"Besser als ein Sechser im Lotto"
Bildquelle: WDR/Ina ReuterWDR. 3 Min. 16 Sek.. Verfügbar bis 25.09.2028.
"Kikerikii!" Sechs Hähne krähen um die Wette. Dahinter: Wiesen, Obstbäume, Kopfsteinpflaster – ein alter Vierkanthof zwischen Grevenbroich und Rommerskirchen. Der Alshof gehört jetzt dem Tierschutzverein Rhein-Kreis Neuss. Im Februar 2025 kam der Brief vom Amtsgericht. Der Verein war Alleinerbe. 15.000 Quadratmeter Land, dazu ein denkmalgeschützter Hof. "Besser als ein Sechser im Lotto!", sagt Vorstand Benjamin Pasternak. Verkaufen? Kurz überlegt. Dann war klar: Dieser Ort soll bleiben.
Vom Schlachthof gerettet - jetzt bekommt Merri Platz
"Merri war eine Zuchtstute und sollte geschlachtet werden", erzählt Projektleiterin Lea Gladbach-Krieger. Heute steht die Stute auf dem Alshof. Genau für solche Tiere soll der Hof zur Rettungsstation werden: für Großtiere, die im Tierheim Oekoven nicht ausreichend Platz finden.
Projektleiterin Lea Gladbach-Krieger will eine Rettungsstation schaffen.
Bildquelle: WDR/Ina ReuterAuch die sechs Hähne haben eine ungewöhnliche Geschichte. Sie wurden aus einem Fall von Animal Hoarding gerettet und sichergestellt. "Im Tierheim haben wir nicht genug Platz", sagt Pasternak. "Hier auf dem Alshof ist es ideal für die Hähne." Aus dem Erbe wird so ein Ort für Tiere, die sonst kaum eine Chance hätten.
"Dann habe ich meinen Job an den Nagel gehängt."
Für Lea Gladbach-Krieger bedeutet der Alshof auch einen Neuanfang. Nach 15 Jahren als Bäckergesellin übernahm sie die Projektleitung. "Der Verein fragte mich: Möchtest du persönliche Projektleitung werden? Und da war ich natürlich Feuer und Flamme."
Projektleiterin Lea Gladbach- Krieger hat ein Auge auf Antonia und Pferd Wendy.
Bildquelle: Ina ReuterHeute ist sie hier die Chefin – und muss aus einer überraschenden Erbschaft ein funktionierendes Tierschutzprojekt machen. Die ersten Bewohner sind schon da: vier Pferde, sechs Katzen und sechs Hähne. Schildkröten sollen folgen. Und dann sind da noch die Kinder.
Hier lernen Kinder, was Tierschutz bedeutet
"Die Kinder dürfen alles mitmachen!" Johanna (14) misst Kraftfutter ab und weicht es ein. Liam (12) mistet aus, Zoe holt Äpfel von der Streuobstwiese. Die kleine Antonia führt die große weiße Wendy aus dem Stall und lernt, wie man ein Pferd richtig striegelt. Einmal im Monat treffen sich die Kinder schon jetzt auf dem Alshof. Geplant sind Ferienfreizeiten sowie Natur- und Tierschutzprojekte.
"Unsere Kinder hier sind ganz interessiert. Die wollen wissen, warum machen wir das jetzt so? Was brauchen die Pferde und Katzen, damit es ihnen wirklich gut geht? So lernen sie Verantwortung." Lea Gladbach-Krieger, Projektleiterin Alshof
Tierschutz zum Mitmachen: Die Kinder- und Jugendgruppe vom Alshof.
Bildquelle: WDR/Ina ReuterDenn Tierschutz bedeute auch: Tiere artgerecht versorgen, sie vor Grausamkeiten zu bewahren und ihnen immer mit Respekt zu begegnen. "Wenn sie das von klein auf lernen, ist es doch ideal", meint Gladbach-Krieger.
Jetzt fängt das eigentliche Abenteuer erst an
Noch ist auf dem Alshof längst nicht alles fertig. In den kommenden Monaten wird weiter renoviert. Der Hof soll wachsen – auch als Lernort: Kinder und Jugendliche können sich der Tierschutzgruppe anschließen, für Erwachsene sind Fortbildungen geplant. Vieles davon ist noch Zukunftsmusik. Aber der Anfang ist jetzt gemacht. Aus einem überraschenden Erbe soll ein lebendiger Tierschutz-Hof werden. Und genau das macht den "Sechser im Lotto“ vielleicht so wertvoll.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Tierschutzverein erbt Bauernhof, 28.09.2026, 05:55 Uhr
