Ausflugstipp: Mit der Melkerin Änneke durch die Schanz
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmWDR. 3 Min. 27 Sek.. Verfügbar bis 09.09.2028.
Klack. Klack. Klack. Schon von Weitem sind die Holzklumpen auf dem Pflaster zu hören. Dahinter ein Bollerwagen voller alter Utensilien, davor eine Frau in historischer Kleidung. "Willkommen auf der Schanz", ruft Änneke Schenk ihren Gästen zu. Der Wind streicht über die Wiesen, Schwalben jagen durch den Himmel, Kühe und Schafe grasen und der Horizont ist ganz weit weg. Die Schenkenschanz wirkt an diesem Vormittag wie ein Ort, an dem die Welt ein wenig langsamer geworden ist.
Änneke Schenk heißt eigentlich Hildegard Liebeton. Als Gästeführerin schlüpft sie in die Rolle einer Melkerin und nimmt ihre Besucher mit in die Zeit vor rund 100 Jahren. Sie erzählt von harter Arbeit, vom Leben mit dem Rhein und von einer Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kannte. "Die Schenkenschanz liegt mir am Herzen. Ich komme selbst aus der Gegend und finde es schön, wenn Besucher den Ort mit denselben leuchtenden Augen verlassen, mit denen sie angekommen sind."
Bollerwagen der Melkerin Änneke Schenk
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmWenn der Rhein das Sagen hat
Der Rhein und der Altrhein machen die Schenkenschanz einzigartig. Er schenkt dem Dorf seine besondere Lage, kann den Menschen aber auch Probleme bereiten. Steigt das Wasser, wird aus der Halbinsel fast eine Insel. Hinter der Hochwasserschutzmauer erinnern sich viele noch an Zeiten, in denen die Fluten bedrohlich nah an die Häuser rückten.
Trotzdem strahlt die Schenkenschanz Gelassenheit aus. Oben auf dem Deich schweift der Blick über die Altrheinebene. Der Duft von frisch gemähtem Gras liegt in der Luft, irgendwo ruft ein Vogel, und für einen Moment scheint der Alltag ganz weit weg. "Hier kann man einfach mal abschalten, die Ruhe und die Weite der Landschaft genießen", sagt eine Besucherin lächelnd. "Ich komme hier noch einmal hin und packe einen Picknick-Korb samt Fernglas ein, um mich hier auf eine der vielen Bänke zu setzen, die ein tolle Aussicht über die Landschaft bieten."
Das Dorf Schenkenschanz von oben
Bildquelle: WDRWenn ein kleines Dorf zur Insel wird
Im Winter und Frühjahr wird die besondere Lage der Schenkenschanz deutlich. Denn steigt der Rhein stark an, verwandelt sich das Dorf zeitweise fast in eine Insel. Nur Deiche und Hochwasserschutzmauern bewahren die rund 100 Einwohner dann vor den Fluten. Während Wiesen und Wege im Wasser verschwinden, zeigt sich, wie eng das Leben auf der Schanz seit Jahrhunderten mit dem Rhein verbunden ist.
"Wenn Hochwasser kommt, merkt man schnell, wer hier das Sagen hat: der Rhein", sagt Gästeführerin Liebeton. "Die Schänzer sind vorbereitet. Die Autos kommen rechtzeitig auf die sichere Seite des Altrheins, die Vorräte werden aufgefüllt. Die Menschen hier sind das seit Generationen gewohnt." Für Besucher ist das faszinierend. Für die Menschen hier gehört es zum Leben dazu.
Ein Dorf zwischen Wasser und Weltgeschichte
Nach 30 Minuten Führung ist die Gruppe in der Ortsmitte angekommen. Ein kleiner Platz mit Gemeindehaus und öffentlichem Bücherschrank. Heute leben auf der Schenkenschanz rund 100 Menschen in 47 Häusern. Zwischen Rhein, Altrhein und weiten Wiesen liegt das Dorf fast am Ende Nordrhein-Westfalens, kurz vor der niederländischen Grenze. "Wer hierherkommt, ob zu Besuch oder als Bewohner, findet Ruhe, Natur und jede Menge Platz zum Durchatmen", so Liebeton.
Die Geschichte des Dorfes Schenkenschanz
Bildquelle: WDR/Marcus Böhm"Dabei war die Schenkenschanz nicht immer so beschaulich", erzählt Liebeton ihrer Gruppe. "Ihren Namen verdankt sie dem Söldnerführer Martin Schenk von Nideggen, der hier 1586 eine Schanze errichten ließ." Eine Schanze ist eine befestigte Verteidigungsanlage aus Wällen, Gräben und Mauern, die zum Schutz eines strategisch wichtigen Ortes gebaut wurde.
Einst kämpften ganze Heere um den damals strategisch wichtigen Ort zwischen Rhein und Waal. Heute sind es vor allem Radfahrer, Spaziergänger und Geschichtsinteressierte, die den Weg hierher finden. "Kaum zu glauben, dass in so einem kleinen Dorf einmal europäische Geschichte geschrieben wurde", staunt ein Teilnehmer der Führung.
Die Gruppenführung dauert 90 Minuten
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmWarum viele wiederkommen
Nach 90 Minuten Führung blickt die Gruppe noch einmal über die Landschaft. Von der einstigen Festung ist heute kaum noch etwas zu sehen. Die Geschichten aber leben weiter, erzählt von der Kunstfigur und Melkerin Änneke Schenk, den Bewohnern und den Menschen, die immer wieder hierherkommen.
"Für mich ist jede Führung etwas Besonderes. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die Menschen staunen, wenn sie erfahren, welche Geschichte in diesem Dorf steckt", sagt Hildegard Liebeton in der Figur der Änneke Schanz. "Wer einmal auf der Schanz war, kommt meistens wieder."
Und während ihre Holzklumpen langsam in der Ferne verklacken, versteht man warum. Die Schenkenschanz ist kein Ort für große Attraktionen. Die Schanz begeistert mit Weite, Ruhe und der seltenen Fähigkeit, Vergangenheit und Gegenwart ganz selbstverständlich miteinander zu verbinden.
Wer mehr über die Schenkenschanz erfahren möchte, kann mit Änneke Schenk auf Zeitreise gehen. Die öffentliche Führung kostet neun Euro pro Person, Kinder nehmen kostenlos teil. Termine und Buchungen gibt es bei der Tourist Information Kleve und auf www.kleve-erleben.de.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Hildegard Liebeton, Gästeführerin in der Rolle Änneke Schanz
- WDR-Interviews mit den Teilnehmenden
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Ausflugstipp: Mit der Melkerin Änneke durch die Schanz, 25.09.2026, 10:55 Uhr
