Kinderarzt aus Moers kritisiert Sparpaket

WDR 03:16 Min. Verfügbar bis 13.07.2028

Offener Brief zur Gesundheitsreform Arzt aus Moers macht sich Sorgen

Stand:

Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem - so will es ein neues Gesetz. Ein Arzt aus Moers macht sich darum Sorgen um seine Patienten.

Von Julian Schildheuer

Ein elf Monate alter Junge krabbelt über die Untersuchungsliege in der Moerser Kinderarztpraxis. Er hustet und hatte Fieber: ein normaler Infekt. Kein Grund zur Sorge. Das neue Sparpaket im Gesundheitssystem aber schon, findet Dr. Thomas Geerkens.

Untersuchungen und Impfungen teilweise selbst bezahlen?

Es geht um das sogenannte Beitragsstabilisierungsgesetz. Das sieht vor, dass Krankenkassenbeiträge nicht weiter steigen sollen. Dafür muss aber fast im gesamten Gesundheitssystem gespart werden.

Dr. Thomas Geerkens stört sich daran, dass präventive Maßnahmen von den Krankenkassen nur bis zu einem bestimmten Betrag bezahlt werden. "Zu diesen präventiven Maßnahmen gehören Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen", erklärt Geerkens.

In einem offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten aus den Kreisen Wesel und Kleve kritisiert Geerkens diese Sparmaßnahmen. Denn das bedeute für Praxen, sie würden nur bis zu einer bestimmten Anzahl an Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen bezahlt. Danach zahlen entweder Eltern oder die Kinder werden nicht untersucht oder geimpft.

Zu wenig Kinderärzte am Niederrhein

Im Kreis Wesel und im Kreis Kleve kommt ein weiteres Problem dazu: "Viele Kinderarztpraxen bleiben unbesetzt, wir haben immer weniger Kinderärzte." Die einzelne Praxis müsste also eigentlich mehr Untersuchungen machen, um alle Familien zu versorgen. "Die Vorsorge muss bezahlt werden, ansonsten arbeiten wir nicht mehr wirtschaftlich," sagt Dr. Thomas Geerkens.

Eltern machen sich Sorgen

Kinderarzt schlägt wegen Beitragsstabilisierungsgesetz Alarm

Ulrike Lucas beim Arztbesuch mit ihrem Enkelkind

Dann wird es das Problem der Eltern. Ulrike Lucas begleitet ihre Enkel regelmäßig zum Arzt. Für sie wird hier am falschen Ende gespart: "Die Gefahr besteht darin, dass viele Eltern es sich nicht leisten können, die Vorsorgeuntersuchungen zu bezahlen, die ihren Kindern eigentlich zusteht und das finde ich falsch."

Die Eltern, die an diesem Tag in der Praxis sind, sehen ein, dass gespart werden müsse - aber nicht bei Kindern und ihrer Gesundheit.

CDU-Politiker versucht zu beruhigen

Im Bund haben CDU und SPD das Gesetz beschlossen, auch der Bundesrat hat zugestimmt. Von den Bundestagsabgeordneten hat Dr. Thomas Geerkens vorher keine Antwort erhalten. SPD-Abgeordneter Jan Dieren hatte eine Besprechung aus Termingründen abgesagt. Auch auf WDR-Anfrage sagt Dieren aus den selben Gründen ab.

Kinderarzt schlägt wegen Beitragsstabilisierungsgesetz Alarm

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sascha van Beek hat dem Beitragsstabilisierungsgesetz zugestimmt.

Sascha van Beek von der CDU hatte sich vor seiner Legislatur die Gesundheitsversorgung des ländlichen Raumes auf die Fahne geschrieben. Jetzt verteidigt er das Gesetz - er hat selbst zugestimmt: "Das Budget für Vorsorgeuntersuchungen kann aufgestockt werden, wenn die Fallzahlen erkrankter Menschen ansteigen." Es gäbe also mehr Vorsorge, wenn schon mehr Menschen krank sind.

Dr. Thomas Geerkens ist deshalb weiterhin besorgt. Zwischen Geerkens und van Beek soll es in den kommenden Tagen ein Gespräch geben.

Unsere Quellen:

  • Gesetzentwurf der Bundesregierung für das Beitragsstabilisierungsgesetz
  • Interview mit Dr. Thomas Geerkens
  • Interview mit Sascha van Beek
  • Interview mit Eltern in der Kinderarztpraxis

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 13.07.2026, 19:30 Uhr

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