Falscher Notfallsanitäter vor Gericht in Kleve

WDR 02:41 Min. Verfügbar bis 16.07.2028

Falscher Notfallsanitäter vor Gericht Senior nach Einsatz gestorben

Stand:

Mit gefälschten Papieren bewarb sich ein Mann erfolgreich bei NRW-Rettungsdiensten. Bei einem Einsatz starb ein 80-Jähriger, weil er eine fragwürdige Medikation verabreicht bekam. Nun stand er vor Gericht - wo die Tochter des Opfers klare Worte fand.

Vor dem Klever Landgericht muss sich seit Donnerstag ein 31-jähriger Mann aus dem Kreis Heinsberg verantworten. Ihm wird Totschlag, Körperverletzung und Urkundenfälschung in zwei Fällen vorgeworfen. Er soll als Notfallsanitäter bei einem Einsatz in Kamp-Lintfort den Tod eines 80-jährigen Patienten verursacht haben.

Eine Person hält ein Porträt eines Mannes in einem grauen Rahmen in den Händen.

Die Töchter des Verstorbenen haben ein Foto ihres Vaters zum Prozessauftakt dabei gehabt.

Im Prozess räumte der Angeklagte ein, sich als falscher Notfallsanitäter ausgegeben zu haben. Im konkreten Fall bestreitet er allerdings eine Tötungsabsicht. Zu Beginn des Prozesses ließ der Angeklagte über seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. Mit gefälschten Unterlagen habe er sich bei verschiedenen Vermittlungsfirmen erfolgreich auf Jobs als Notfallsanitäter beworben.

Schwer kranker Patient und fragwürdige Medikation

Obwohl bei dem Rettungseinsatz im August vergangenen Jahres schnell deutlich wurde, dass es dem 80-jährigen Patienten immer schlechter ging, soll sich der Angeklagte geweigert haben, einen Notarzt hinzuzuziehen. Zusätzlich soll der Angeklagte dem Patienten eine falsche Medikation in unbekannter Dosis verabreicht haben.

Auch die zahlreichen Hinweise der anwesenden Töchter, dass es dem Vater immer schlechter gehen würde, sollen den 31-Jährigen unbeeindruckt gelassen haben.

80-Jähriger stirbt nach Rettungseinsatz im Krankenhaus

Die beiden Töchter des Verstorbenen stehen mit einem Foto ihres Faters vor dem Landgericht in Kleve.

Die Töchter des Verstorbenen sind zum Prozessauftakt erschienen.

Als der Patient schließlich auf Anweisung des zweiten Notfallsanitäters ins Krankenhaus gebracht wurde, soll sein Zustand mittlerweile so schlecht gewesen sein, dass er wenige Zeit später verstarb.

Töchter bringen zum Prozessauftakt Foto vom Verstorbenen mit

Zum Prozessauftakt sind die Töchter zum Klever Landgericht gekommen. Mitgebracht haben sie ein Foto ihres verstorbenen Vaters. "Ich will meinem Vater ein Gesicht geben", sagt Merisa Spengler. Ihr Vater sei lebenslustig gewesen, trotz seiner Erkrankungen.

"Er wurde uns so plötzlich genommen. Er ist einfach weggegangen und wir können damit nicht abschließen." Merisa Spengler, Tochter des Verstorbenen

Am nächsten Prozesstag sagen Spengler und ihre Schwester als Zeuginnen aus.

Gefälschte Bewerbungen bei Rettungsdiensten

Der 31-jährige Angeklagte soll sich mindestens zweimal mit gefälschten Papieren bei Rettungsdiensten beworben haben - in Wermelskirchen und Kamp-Lintfort. In beiden Fällen wurde er auch eingestellt.

Auch in Wermelskirchen sei der Angeklagte aufgefallen. Dort soll er einem Patienten bei einem Einsatz eine Infusion verabreicht haben, die zum Ersticken und zu Kreislaufversagen hätte führen können. Eine anwesende Notfallsanitäterin konnte das aber noch verhindern.

Deutsches Rotes Kreuz ist "erschüttert"

Das Logo des Deutschen Roten Kreuz auf einer weißen Fassade.

Der Angeklagte war bei einem Dienstleister für das Deutsche Rote Kreuz im Einsatz.

Für das Deutsche Rote Kreuz war der Angeklagte am Tag des Einsatzes über einen Dienstleister eingesetzt. Auf den habe man sich verlassen, sagt Michael Hendricks vom DRK Kreisverband Niederrhein.

"Die haben uns vertraglich versichert, dass die Urkunde und das polizeiliche Führungszeugnis vogelegt und geprüft wurde." Michael Hendricks, DRK Kreisverband Niederrhein

Was nun beim Prozessauftakt ans Licht gekommen ist, "erschüttert" Hendricks. Für die Zukunft fordert der DRK-Kreisverband ein zentrales Register mit allen wichtigen Unterlagen von allen im Rettungsdienst Tätige.

Staatsanwaltschaft zu möglichem Totschlag

Laut Staatsanwaltschaft soll dem Angeklagten bewusst gewesen sein, dass er nicht über ausreichende medizinische Kenntnisse verfügt. Im Fall des in Kamp-Lintfort Verstorbenen soll er den Tod billigend in Kauf genommen haben. Sollte der Angeklagte verurteilt werden, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.  

Falscher Notfallsanitäter in Kleve vor Gericht

WDR 16.07.2026 00:40 Min. Verfügbar bis 15.07.2028

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Unsere Quellen:

  • Landgericht Kleve
  • Interviews des WDR-Reporters vor Ort
  • dpa

Sendung: WDR.de, Falscher Notfallsanitäter in Kleve vor Gericht, 16.07.2026, 5:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 16.07.2026, 18:09 Uhr

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