JVA Willich: Ermittlung wegen Korruptionsvorwürfen | WDR aktuell
WDR. 00:28 Min.. Verfügbar bis 29.07.2028.
Wie erst heute bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft seit mehreren Wochen gegen zwei Bedienstete der Justizvollzugsanstalt (JVA) Willich I. Dabei geht es um Vorwürfe von Drogenhandel und Bestechlichkeit.
Beweismittel werden ausgewertet
Im Zuge der Ermittlungen gab es bereits am 13. Juli Durchsuchungen in der JVA. Das bestätigte eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in Krefeld dem WDR. Dabei seien Beweismittel sichergestellt worden, die nun ausgewertet werden müssten. Zuerst hatte der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet.
Ermittlungen auch an anderen Standorten
Der Fall in der JVA Willich reiht sich ein in eine Serie von Ermittlungen gegen Justizbeamte in NRW. So wird auch in Rheinbach und Euskirchen wegen Korruptionsverdacht ermittelt. In der JVA Siegburg hatte es vor wenigen Tagen eine Razzia wegen eines angeblich geplanten Aufstands von Gefangenen gegeben.
Die neuen Erkenntnisse über Unregelmäßigkeiten in dem nunmehr vierten NRW-Gefängnis sind deshalb auch politisch brisant.
Weitere Sondersitzung des Rechtsausschusses
Die Landtags-Oppositionsfraktionen von SPD und FDP empörten sich nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe darüber, dass sie nicht früher über die Durchsuchung in Willich unterrichtet wurden. Sie beantragten eine weitere Sondersitzung des Rechtsausschusses.
Werner Pfeil (FDP)
"Der Minister muss im Rechtsausschuss erklären, warum er Öffentlichkeit und Parlament über die Razzia in Willich wochenlang nicht informiert hat", sagte dazu FDP-Politiker Werner Pfeil. Laut WDR-Informationen soll die Sondersitzung am 5. August stattfinden.
Ministerium entschuldigt sich
In den vergangenen Wochen hatte sich der Rechtsausschuss in mehreren Sitzungen mit den Ereignissen in anderen Justizvollzugsanstalten beschäftigt. Auch die JVA Willich war dort Anfang des Monats Thema.
Mit den Vorwürfen der Opposition konfrontiert, räumte das NRW-Justizministerium Fehler ein: "Wir klären derzeit auf, warum eine Information des Parlaments nicht erfolgt ist. Das Parlament hätte über die Maßnahme informiert werden müssen", teilte ein Sprecher des Ministeriums auf WDR-Anfrage mit.
"Für die fehlende Unterrichtung des Parlaments und der Öffentlichkeit können wir uns an dieser Stelle nur entschuldigen." Sprecher des Justizministeriums am 29. Juli
In einem Schreiben vom Mittwoch bittet die Staatssekretärin im Justizministerium, Daniela Brückner, auch bei den Obleuten des Rechtsausschusses im Landtag um Entschuldigung. Das Schreiben liegt dem WDR vor. "Das Ministerium wird nun seine internen Prozesse und Strukturen analysieren, um eine umfassende Information des Parlaments sicherzustellen", heißt es darin.
SPD bringt Entlassung von Limbach ins Spiel
Benjamin Limbach (Grüne)
Die SPD kritisierte Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) scharf: Der habe angesichts mehrerer Unregelmäßigkeiten in Gefängnissen "die Kontrolle über den Justizvollzug in NRW verloren", erklärte Sonja Bongers, die rechtspolitische Sprecherin der Fraktion. "Wer selbst bei derart schwerwiegenden Vorgängen nicht für Transparenz sorgt, wird seiner politischen Verantwortung nicht gerecht", so Bongers.
"Entweder wollte der Minister nichts sagen oder er konnte es nicht. Beides wäre verantwortungslos und würde ein schweres Führungsversagen offenbaren", ergänzte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Müller-Witt. Sie brachte eine Entlassung des Ministers ins Spiel: Wenn er nicht für vollständige Transparenz sorge, "ist der Ministerpräsident in der Pflicht Verantwortung zu übernehmen", erklärte sie.
Verheerende Zustände in der JVA?
Die Justizvollzugsanstalt in Willich hatte bereits im Juni Aufmerksamkeit erzeugt. In einem öffentlichen Brandbrief prangerten Bedienstete damals angebliche verheerende Zustände an. So sollen schwere Straftaten vertuscht worden sein und Sicherheitsmängel bestehen.
Justizministerium wies Vorwürfe zunächst zurück
Das Justizministerium prüfte diese Vorwürfe daraufhin - und wies sie in einer Sitzung des Landtags-Rechtsausschusses am 8. Juli zurück. Die Vorwürfe hätten sich "in keinem Punkt bestätigt" hieß es in einem Bericht an den Ausschuss.
"Vielmehr zeigen die gewonnenen Erkenntnisse, dass die Zusammenarbeit innerhalb der JVA Willich I insgesamt von sachgerechten und professionellen Strukturen geprägt ist." Bericht des Justizministeriums für Rechtsausschuss am 8. Juli
Eine Einschätzung, die sich offensichtlich als Fehler herausstellte: Nur fünf Tage ließ die Staatsanwaltschaft die JVA Willich I durchsuchen.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Krefeld
- Antworten des NRW-Justizministeriums auf WDR-Anfrage vom 29. Juli
- Schriftlicher Bericht NRW-Justizministeriums vom 08. Juli
- Fraktionen von SPD und FDP im Landtag
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, Weitere Korruption in JVA? Durchsuchungen in Willich, 29.07.2026, 10:49

