Sichtbarkeit auch abseits der Großstädte
WDR. 02:33 Min.. Verfügbar bis 13.07.2028.
Tausende beim ersten CSD in Wesel : Sichtbarkeit auch abseits der Großstädte
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Zum ersten Mal hat Wesel einen Christopher Street Day gefeiert. Tausende Menschen kamen in die Innenstadt und setzten ein Zeichen für Vielfalt und Gleichberechtigung. Gerade in kleineren Städten sehen viele Teilnehmende darin eine wichtige Möglichkeit, queeres Leben sichtbar zu machen.
Schweißperlen, Freudentränen und ein Meer aus bunten Farben: Bei der Premiere des ersten Christopher Street Days in Wesel haben Tausende Menschen gemeinsam für Vielfalt und Gleichberechtigung demonstriert. Der Andrang übertraf die Erwartungen der Organisatoren. Zeitgleich demonstrierten rund 30 Rechtsextreme in der Innenstadt.
Das Schlagzeug vibriert, die Gitarrensaiten flirren und der Chor singt "Don’t Stop Me Now" von Queen. Auf dem Platz: Feiernde Menschen. Zwischen Sonne und Asphalt ist die Stadt zum Backofen geworden. Aber die Seifenblasen fliegen, die Gesichter strahlen und wer eine Regenbogenfahne hat, schwingt sie.
Der CSD-Umzug durch die Weseler Innenstadt
Mitsingen, sich einhaken, Händchen halten. Sich küssen. Was wie eine gewöhnliche Party wirken könnte, ist für viele hier alles andere als gewöhnlich. Der erste CSD in Wesel soll zeigen, dass queeres Leben auch am Niederrhein sichtbar ist.
Der Andrang überrascht Orga-Team
Mit einer so großen Resonanz hatte das Organisationsteam nach eigenen Angaben nicht gerechnet. "Es ist der erste CSD und ein relativ kleiner - dachten alle im Vorfeld", sagt Julius Alexandris aus Wesel. "Und jetzt ist es diese riesige Veranstaltung und alle sind hier. So viele Menschen, die uns supporten."
Zu den Unterstützern gehört zum Beispiel Jonas aus Xanten. "Ich war noch nie auf einem CSD", sagt er. "Aber so in der Nähe ist natürlich top."
"Der Zug nahm ja gar kein Ende!", sagt Frank, der selbst in Wesel wohnt. Er freut sich: "Heute setzen wir ein ganz klares Statement für Diversity, für Queerness, für alles, was der Regenbogen zu bieten hat."
Bürgermeister begleitet den Demonstrationszug
Auch beim Umzug ist er dabei – und am Berliner Tor in der Menge vor der Bühne zu finden. "Ich bin einfach unglaublich stolz", sagt er. "Wenn man das sieht, wie viele Menschen zusammengekommen sind. Wie viel Liebe hier versprüht wird, wie viel Zusammenhalt da ist in der Stadtgesellschaft. Und dass Tausende von Menschen hier zusammen feiern. Das ist ein tolles Gefühl."
Rechtsextreme demonstrieren in Wesel
Im Vorfeld hatte eine angemeldete rechtsextreme Gegendemonstration für Aufmerksamkeit gesorgt.
Neonazis demonstrieren in Wesel gegen CSD
Am Samstag reisten nach Angaben der Polizei rund 30 Rechtsextreme mit Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen und Kleinstparteien nach Wesel an. Sie kamen unter anderem aus dem Ruhrgebiet und Düsseldorf. Empfangen wurden sie in Wesel von etwa 150 Menschen, die gegen ihre Anwesenheit protestierten.
Beim Gegenprotest dabei war der 24-jährige Max aus Wesel. Dem CSD haben die Rechtsextremen am Ende genützt statt geschadet, sagt er. "Ich gehe davon aus, dass wir höchstens noch mehr werden dadurch, weil mehr Sichtbarkeit da ist. Also eigentlich Werbung für uns."
Pro-CSD-Protest gegen Rechtsextreme in Wesel.
Die innenstädtische Route führte die etwa 30 Rechtsextremen vorbei an Fitnessstudios, Nagelsalons, Shisha- und Barber-Shops, begleitet von Rufen wie "Wesel nazifrei!" und "Nazis raus", Mittagshitze und Sirenengeheul. Vor Beginn des CSD-Umzugs war die Versammlung schon aufgelöst und die Gruppe wieder abgereist.
Queere Sichtbarkeit auch in kleineren Städten
Für viele Teilnehmende war die Premiere mehr als eine Demonstration. "Mir liegt das total am Herzen", sagt Ellen aus Xanten. "Mein Zwillingsbruder ist homosexuell. Seit Jahren ist das einfach ein ganz, ganz wichtiges Thema für mich."
Julius Alexandris aus Wesel wünscht sich, dass der CSD ein Signal sendet an alle in der Community. "Egal, wie es weiter geht für euch, egal was ihr macht, wer ihr seid, wie ihr liebt, wie ihr lebt: Alle sind okay."
Auch Hanna erzählt von einer Begegnung mit einer Passantin aus Wesel. Die habe gefragt, was dort eigentlich gefeiert werde. Nachdem ihr der Christopher Street Day erklärt worden sei, habe sie geantwortet: "Ist doch ganz normal?" Für Hanna ist genau das die Hoffnung, die mit dem ersten CSD in Wesel verbunden ist.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Bürgermeister Wesel
- Polizei Wesel
- Zahlen vom NRW-Innenministerium
Dieser Beitrag liefert Informationen zum WDR Instagram-Reel "Beim ersten Christopher Street Day in Wesel ziehen tausende Menschen am Samstag (11.07.) durch die Stadt." vom 12.07.2025, 11:00 Uhr.
Sendung: Lokalzeit Duisburg, 13.07.2026, 19:30 Uhr