Gegendemo zu CSD in Wesel angemeldet
WDR. 02:35 Min.. Verfügbar bis 08.07.2028.
Unter dem Motto "Nie wieder still" möchte die Stadt Wesel ihren ersten "Christopher Street Day" am Samstag mit bunter Demo und einem Straßenfest feiern. Die rechtsextreme Partei "Die Heimat" hat nun zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen. Diese soll laut Polizei um 13 Uhr am Weseler Bahnhof starten und anschließend in die Stadt führen.
CSD-Route und Gegendemo sollen sich nicht überschneiden
Zwei Stunden später beginnt dann die eigentliche CSD-Demo in Wesel. Um 15 Uhr treffen sich die Teilnehmer auf dem großen Markt und bewegen sich dann zum Berliner Tor. Laut Polizei sollen sich die Routen von CSD und Gegendemo nicht überschneiden. Die genaue Teilnehmerzahl und Route der Gegendemo möchte die Polizei Wesel nicht bekannt machen.
Veranstalter vom Christopher Street Day wollen sich nicht einschüchtern lassen
Isabell Boller und Ingeborg Deselaers-Pottgießer von der Initiative „Wesel für Demokratie und Vielfalt e.V. wollen sich nicht einschüchtern lassen.
"Wir wollen uns das nicht kaputt machen lassen", meint Ingeborg Deselaers-Pottgießer. Sie ist 2. Vorsitzende des Vereins Wesel für Demokratie und Vielfalt e.V. Es sei bitter, dass jetzt so eine Note mitschwinge, allerdings hätten sie als Veranstalter eine "trotzige Zuversicht" und wollen sich nicht einschüchtern lassen.
"Wir vertrauen darauf, dass die Polizei für Schutz sorgen wird und raten Teilnehmenden, immer in Gruppen unterwegs zu sein." Auf den sozialen Medien helfen sie auch dabei, dass sich Einzelne vorab einer Gruppe anschließen können.
Prinz Sebastian I. ist einer der Schirmherren für den CSD in Wesel.
Auch Tim und Sebastian, das amtierende Weseler Karnevalsprinzenpaar, werden am Samstag beim CSD dabei sein. Die beiden sind verheiratet und setzen sich für ein offenes Wesel ein. "Mir macht es wirklich Angst, dass Leute hierherkommen, die gar nicht aus dieser Stadt kommen und unsere schöne Feier einfach zerstören wollen", so Sebastian I.
"Auf uns Weseler ist Verlass, wir werden Flagge zeigen und den Rechtsextremen keine Plattform bieten." Karnevalsprinz und Schirmherr Sebastian I.
Partei "Die Heimat" als rechtsextrem eingestuft
Nach Angaben des Verfassungsschutzes ist "Die Heimat" mit rund 2.500 Mitgliedern die größte gesichert rechtsextreme Partei Deutschlands. Sie ist nach einer Namensänderung 2023 aus der NPD hervorgegangen. Die Partei erhält seit 2024 keine staatliche Parteienfinanzierung mehr. Das hat das Bundesverfassungsgericht beschlossen, da "Die Heimat" die freiheitlich-demokratische Grundordnung missachte und in ihrem Verhalten auf deren Beseitigung ausgerichtet sei.
Die Gegendemonstration der Partei sei nach dem Versammlungsrecht korrekt angemeldet worden, so die Polizei. Mit verstärkten Einsatzkräften wolle die Polizei dafür sorgen, dass beide ihre Versammlungen abhalten können und wolle "lageangepasst" reagieren." "Die Lage ist dynamisch und wird jeden Tag neu bewertet," sagte der Sprecher der Kreispolizei Wesel.
Unsere Quellen
- Kreispolizei Wesel
- Telefoninterview mit Ingeborg Deselaer-Pottgießer, Verein Wesel für Demokratie und Vielfalt
- Mitteilung des Verfassungsschutzes
- Mitteilung des Bundesverfassungsgerichts
- Interview mit Karnevalsprinz Sebastian I.
Sendung: WDR.de, Gegendemonstration in Wesel, 08.07.2026, 09:55 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 08.07.2026, 19:30 Uhr