Abschiebegefängnis in Mönchengladbach rückt näher
WDR. 01:35 Min.. Verfügbar bis 22.07.2028.
NRW kauft frühere Kaserne : Abschiebegefängnis in Mönchengladbach rückt näher
Stand:
Das Land NRW hat Teile eines früheren Militärgeländes in Mönchengladbach gekauft. Dort soll ein zweites Abschiebegefängnis für abgelehnte Asylbewerber entstehen. Wann gebaut wird, ist offen. Auch sorgt das Projekt weiterhin für Kritik.
Die bisher einzige Einrichtung dieser Art in NRW, die Abschiebungshaft in Büren, gilt seit längerem als überlastet. Um Entlastung zu schaffen, bereitet der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes laut der Deutschen Presse-Agentur derzeit die Ausschreibungen für den Neubau vor.
Im Januar 2025 hatte die damalige NRW-Flüchtlingsministerin Josefine Paul (Grüne) angekündigt, dass in Mönchengladbach 140 Plätze für Ausreisepflichtige geschaffen werden sollen.
NRW kauft Flächen auf JHQ Rheindahlen
Einige Monate später stand das Vorhaben auf der Kippe, weil die Bundeswehr das Gelände möglicherweise doch selbst nutzen wollte. Inzwischen hat der Bund aber beschlossen, auf das früheren NATO-Hauptquartier (JHQ) der britischen Streitkräfte zu verzichten. Der Kaufvertrag wurde geschlossen, allerdings muss der Bundestag den Verkauf noch bestätigen. Wann mit dem Bau des Abschiebegefängnisses begonnen werden kann, ist noch unklar.
In Büren im Kreis Paderborn steht das bisher einzige Abschiebegefängnis in NRW. Mit etwa 175 Plätzen ist es das größte seiner Art in ganz Deutschland - mehr dazu hier:
Bedenken wegen Menschenrechten und Umweltschutz
Gegen das Millionenprojekt regt sich lokaler und überregionaler Widerstand. Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen betonen, dass Menschen in Abschiebehaft keine Straftäter seien, die Inhaftierung eine Stigmatisierung bedeute und ein Entzug der Freiheit nur das allerletzte Mittel sein dürfe.
"Wir lehnen nicht nur den Bau in Mönchengladbach, sondern generell von Abschiebegefängnissen ab", stellt Diana Gröschel (Grüne) klar, Mitglied im Mönchengladbacher Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration. Zudem warnt sie vor den ökologischen Folgen: Die geplante Flächenversiegelung stehe den städtischen Zielen zur Klimaanpassung entgegen. Neben den Umweltfolgen hinterfragen Kritiker auch die geschätzten Baukosten von rund 300 Millionen Euro.
Damit stellen sie sich die Grünen in der Regoin gegen die Position ihrer Landespartei, die den Bau befürwortet. "Mit der zweiten Unterbringungseinrichtung schaffen wir die notwendigen Kapazitäten, um Rückführungen weiter rechtssicher und geordnet vollziehen zu können", hatte die damalige Ministerin Josefine Paul die Zustimmung begründet.
Landesregierung verweist auf Synergien
Auch die CDU betont, dass zusätzliche Plätze nötig seien und verweist auf den guten Standort in Mönchengladbach. "Durch die benachbarte Erstaufnahmeeinrichtung gibt es Synergieeffekte durch die Behörden, die vor Ort sind, Dolmetscher und den Flüchtlingsrat, die dann alle kurze Wege hätten", so Jochen Klenner (CDU), als Abgeordneter aus Mönchengladbach Mitglied des Landtags.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Landesregierung NRW
Sendung: WDR.de, Planung für Abschiebegefängnis in Mönchengladbach geht weiter, 22.07.2026, 8:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 22.07.2026, 12:45 Uhr