25 Jahre Opferschutz im Kreis Kleve

WDR 03:13 Min. Verfügbar bis 08.07.2028

Klever Projekt wird 25 Wie überbringt man eine Todesnachricht?

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Wenn Menschen bei einem Unfall sterben oder schwer verletzt werden, beginnt für Angehörige ein Ausnahmezustand. Im Kreis Kleve begleitet ein spezielles Opferschutzteam der Polizei diese Momente seit 25 Jahren. Zum Jubiläum war am Mittwoch auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu Gast.

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Janina Amrath
Sabine Derieth, die Angehörige eines Unfallopfers, sitzt mit einer Tasse Kaffee am Tisch.

Als Angehörige eines Unfallopfers hat Sabine Derieth Hilfe vom Opferschutz bekommen.

Bei Sabine Derieth war es vor drei Jahren. Der Vater ist am vereinbarten Treffpunkt nicht erschienen, war nicht zu erreichen - und irgendwann kam der Streifenwagen mit zwei Polizeibeamten vorgefahren: Das Bereitschaftsteam vom Opferschutz. "Die haben uns dann gefragt, wer wir sind und uns ins Auto gebeten, meine Schwestern und mich", erzählt Sabine Derieth.

Der Vater wurde mit dem Fahrrad von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht. Sabine Derieth beschreibt das Gespräch im Streifenwagen als "ruhig und sachlich".

"Man versucht auch einfühlsame Worte zu finden, aber wichtig ist, die Wahrheit auch klar auszusprechen, damit die Nachricht überhaupt ankommt." Achim Jaspers, Opferschutzteam

Die Angehörigen werden nicht alleingelassen

Sabine Derieth und ihre Schwestern sind wie erstarrt. Zusammen mit dem Opferschutzteam fahren sie im Streifenwagen ins Krankenhaus. Dort kümmern sich die Polizeibeamten um alles Organisatorische: Wo sie hinmüssen, die Gespräche mit den Ärzten.

"Man ist selber so voll Aufregung und Adrenalin, das kriegt man gar nicht hin." Sabine Derieth

Als die Opferschützer sich nach Stunden verabschieden, sagen sie ganz deutlich: "Sie können immer anrufen." Und wenn Sabine Derieth es mal nicht getan hat, haben sie selbst angerufen. Nachgefragt, wie es ihr geht, wie dem Vater. Und auch als nach einer Woche klar ist, dass ihr Vater an den Verletzungen sterben wird, steht ihr der Opferschutz noch wochenlang zur Seite.

Opferschutzteam immer erreichbar - seit 25 Jahren, rund um die Uhr

Die Idee für den Bereitschaftsdienst entstand bei der Polizei Kleve vor 25 Jahren. Damals hat sie Gespräche mit Angehörigen von Verkehrstoten geführt und sie gefragt, was sie gebraucht hätten. Es wurde klar: Die Opfer eines Verkehrsunfalls sind nicht nur die Toten. Sondern auch die, die zurückbleiben. Das "Klever Modell" war geboren - ein eigenes Opferschutzprojekt der Kreispolizei Kleve.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Dienstgruppenleiter Todesnachrichten überbracht, zusätzlich zu ihren übrigen Aufgaben. Nun sind rund um die Uhr immer zwei Polizeibeamte im Dienst, die hinzugezogen werden, wenn ein Mensch stirbt oder schwer verletzt wird.

Polizei Kleve kümmert sich um Unfall-Angehörige

Dabei geht es aber eben nicht nur um die angemessene Überbringung einer Todesnachricht. Sie sind auch für Rückfragen da und gegebenenfalls auch für einen gemeinsamen Abschied.

"Wir danken den Beiden an der Unfallstelle, die uns so zur Seite standen." Ausschnitt aus einem Nachruf der Eltern eines elfjährigen Jungen, der bei einem Unfall starb

Den Betroffenen hilft. Manchmal melden sie sich Wochen oder Monate später noch einmal, um sich für die einfühlsame Unterstützung zu bedanken.

Opferschutzteam sammelt prägende Erfahrungen

Achim Jaspers ist von Anfang an beim Opferschutz der Polizei im Kreis Kleve dabei.

Achim Jaspers will bis zum Dienstende für den Opferschutz der Polizei im Kreis Kleve arbeiten.

Auch für die Polizeibeamten, die Angehörige in Ausnahmesituationen begleiten, sind das prägende Erfahrungen. Achim Jaspers ist von Anfang an beim Opferschutz dabei - er hat das Modell mitentwickelt. Er empfindet diesen Job als sehr wichtig. Deshalb will er bis zum Ende seiner Dienstzeit damit weitermachen.

"Das prägt einen fürs ganze Leben." Achim Jaspers vom Opferschutzteam der Kreispolizei Kleve

Tränen und Musik bei Jubiläumsveranstaltung

Die Jubiläumsveranstaltung des Klever Modells war emotional: Mit Musik einer Band vom Landespolizei-Orchester und den weißen Kreuzen, die auch als Mahnmal im Kreis aufgestellt sind.

Es wurde in einer Präsentation der einzelnen Opfern der vergangenen Jahre gedacht. Bei den Schilderungen einer Polizistin aus dem Opferschutz blieb kaum ein Auge trocken. Innenminister Herbert Reul hat dem Projekt seine Wertschätzung ausgedrückt.

"Sie waren die Erfinder. Die ersten, die das so gemacht haben." Innenminister Herbert Reul über den Opferschutz im Kreis Kleve

Laut Kreispolizei Kleve hat das Opferschutzteam in den vergangenen 25 Jahren mehr als 3.000 Einsätze gehabt und war 219.000 Stunden in Bereitschaft. Die Straßen im Kreis Kleve gehören zu den gefährlichsten in ganz NRW. 2025 waren es 19 Verkehrstote im Kreis Kleve.

25 Jahre Opferschutz im Kreis Kleve

WDR 08.07.2026 00:39 Min. Verfügbar bis 07.07.2028

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Unsere Quellen:

  • Polizei Kleve
  • Interview mit Sabine Derieth
  • Interview mit Achim Jaspers, Kreispolizei Kleve
  • WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 08.07.2026, 14:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 08.07.2026, 19:30 Uhr

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