Als drittes gibt es noch die Kategorie "Vereine, Organisationen und Institutionen". Hier hat sich am Mittwochnachmittag die Deutsch-Bosnische Initiative NRW e.V. AMANET aus Dortmund durchgesetzt. Sie engagiere sich seit vielen Jahren in herausragender Weise für das Gedenken an den "Völkermord von Srebenica", so das FmZ.
Unsere Quellen:
- Forum muslimische Zivilgesellschaft FmZ
- Staatsanwaltschaft Krefeld
- CDU Krefeld
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung:
WDR.de, In Krefeld werden Preise für Einsatz gegen Muslimfeindlichkeit vergeben, 01.07.2026, 08.30 Uhr
WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 01.07.2026, 19:30 Uhr
